Ihr Lieben,
kennt ihr das: Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich stundenlang durch meinen Instagram-Feed scrolle und sehnsüchtig diese perfekt inszenierten Bilder anschaue – das makellose Familienglück, die durchgestylten Wohnungen, das Leben in all seinen strahlenden Momenten. Natürlich weiß ich, dass das nur Ausschnitte sind, Momentaufnahmen. Und dennoch: Auch ich versuche, mein Leben auf Instagram möglichst positiv darzustellen. Kein Filter, aber eben doch die Szene, in der die Kinder lachen und der Kaffee gerade frisch duftet. Ein schöner Moment – aber nicht die ganze Wahrheit. Es ist schwer, sich dem zu entziehen, selbst wenn man sich, so wie ich, immer wieder bewusst macht, dass hinter den Kulissen ein ganz anderes Bild Realität sein könnte.
Und dann frage ich mich: Was macht das mit uns? Wie stark beeinflusst diese permanente Flut von perfekt inszenierten Bildern unser eigenes Selbstbild? Wie viele Momente im Alltag gehen verloren, weil wir nicht mehr im Hier und Jetzt leben, sondern ständig darauf bedacht sind, den nächsten „Instagram-würdigen“ Moment zu kreieren?
Es gibt Influencer, die behaupten, authentisch zu sein. Sie zeigen ihre "Realität", sprechen offen über ihre Fehler, Unsicherheiten und das Chaos in ihrem Leben. Aber selbst diese Authentizität ist oft stark kuratiert. Denn am Ende des Tages bleibt es doch ein Business. Klicks, Follower und Reichweite entscheiden über den Erfolg. Selbst echte Tränen können inszeniert wirken, wenn sie perfekt in den Feed passen.
Besonders kritisch sehe ich die Entwicklung für junge Menschen. In der Phase des Erwachsenwerdens, in der Selbstfindung und Identitätsentwicklung, haben sie ohnehin mit Unsicherheiten und Selbstzweifeln zu kämpfen. Aber durch die ständige Konfrontation mit vermeintlich perfekten Leben auf Social Media wird dieser Druck noch verstärkt. Was macht das mit ihrem Selbstwertgefühl? Wie soll man mit dem Bild, das einem täglich vermittelt wird, mithalten?
Trotzdem bin auch ich nicht frei davon. Eine Zeit lang habe ich sogar versucht, über Instagram Reichweite zu generieren, um im Network Marketing erfolgreich zu sein. Doch auch wenn der Erfolg ausblieb, blieb die Erkenntnis, dass es immer darum geht, eine bestimmte Fassade zu wahren, selbst wenn diese Fassade "authentisch" wirken soll. Irgendwann habe ich erkannt, dass dies nicht der Weg ist, auf dem ich dauerhaft unterwegs sein möchte. Mir ist es viel wichtiger, echte Verbindungen zu Menschen zu schaffen, die sich mit meinen Themen wirklich auseinandersetzen. Und das geht natürlich auch online, aber eben ohne Maskerade.
Vielleicht ist es eine Frage des Maßes. Social Media hat seine Berechtigung und kann inspirieren, motivieren und informieren. Doch es sollte nicht unsere Realität verfälschen oder uns dazu bringen, den Wert unseres Lebens an der Anzahl der Likes oder Follower zu messen. Vielmehr sollten wir uns fragen: Was bleibt, wenn die Kamera aus ist? Wenn niemand zusieht, keine Likes kommen und das "perfekte Bild" niemanden mehr interessiert? Denn am Ende zählen die echten Momente – die, die nur uns gehören und die wir nicht teilen müssen, um sie wertvoll zu machen.
In diesem Sinne, achtet auf eure Social-Media-Zeiten und schaltet, ganz im Sinne von Peter Lustig (die Generation der 80er und 90er weiß, was gemeint ist...), auch mal ab.
Eure Dani
