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Luftrettung fliegt jetzt mit Blutkonserven an Bord

Der in Koblenz stationierte ADAC-Rettungshubschrauber "Christoph 23" hat nun auch zur besseren Sofortversorgung von Verletzten Blutkonseren mit an Bord. (Fotos: ADAC)


Weiterer Fortschritt bei der Patientenversorgung aus der Luft: Die ADAC Rettungshubschrauber „Christoph 22“ in Ulm und „Christoph 23“ in Koblenz haben bei ihren notfallmedizinischen Einsätzen jetzt Blut und Blutgerinnungsprodukte mit an Bord. So können Schwerverletzte mit massivem Blutverlust bereits an der Einsatzstelle mit Blut versorgt und die Blutgerinnung kann frühzeitig unterstützt werden. Vor allem bei Arbeits- und Verkehrsunfällen im ländlichen Raum versprechen sich die Verantwortlichen – wegen der dort längeren Transportzeit in eine geeignete Klinik – Vorteile für die Patienten.  Von den praktischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen des Pilotprojektes sollen weitere Stationen der gemeinnützigen ADAC Luftrettung in Deutschland profitieren. „Mit der Erfahrung im militärischen Bereich sind das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm und das Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz für uns ideale Kooperationspartner, um die Blutversorgung im Rettungsdienst aus der Luft in der Praxis einzuführen“, betont Frédéric Bruder, der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung. „Christoph 22“ und „Christoph 23“ werden mit Notärzten besetzt, die im Rahmen von militärischen Auslandseinsätzen in den vergangenen Jahren bereits eine Expertise auf dem Gebiet der frühzeitigen Transfusion erlangen konnten.
Das Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz ist im Oktober in das Projekt gestartet. Oberstarzt Dr. Willi Schmidbauer, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin in Koblenz: „Ein charakteristisches Merkmal der seit über 50 Jahren bestehenden Luftrettung ist es, ein hochqualifiziertes medizinisches Team zum Patienten zu bringen und diesen exzellent zu versorgen. Mit der Blutgabe untersuchen wir jetzt wissenschaftlich eine weitere Möglichkeit, eben diese Versorgungsqualität zu erhöhen. “Beide Stationen der ADAC Luftrettung wollen im Frühjahr 2021 über erste Erfahrungen des Projektes berichten. Die Erhebungen können perspektivisch an weiteren Standorten der Luftrettung ergänzt werden, so würde das Projekt im Verlauf auf eine noch größere wissenschaftliche Basis gestellt. Pro Jahr rechnen die Studienzentren mit rund zehn Verwendungen der Blutprodukte an der Einsatzstelle. Beide Rettungshubschrauber führen nicht nur Erythrozytenkonzentrate(rote Blutkörperchen), sondern auch Gerinnungsfaktoren mit. Verwendet werden rote Blutkörperchen (Erythrozyten) der Blutgruppe Null mit dem Rhesusfaktor negativ, da diese von allen Menschen vertragen werden. Da gespendetes Blut immer nur wenige Wochen haltbar ist, sind beide Bundeswehrkrankenhäuser auf Blutspendenangewiesen. Über die Blutbanken der Kliniken und den transfusionsmedizinischen Dienst der Bundeswehr werden die Erythrozytenkonzentrate und Gerinnungsfaktoren ausgegeben und, wenn sie nicht benötigt werden, rechtzeitig vor Ablauf der Haltbarkeit anderen Patienten in den Kliniken zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise verfällt kein Blut, selbst wenn es auf den beiden ADAC Rettungshubschraubern nicht gebraucht wird.  „Christoph 23“ ist am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz seit 1973 im Einsatz und wird dort seit 1999 von der ADAC Luftrettung betrieben. 2019 war er rund 2100-mal im Einsatz. Auch hier werden drei Piloten der ADAC Luftrettung und 19 Notärzte und 6 Notfallsanitäter der Bundeswehr eingesetzt. Bundesweit starten die ADAC Rettungshubschrauber rund 54.000-malim Jahr. Das entspricht rund 150 Notfällen täglich.

(Presseinfo des ADAC)