Dicke Panzer mit leuchtenden Linien und dazu ein sonniges Gemüt: Drei Strahlenschildkröten sind die neuesten Bewohner des Exotariums im Zoo Neuwied. Auf der Fläche, auf der bis vor Kurzem noch australische Beuteltiere lebten, zieht nun ein Hauch von Madagaskar ein.

Neuwied |

Ein Hauch von Madagaskar im Exotarium

„Wir haben das Gehege komplett umgebaut und thematisch auf madagassische Arten ausgerichtet“, erklärt Thorben Maur, Revierleiter im Exotarium. „Die Beuteltiere waren zwar sehr spannend, aber durch ihre ausgeprägte Nachtaktivität tagsüber kaum zu sehen. Jetzt können unsere Besucher Tiere beobachten, die sowohl optisch faszinieren als auch aktiv am Tag sind.“

Das neugestaltete Gehege bietet den Strahlenschildkröten optimale Bedingungen – sonnige Liegeplätze, strukturierte Böden und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten, die an ihre natürliche Heimat erinnern.

Vom Wohnzimmer in den Zoo

Die drei neuen Bewohner – ein Männchen und zwei Weibchen – stammen aus einer Privathaltung, in der sie über 25 Jahre lang liebevoll gepflegt wurden. Da Strahlenschildkröten über 100 Jahre alt werden können, suchten die bisherigen Besitzer frühzeitig nach einer dauerhaften Unterbringung.

„Wir freuen uns sehr, den Tieren hier ein Zuhause bieten zu können“, berichtet Maur. „Die bisherigen Halter haben sie vorbildlich gepflegt, was wir an ihrem ausgezeichneten Zustand erkennen. Sie sind gesund, aktiv und bereits geschlechtsreif.“

Und offenbar fühlen sie sich im neuen Domizil wohl: Das Männchen zeigte sich gleich sehr engagiert gegenüber seinen beiden Partnerinnen – zur Freude des Tierpflegerteams. „Wir hoffen natürlich, dass diese Begeisterung Früchte trägt“, sagt Maur schmunzelnd. „Nachwuchs wäre eine tolle Sache, denn die Art ist in der Natur stark gefährdet.“

Bedrohte Schönheit aus Madagaskar

Die Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata) zählt zu den schönsten, aber auch bedrohtesten Schildkrötenarten der Welt. Sie lebt in den Trockenwäldern Madagaskars – Lebensräume, die durch Abholzung und Landwirtschaft rapide schwinden.

„Viele tropische Regenwälder stehen unter Druck, aber die Trockenwälder Madagaskars verschwinden noch schneller“, erklärt Maur. „Zusätzlich werden Strahlenschildkröten in manchen Regionen gefangen, gegessen oder illegal als Haustiere verkauft.“

In Zoos ist die Nachzucht dieser Art bislang selten. Jeder Zuchterfolg trägt daher zum Schutz der Art bei. „Wenn wir es schaffen, Nachwuchs zu bekommen, wäre das ein toller Erfolg – sowohl für uns als Team als auch für das europäische Erhaltungszuchtprogramm, dem wir uns anschließen möchten“, so Maur.

Madagassische Vielfalt als Ziel

Die Strahlenschildkröten sind die Pioniere der neuen Madagaskar-Anlage, doch sie sollen bald Gesellschaft bekommen. „Wir planen, das Gehege künftig mit weiteren madagassischen Arten zu besetzen – etwa Chamäleons, Schienenechsen, kleinere Leguane, Geckos oder sogar Vögel“, kündigt Maur an.

Damit entsteht im Exotarium Schritt für Schritt ein neues Highlight, das Besucherinnen und Besuchern faszinierende Einblicke in die einzigartige Tierwelt Madagaskars bietet.

Artenschutz trifft Besucherfaszination

„Ich freue mich sehr über diese neue Anlage – sie verbindet genau das, was wir im Zoo erreichen wollen: gute Tierhaltung, Artenschutz und ein attraktives Besuchserlebnis“, fasst Maur zusammen. „Und wenn dann eines Tages kleine Strahlenschildkröten durchs Gehege krabbeln, wäre das das i-Tüpfelchen.“