Der Fall hatte Koblenz über Jahrzehnte beschäftigt. Zum Prozessauftakt gegen einen heute 81 Jahre alten Mann war der Gerichtssaal bis auf den letzten Platz besetzt. Bereits mehr als eine Stunde vor Beginn hatte sich vor dem Landgericht eine Schlange gebildet.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die damals 24-jährige US-Amerikanerin Amy Lopez am 26. September 1994 auf der Festung Ehrenbreitstein sexuell missbraucht und anschließend getötet zu haben. Verteidiger Volker Klein erklärte vor Gericht, sein Mandant räume die Tat vollumfänglich ein. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters bestätigte der Angeklagte dies mit einem „Ja“.
DNA-Spuren bringen nach Jahrzehnten den Durchbruch
Amy Lopez befand sich damals auf einer Europareise und wollte die Festung besichtigen sowie in der dortigen Jugendherberge übernachten. Laut Anklage soll der damals 49-Jährige sie unter einem Vorwand in einen abgelegenen Raum gelockt, gefesselt und sexuell missbraucht haben. Anschließend soll er sie unter anderem mit neun Messerstichen getötet haben. Spielende Kinder entdeckten wenig später ihre Leiche.
Jahrzehntelang blieb die Tat ungeklärt. Erst die erneute Untersuchung alter DNA-Spuren mit moderner Technik führte zu dem heute 81-Jährigen. Ende Februar 2026 wurde er in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.
Nach Angaben seines Verteidigers hatte der Mann freiwillig eine DNA-Probe abgegeben, weil ihn die ungeklärte Tat stark belastet habe und er sich seiner Verantwortung stellen wollte.
Gutachter hält Angeklagten für voll schuldfähig
Ein psychiatrischer Gutachter berichtete vor Gericht, der Angeklagte habe bereits vor der Tat Vergewaltigungsfantasien gehabt und Handschellen mit zur Festung genommen. Messer, Handschellen sowie Kleidungsstücke habe er nach der Tat im Rhein versenkt. Vor dem Gespräch mit dem Gutachter hatte der Mann zudem in der Untersuchungshaft eine religiöse Beichte abgelegt.
Nach bisheriger Einschätzung des Sachverständigen war der Angeklagte zur Tatzeit voll schuldfähig. Die Familie von Amy Lopez lässt sich im Prozess durch Anwälte vertreten und erhofft sich eine umfassende Aufklärung sowie eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Für das Verfahren sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt. Nach derzeitiger Planung könnte das Urteil am 9. September fallen.
