Am letzten Sonntag meinte Willy, mein Kater, es sei an der Zeit, eine Kolumne über unseren guten Freund und Kumpel Mario Laux zu schreiben. Willy schob seinen roten Fressnapf mit den bunten Mäusen bei Seite und ich mein Espressotässchen. Wir legten los:
Im Januar 2017 begegnete Mario uns zum ersten Mal. Er hatte sich als Anwalt in der Kanzlei beworben und wurde mit offenen Armen genommen. Seitdem etablierte er sich als Fachanwalt des Verkehrsrechts und des Baurechts. Spätestens, als er sein Zimmer mit schwarzgrünen Plakaten vollständig tapeziert hatte, war jedem klar: Der Mann hat eine Passion. Der Club vom Niederrhein mit Namen Borussia Mönchengladbach.
Unser Mario ist ein Kämpfer, wie Willy, mein Kater. Für seine Mandanten kratzt und beißt er und seine Gegner wissen, dass er keine Gefangene macht. Mit der gleichen Leidenschaft sitzt er an jedem Wochenende vor dem TV oder im Stadion und erleidet, wie seine Borussia mal wieder Prügel bezieht. Und das schon seit Jahren. Wann werden die mal wieder Meister? Ist schon lange her. Mario wartet unbeeindruckt und geduldig.
Wir sind da nicht so tapfer. In den 70ern, nach den großen Erfolgen, haben wir uns den großen Bayern zugewendet. Unser großer Held war damals Günter Netzer. Die Gedanken schweifen.
Der 23. Juni 1973 war ein mäßig verregneter Tag. Keiner ahnte, dass denkwürdiges geschehen würde. Auch nicht die knapp 70.000 Besucher des Rheinstadions in Düsseldorf. Ein groß gewachsener junger Mann mit wallender blonder Mähne betrat das Spielfeld. Nach der zweiten Ballberührung in der 94. Minute schoss er das entscheidende 2:1 für die Borussia gegen 1.FC Köln. Nicht nur die große Schar der Bewunderer von Günter Netzer erinnern sich und das hat einen Grund: Don Günter, wie er später bei Real Madrid ehrfurchtsvoll gerufen wurde, wechselte sich selbst ein. Ein absolutes Novum. Der als autoritär bekannte Trainer Hennes Weisweiler war nicht im Geringsten amüsiert. Er war sauer, weil Günter nach Madrid wechseln wollte und setze ihn in dem Endspiel nicht ein. Für uns als Vertreter der aufbegehrenden Generation war Günter der Held.
Günter war einer der größten Strategen aller Zeiten. Leider wurde er bei der Weltmeisterschaft ein Jahr später in Hamburg beim Spiel gegen die DDR vom Bundestrainer Helmut Schön sinnlos verheizt. Er hätte der Weltmeistermannschaft gut zu Gesicht gestanden.
„Und was hat das jetzt mit Mario zu tun?“ Der Kater ist neugierig.
„Günter war einer, der nicht viel schwätzte, sondern einfach machte; That’s all.“
