Hast du dich jemals gefragt, ob angeborene Beinfehlstellungen unausweichlich zu frühzeitiger Arthrose führen? Die gute Nachricht: Nicht zwangsläufig! Erfahre hier, warum gelenkerhaltende Verfahren oft die bessere Wahl sind, bevor man an eine Prothese denkt.

Gelenkverschleiß bereitet Schmerzen und ist lästig. Seine Ursachen sind jedoch häufig komplex und es macht Sinn sich eingehend mit ihnen zu beschäftigen, wenn man die Arthrose ursächlich behandeln möchte. Hast Du dich schon einmal gefragt, ob eine angeborene Fehlstellung der Beine zwangsläufig zu einer frühen Arthroseentwicklung führt? Die gute Nachricht lautet: Nicht unbedingt! In diesem Artikel möchten wir Dir einen Einblick in die Welt der gelenkerhaltenden Verfahren bei Beinfehlstellungen geben und zeigen, dass es oft sinnvoll ist, alternative Wege zu gehen.

Angeborene Fehlstellungen, zum Beispiel O- oder X-Beine können unsere Kniegelenke sehr stark belasten. So wird beispielsweise die Innenseite des Gelenks beim O-Bein im Gehen bereits mit etwa 80% unseres Körpergewichtes belastet. Beim Laufen oder Springen können die entsprechenden Kontaktdrücke noch höher ausfallen. Fun fact: hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass Fußballspielen eine Ursache für O-Beine sei. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Die Fehlstellung stammt nicht vom Fußballspielen; Menschen mit O-Beinen haben vielmehr einen biomechanischen Vorteil bei Schüssen und Dribblings, weshalb überproportional viele von ihnen auch O-Beine haben.

Im Laufe der Zeit kann eine solche Fehlbeanspruchung des Kniegelenkes zu einem vorzeitigen Verschleiß von Knorpel und Meniskus und letztlich auch zu einer einseitigen Arthrose führen. Doch bevor man dann an eine Knievollprothese denkt, sollten alle anderen Optionen in Betracht gezogen werden. Hochspezialisierte gelenkerhaltende Verfahren bieten hier eine vielversprechende Alternative. Diese Techniken zielen darauf ab, die natürliche Anatomie des Knies wiederherzustellen, die biomechanische Beanspruchung zu normalisieren und Schmerzen so effektiv zu lindern.

Neben speziell für diese Einsatzzwecke entwickelten Orthesen, sogenannten Unloader- oder OA-Braces, oder entlastenden Schuheinlagen kommen im operativen Bereich auch Korrekturosteotomien infrage. Hierbei wird über minimale Zugänge oberhalb oder unterhalb des Kniegelenkes der Knochen so umgestellt, dass die mechanische Belastung im Kniegelenk optimal verteilt wird. So kann beispielsweise aus einem O-Bein wieder ein gerades Bein gemacht werden, was die Haltbarkeit des Kniegelenkes um mehr als nur ein paar Jahre verlängern kann. Dadurch können Schmerzen reduziert, die Beweglichkeit verbessert und im optimalen Fall spätere Kunstgelenkoperationen vermieden werden. Diese Methode eignet sich besonders bei angeborenen Fehlstellungen, die entweder bereits in jungen Jahren Beschwerden machen oder im forgeschrittenen Alter zu einer einseitigen Arthrose geführt haben.

Im Vergleich zur Knievollprothese bietet die gelenkerhaltende Osteotomie entscheidende Vorteile. Zum einen bleibt die natürliche Gelenkanatomie erhalten, was zu einer besseren langfristigen Funktion führen kann. Zum anderen sind im weiteren Verlauf keine Wechseleingriffe erforderlich, da es sich nicht um ein „Ersatzteil“ handelt. Das Gute: auch im Falle einer vorangegangenen gelenkerhaltenden Operation bleibt die Möglichkeit des späteren Einbaus eines Kunstgelenkes in vollem Umfang bestehen.

Natürlich ist nicht jeder Fall gleich und eine individuelle Untersuchung und Beratung durch den ausgewiesenen Spezialisten nicht zu ersetzen. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass gelenkerhaltende Verfahren eine vielversprechende Option darstellen können, bevor man sich für den Einsatz einer Teil- oder Vollprothese entscheidet.

Insgesamt zeigt sich, dass bei angeborenen Fehlstellungen und einseitiger Arthrose eine breite Palette von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung steht. Wenn ihr selbst betroffen seid, lasst Eure Beine noch heute von einem Spezialisten vermessen und Euch Tipps für Sport und Alltag geben, um eine vorzeitige Arthrose so lange wie möglich zu umgehen.