Rund fünf Jahre nach dem Auffliegen des berüchtigten „Cyberbunkers“ bleibt das ehemalige Militärgelände heiß begehrt. Nach Angaben des Landesamts für Steuern in Koblenz haben mittlerweile 47 potenzielle Käufer ihr Interesse an dem Areal bekundet.
Die Behörde ist für die Verwertung der Immobilie zuständig. Ein Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Zahl der Interessenten sei in den vergangenen Monaten weiter gestiegen – ein Zeichen, dass die besondere Immobilie weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit weckt.
Wertgutachten liegt vor – Kaufpreis bleibt geheim
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Verkauf ist inzwischen erledigt: Das Wertgutachten für das gesamte Areal liegt seit vergangener Woche vor.
„Das ist ein entscheidender Punkt für uns“, so die Sprecherin. Jetzt wisse man, wie hoch der Wert des Bunkerareals einzuschätzen sei und „wo wir größenmäßig stehen“. Konkrete Zahlen nennt das Land allerdings bewusst nicht:
Die ermittelte Verkaufssumme bleibt unter Verschluss, um das Anwesen bestmöglich am Markt platzieren zu können. Aus „verhandlungstaktischen Gründen“ wolle man sich zurückhalten – je mehr Bieter im Rennen sind, desto sensibler ist die Frage nach dem Richtpreis.
Bundeswehr signalisiert Interesse – aber kein Zeitdruck
Für zusätzliche Brisanz sorgt, dass auch die Bundeswehr grundsätzlich Interesse an dem Gelände geäußert hat. Weitere Details sind bislang nicht bekannt – weder zur möglichen Nutzung noch dazu, wie konkret die Überlegungen sind.
Der Großteil der übrigen Interessenten plant eine gewerbliche Nutzung, vor allem im IT-Bereich. Die abgeschirmte Lage und die besondere Bauweise des Bunkers machen ihn vor allem für Rechenzentren und Sicherheitsinfrastruktur attraktiv. Gleichzeitig gibt es auch kreative Ideen, etwa Konzepte aus dem Eventbereich.
Trotz der regen Nachfrage: Einen festen Zeitplan für den Verkauf gibt es nicht. Das Land betont, es bestehe kein Zeitdruck – man wolle sorgfältig prüfen, welches Konzept langfristig am besten zur Immobilie und zur Region passt.
Vom Darknet-Knotenpunkt zur Zukunftsfläche
Der rund 5.500 Quadratmeter große Bunker war im Herbst 2019 als illegales Rechenzentrum für millionenschwere kriminelle Geschäfte im Darknet aufgeflogen. In einem der größten deutschen Verfahren gegen Cyberkriminalität wurden die Betreiber später verurteilt.
Zunächst war die Anlage von der Generalstaatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Seit September 2023 ist das Land Rheinland-Pfalz offizieller Eigentümer des insgesamt 13 Hektar großen Geländes. Neben der unterirdischen Bunkeranlage über fünf Ebenen gehören zwei überirdische Gebäude zur Liegenschaft.
Bunker mit bewegter Geschichte
Der Schutzbau auf dem Bergrücken Mont Royal oberhalb von Traben-Trarbach blickt auf eine lange militärische Vergangenheit zurück. Jahrzehntelang war dort das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr untergebracht. Ende 2012 wurde dieser Standort aufgegeben – der Bunker war damit zunächst ohne militärische Nutzung.
Heute steht das Areal an einem Wendepunkt: Zwischen Sicherheitsarchitektur, belasteter Geschichte und kreativen Nachnutzungsideen könnte hier ein Projekt entstehen, das weit über die Region an der Mosel ausstrahlt.
Ob künftig wieder Server surren, Eventgäste durch die Gänge streifen – oder die Bundeswehr zurückkehrt – wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren entscheiden. Sicher ist nur: Der Cyberbunker bleibt eine der spannendsten Immobilien weit und breit.
