Vier Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal kommen die Menschen zusammen, um zu gedenken. Die seelischen Wunden sind noch lange nicht verheilt.

Ahrtal |

"Es kommt immer wieder hoch", sagt Gerlinde Schüller im Quartierstreff der AWO in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Am vierten Jahrestag der Flutkatastrophe, bei der allein im Ahrtal 135 Menschen starben, erinnern sich die Betroffenen.

"Fünf Minuten später wäre ich ertrunken"

Für die Anwohner sind es unterschiedliche Trigger, die die Erinnerungen wachrufen: Mal ist es der Regen, mal der Geruch nach Schlamm und Öl, mal sind es bestimmte Orte in der Stadt. Inge Stelzenmüller, die seit über 20 Jahren in Bad Neuenahr-Ahrweiler lebt, hat die Flutnacht in der dritten Etage überlebt. "Ich bin kurz davor noch in der Tiefgarage gewesen", erinnert sie sich. "Wäre ich fünf Minuten später gewesen, dann wäre ich ertrunken."

"Das Tal ist immer noch verletzt"

Bürgermeister Guido Orthen (CDU) betont, dass noch viel zu bewältigen sei. "Wir sind bei weitem nicht aus dem Gröbsten raus. Dieses Tal ist immer noch verletzt und verwundet", sagt er beim ökumenischen Gedenkgottesdienst im Kurpark.

Auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer besuchte die Region am Jahrestag. Die Flutkatastrophe habe sich "wie eine Narbe in die neuere Geschichte des gesamten Landes eingeprägt", so Schweitzer.

Gemeinsam erinnern hilft bei der Verarbeitung

Ruth Adenäuer kommt mit ihrem Mann Wilhelm zum vierten Mal zum Gedenken. In der Flutnacht mussten sie in die zweite Etage flüchten und wurden erst am nächsten Mittag von Bundeswehr und Feuerwehr evakuiert. Als sie später ihr Haus erreichten, stand das Wasser im Erdgeschoss 1,80 Meter hoch.

"Wir kommen immer wieder", sagt sie zum Gedenken, "weil die Erinnerung bleibt." Es helfe, mit anderen zusammen zu sein. "Die haben dasselbe erlebt, die müssen es auch irgendwie verarbeiten wie wir auch. Es macht Fortschritte, mit dem Verarbeiten."