Mit einem symbolischen Spatenstich haben Stadt und Fachplaner den Startschuss für die rund 6,1 Millionen Euro teure Modernisierung der Kläranlage Buchholz gegeben. Die über 30 Jahre alte Anlage wird technisch auf den neuesten Stand gebracht, deutlich leistungsfähiger und zugleich energieeffizienter – auch mit Blick auf das neue Baugebiet „Auf der Folkendell“.

Boppard |

Start für zentrales Großprojekt der Abwasserentsorgung

Am Montag, 24. November 2025, fiel auf dem Gelände der Kläranlage in Boppard-Buchholz der offizielle Startschuss für ein weiteres Großprojekt im Rahmen der Zentralisierung der Abwasserentsorgung. Die mehr als 30 Jahre alte Anlage wird in den kommenden Jahren umfassend saniert, erweitert und technisch modernisiert.

Zum Spatenstich kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Stadtverwaltung und Fachplanung nach Buchholz. Unter ihnen waren Boppards Bürgermeister Jörg Haseneier, der Erste Beigeordnete Helmut Zindorf, der Buchholzer Ortsvorsteher Reiner Philipps, Mitglieder des Ortsbeirats und Stadtrats sowie Mitarbeitende der Stadtverwaltung. Jürgen Jakob, Geschäftsführer des Planungsbüros Siekmann + Partner, erläuterte vor Ort die wesentlichen Eckpunkte der Baumaßnahme.

„Wir können das neue Baugebiet erst an das Abwassersystem anschließen, wenn die Kläranlage fit für die Zukunft ist. Wir sind froh, dass wir mit den Arbeiten nun endlich starten können“, betonte Bürgermeister Jörg Haseneier.

Kläranlage wächst mit Bevölkerung und Gewerbe

Die Kläranlage Buchholz wurde 1992 in Betrieb genommen und ursprünglich für eine Schmutzfracht von rund 4.600 Einwohnerwerten ausgelegt – einschließlich des Industriegebiets Hellerwald. Seitdem sind sowohl die Einwohnerzahl als auch die Zahl der Unternehmen in der Umgebung deutlich gestiegen.

Künftig muss die Anlage die Abwässer von etwa 8.300 Einwohnerwerten reinigen – nahezu eine Verdopplung der ursprünglichen Auslegung. Um diese zusätzliche Belastung sicher und dauerhaft bewältigen zu können, ist ein umfassender Umbau zwingend erforderlich.

Umbau im laufenden Betrieb: Das wird gebaut

Bei der Modernisierung werden bestehende Anlagenteile weiter genutzt, wo immer es sinnvoll ist, um Ressourcen und Kosten zu sparen. Gleichzeitig wird die Anlagentechnik grundlegend erneuert und erweitert. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Neubau eines Regenüberlaufbeckens, um bei Starkregen die zufließenden Abwassermengen besser steuern und die Kanalisation entlasten zu können.

  • Umstellung des Reinigungsverfahrens im Bereich der Abwasserbehandlung, damit die Kläranlage zuverlässig mit der höheren Zulaufbelastung umgehen kann.

  • Neubau eines Vorklärbeckens, in dem grobe und absetzbare Stoffe vor der biologischen Hauptreinigung entfernt werden.

  • Neubau von Funktionsgebäuden für die Gebläsestation und die Zwischenlagerung von Klärschlamm.

  • Erneuerung der Gebläsestation für die Belüftung des Belebungsbeckens inklusive Belüftungseinrichtung und Luftringleitung.

  • Energetische Optimierung des Betriebsgebäudes, um den Energiebedarf insgesamt zu senken.

  • Installation einer Photovoltaikanlage zur Eigenstromproduktion auf dem Kläranlagengelände.

Schlammbehandlung in Bad Salzig: Biogas statt Entsorgung

Eine wesentliche Änderung betrifft die Behandlung des anfallenden Klärschlamms. Dieser wird künftig nicht mehr vollständig vor Ort behandelt, sondern zur derzeit ebenfalls im Umbau befindlichen Kläranlage nach Bad Salzig transportiert. Dort steht eine moderne Faulungsanlage zur Verfügung.

In der Faulung entsteht Biogas, das über ein Blockheizkraftwerk zur Stromproduktion genutzt wird. Der erzeugte Strom wird vollständig auf der Kläranlage in Bad Salzig eingesetzt, sodass dort nur noch geringe Mengen Strom aus dem öffentlichen Netz benötigt werden. Gleichzeitig verringert sich die zu entsorgende Schlammenge – ein Vorteil für Umwelt und Betriebskosten.

Energieeffizienz und Klimaschutz im Fokus

Mit den geplanten Maßnahmen wird die Kläranlage Buchholz nicht nur leistungsfähiger, sondern auch deutlich energieeffizienter. Die neue Photovoltaikanlage liefert künftig einen Teil des benötigten Stroms direkt vor Ort. Zusammen mit der optimierten Anlagentechnik können die Kanalwerke ihren Energieverbrauch weiter reduzieren.

Auch die Umstellung der Schlammbehandlung wirkt sich positiv auf die Umweltbilanz aus: Weniger zu entsorgender Schlamm, mehr Eigenerzeugung regenerativer Energie – ein Plus für Klima- und Ressourcenschutz.

Anschluss für neues Baugebiet „Auf der Folkendell“

Ein zusätzlicher Vorteil der Modernisierung: Das neue Baugebiet „Auf der Folkendell“ in Buchholz kann nach Abschluss der Arbeiten an die leistungsfähigere Kläranlage angeschlossen werden. Davon profitieren insbesondere die Einzugsgebiete Buchholz, Udenhausen und das Industriegebiet Hellerwald.

Die Brutto-Baukosten für den Umbau belaufen sich auf rund 6,1 Millionen Euro (ohne Baunebenkosten). Nach aktueller Planung sollen die Baumaßnahmen bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.

Gesicherte Abwasserbehandlung für die kommenden Jahrzehnte

Mit der umfassenden Sanierung und Erweiterung der Kläranlagen Buchholz und Bad Salzig bringt die Stadt Boppard ihre Abwasserinfrastruktur auf den neuesten Stand der Technik. Die Abwasserbehandlung in den betroffenen Ortsteilen ist damit langfristig gesichert – und gleichzeitig wird ein wichtiger Beitrag zur Umwelt- und Ressourcenschonung geleistet.