Nach dem tödlichen Erdrutsch in Baden-Württemberg rückt die Sicherheit von Bahnstrecken in den Fokus. Auch im Mittelrheintal bei Koblenz ist die Gefahr von Fels- und Erdrutschen allgegenwärtig.

Mittelrheintal |

Das Mittelrheintal kennt die Gefahr von Fels- und Erdrutschen nur zu gut. Erst im März 2021 kam es in der Nähe des Loreley-Felsens zu einem Felssturz, der die rechtsrheinische Bahnstrecke für rund sieben Wochen teilweise lahmlegte. "Wir haben Glück gehabt. Das war am helllichten Tag", erinnert sich Uwe Schwarz, parteiloser Ortsbürgermeister von Kestert.

Die Bewohner der Region leben seit Generationen mit diesem Risiko. Schon 1859 begann Preußen mit dem Bahnbau im Rheintal. Doch immer wieder kommt es zu Vorfällen: Im September 2011 entgleiste ein Intercity mit 800 Fahrgästen zwischen St. Goar und Fellen nach einem Erdrutsch. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt.

Gefahrguttransporte erhöhen das Risiko

"Die Angst nimmt zu, dass einer der vielen Güterzüge mit Gefahrgut mal aus den Gleisen springt", berichtet Schwarz. Kestert liegt direkt an Europas meistbefahrener Güterzugstrecke. Nach dem Felssturz 2021 wurden umfangreiche Sicherungsmaßnahmen ergriffen: Ein 6 Meter hoher und 100 Meter langer Schutzwall wurde errichtet, zusätzlich befestigten Kletterer 2.100 Quadratmeter große Netze.

Die Verantwortung für die Sicherheit der Bahnstrecken liegt laut Eisenbahn-Bundesamt bei den Eisenbahnunternehmen selbst. Die Bahn-Tochter DB InfraGO führt regelmäßige Inspektionen und Wartungen durch. Dennoch kommt es in Rheinland-Pfalz immer wieder zu Behinderungen durch Erdrutsche, wie zuletzt im September 2024 zwischen Bad Kreuznach und Bingen.

Klimawandel könnte Risiken erhöhen

Das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Eisenbahn-Infrastruktur. Experten gehen davon aus, dass meteorologische Ereignisse, die Erdrutsche auslösen können, in Zukunft häufiger auftreten werden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert ein verbessertes Warnsystem und mehr Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen. Trotz der Risiken betont Noah Wand, Landesvorsitzender von Pro Bahn: "Das Verkehrsmittel Bahn ist nach wie vor eines der sichersten."