In einer Ausstellung zur Fußballgeschichte des Landes können Besucher Teil des Fanblocks werden, Stadien bauen und selbst spielen. Es geht aber nicht nur um den Sport, sondern auch um Emotionen.

Koblenz |

Schon mal in einem Museum laut getrommelt? Oder mit einem Ball gekickt? In der interaktiven Familienausstellung «Fußballfieber» auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz ist das bald möglich - und sogar gewünscht. «Sport und Museen sind eigentlich zwei ziemlich, wie soll ich sagen, getrennte Welten», sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD) bei einem Besuch der Ausstellung am Montag. «Hier konnten wir sie verbinden, auch emotional.»

Erinnerungen an große Spiele

Von einem dieser emotionalen Momente im Fußball berichtete der frühere Europameister Stefan Kuntz, dessen Medaillen auch Teil der Ausstellung sind. Er erinnerte sich an das EM-Halbfinale 1996 in England. «In dem Moment, wo die Zuschauer unsere Köpfe gesehen haben, hat für mich eine Aufwärmzeit von 40 Minuten Gänsehaut angefangen. Die ist gar nicht weggegangen», erinnerte sich der frühere U21-Nationaltrainer. «Ich habe mich auch selber ein paar mal beim Dehnen erwischt, wie ich mehr so in der Gegend rumgeguckt habe. Es war so eine unglaubliche Stimmung.»

Exponaten von Stefan Kunz dabei

Mindestens genauso wichtig wie die großen Erfolge und Sportler sei aber der ehrenamtliche Helfer im Dorfverein, sagte Kuntz. «Und der kriegt keine so große Wertschätzung.» Deshalb habe er seine Exponate gerne hergegeben. Vielleicht sei unter den Besuchern jemand dabei, der sage: «Boa, als der FCK damals Meister geworden ist, da war ich Ordner oder Sanitäter.» Dies seien dann «die schönen Geschichten, die man dann manchmal ein kleines bisschen vergisst.» Ebeling sagte, man wolle dem Fußball auch als großartigem Vereinssport huldigen: «Zweitausend Fußball-Vereine in Rheinland-Pfalz prägen dieses Land, sie verbinden Menschen.»

75 Fußballgeschichte in Rheinland-Pfalz

Die Ausstellung zeigt von Freitag an bis Anfang November wichtige Momente und Bestandteile aus 75 Jahren rheinland-pfälzischer Fußballgeschichte. Besucher und Besucherinnen können die Stadien des 1. FSV Mainz 05 und des 1. FC Kaiserslautern zusammenbauen, ihr Glück beim Tischkicker versuchen oder mit großen Trommeln Teil einer Fan-Choreografie werden.

Sehenwerte Ausstellungsstücke

Daneben warten Exponate wie eine Replik der Meisterschale des 1. FC Kaiserslautern von 1998 und der originale Fußballschuh von Fritz Walter bei seinem letzten Spiel für die deutsche Nationalmannschaft 1958. In den kommenden Jahren soll die Ausstellung auch in Mainz und Kaiserslautern zu sehen sein.