Am Samstagmorgen klingelt es an der Tür. Der Amazon-Mann übergibt Willy, meinem Kater, unser Exemplar von der neuen Knopfler CD. Der Kater besteht darauf, dass wir uns alles direkt anhören.
Um es direkt zu sagen: Das hat nichts mehr mit Dire Straits oder ‚Money for nothing, Chicks for free‘ oder ‚Sultans of Swing‘ uvm zu tun. Knopfler ist jetzt stolze 74 Jahre alt. Im August sind es 75. Der Mann ist so was von tiefenentspannt, der könnte auch Entspannungskurse geben. Die Platte ist wunderschön, aber man muss sich auf die ruhige, melancholische Grundstimmung einlassen. Da geht nirgendwo die Post ab.
In der Musikpresse ist oft die Rede von einem Blick in den Rückspiegel, weil die Texte durchweg mit Rückbesinnung und dem Blick in die Vergangenheit zu tun haben. Abschiednehmen aber auch Wiederkehr,
Willy gefällt das Album genauso wie mir, auch wenn er zwischendurch ein wenig schläfrig wird.
Zurück zur Platte.
‚One Deep River’, insbesondere der Titeltrack, ist eine Ode an den Fluss River Tyne in Newcastle, wo Knopfler, geboren im schottischen Glasgow, seine Jugend verbrachte. Es ist das zehnte Soloalbum und das erste nach 2018 (Down the Road wherever).
Wenn man uns fragt, welche Stücke uns begeistern, dann sind das verträumte ‚Black Tie Jobs‘, der Countrystyle in ‚Before my train comes‘ und ,Sweeter than the rain‘. Die kritische Weltbetrachtung in ,This one’s not going to end well‘ und nicht zuletzt die Geschichte vom Abschied auf dem Bahnhof‚ Watch me gone‘
I was leavin', mostly heartache
But I was in no mood to rejoice
There was so much that was wrong, whateverWatch me go, babe, watch me gone
Von Anfang bis Ende der gewohnte und von uns geliebte zarte Gitarrensound, natürlich nur mit den Fingerkuppen und keinem Plektrum gespielt. Ein rundum gelungenes schönes Album. Wem die normale CD nicht genügt, der kaufe die Box mit 8 Bonustracks und einigem Schnickschnack.
Knopfler hat im Januar seine Gitarrensammlung für 8 Millionen Pfund versteigern lassen. Kater und Kolumnist hoffen, dass das kein schlechtes Omen ist.
