Sport

 

Gregor Eibes: "Wir müssen ganz nahe an die Vereine rücken"

Gregor Eibes ist seit dem 2. Juli der sechste Präsident des Fußballverbandes Rheinland. (Foto: FV Rheinland)


Seit Juli diesen Jahres ist Gregor Eibes der neue Präsident des Fußballverbandes Rheinland. Er folgte damit auf Walter Desch, der nach 21 Jahren im Amt nicht erneut kandidierte. Im Interview mit aktuell4u spricht Eibes über sein neues Amt, seine Ziele und über den Fußball im Rheinland.

aktuell4u: In den mehr als 70 Jahren des Verbandes sind sie erst der sechste Präsident. Das spricht für Kontinuität und lässt vermuten, dass die kommenden zwei Jahrzehnte Eibes-Jahre im FVR werden.

Gregor Eibes: Ich bin ein großer Befürworter einer gewissen Kontinuität. Das spricht für eine Nachhaltigkeit in der Arbeit eines Verbandes. Aber da ich auch bereits 62 Jahre alt bin, würde ich mal keine zwei Jahrzehnte in Aussicht stellen.

aktuell4u: Es ist eine Zeit, in der auch im Sport die oft erlebte Leichtigkeit der Vergangenheit einer sorgenvolleren Zukunft weichen könnte. Was wird das Amt Ihnen abverlangen?

Gregor Eibes: Das stimmt absolut. Im Moment hat man das Gefühl, dass über alles geredet wird, nur nicht über Fußball. Zuerst hat die Pandemie die Vereine viel Substanz gekostet und ein riesiges Engagement abverlangt, für das ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken möchte. Ganz aktuell bereitet uns allen die Energiekrise mit der befürchteten Gasmangellage große Sorgen. Welche Konsequenzen werden damit verbunden sein? Werden die Vereine die rapide steigenden Kosten auffangen können? Damit überhaupt Energie eingespart werden kann, müssen fast überall umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an Vereinsheimen, Flutlichtanlagen etc. durchgeführt werden. Hierfür ist nach der Pandemie vielfach kein Geld da. Dann kommt noch die große Dürre dieses Sommers dazu, die viele Plätze nachhaltig geschädigt hat. Wir müssen in dieser Situation ganz nah an die Vereine rücken, müssen sie hinsichtlich der Beantragung von Fördermitteln beraten, müssen die Politik auf Bundes- und Landesebene überzeugen, entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Auch die Kommunen müssen überzeugt werden, dass es nicht noch einmal einen faktischen Lockdown geben darf durch die Sperrung von Plätzen und Hallen und das Abstellen der Duschmöglichkeiten. Es gibt also viel zu tun, neben dem Spielbetrieb, der natürlich nach wie vor unsere Kernaufgabe darstellt, aber momentan unter schwierigen Bedingungen zu leiden hat. Und dann wäre dann ja auch noch der Rückgang der Mannschaftszahlen, dem wir entgegentreten müssen. Es gibt also viel zu tun.

aktuell4u: Sportvereine sind kaum je zuvor so wichtig als Katalysatoren für vielfältige Erwartungen der Menschen. Verlangt das nicht zugleich auch nach einer deutlich stärkeren finanziellen Förderung des Sportes durch Land und Kommunen?

Gregor Eibes: Wie eben schon angedeutet, müssen wir von Verbandsseite gemeinsam mit den Sportbünden unsere Mandatsträger davon überzeugen, dass der Sport kein normaler Zuwendungsempfänger ist, sondern ein nicht wegzudenkender Bestandteil unserer Gesellschaft, der gerade in schwierigen Zeiten dafür sorgen kann, dass eine dringend notwendige soziale Balance in unserer Gesellschaft erhalten bleibt. Und das insbesondere in diesen schwierigen Zeiten. Darüber hinaus haben die ersten Jahre der Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig Sport und Bewegung gerade für Kinder und Jugendliche sind. Dies können in organisierter Form nur die vielen Vereine in Deutschland anbieten, die auf ehrenamtlicher Basis Herausragendes leisten. Deswegen dürfen nicht Förderprogramme für den Sport gestrichen werden, sondern es müssen neue aufgelegt werden, die aber aufgrund ihrer bürokratischen und terminlichen Anforderungen für die Vereine auch abrufbar sein müssen. Darüber hinaus dürfen die Vereine bei den anstehenden Entlastungspaketen nicht durchs Sieb fallen. Dafür müssen wir alle gemeinsam kämpfen.

aktuell4u: Das Ehrenamt wird über den Klee gelobt. Reicht das oder ist es nicht auch an der Zeit, Ehrenamtliche zu fördern, zu entlasten und ihnen vor allem bürokratische Hemmnisse bei ihrer Arbeit aus dem Weg zu räumen?

Gregor Eibes: Die Wertschätzung des Ehrenamtes ist ein Thema, das uns schon lange begleitet. Ehrenamtlern gegenüber Ehrungen auszusprechen und sie natürlich für ihre unschätzbare Arbeit zu loben, ist nach wie vor wichtig und muss beibehalten werden. Aber das genügt auf Dauer nicht. Ein irgendwie zu gestaltendes Bezahlsystem dürfte schwierig und schwer finanzierbar sein und wird der Funktion des Ehrenamtes auch nicht gerecht. Aber gleichwohl müssen hier Verbesserungen erreicht werden. Leichterer und kostengünstigerer Zugang zu öffentlichen Einrichtungen, wie z.B. über die Ehrenamtskarte ist ein erster kleiner Schritt. Abbau von steuerlichen Hemmnissen, eine stärkere Unterstützung durch die hauptamtlichen Strukturen oder vielleicht sogar die Anerkennung von zusätzlichen Rentenpunkten wären weitere, die überlegt werden sollten. Hier ist bisher leider noch nicht der entscheidende Durchbruch gelungen.

aktuell4u: Was sind die Aufgaben, auf die Sie sich besonders freuen?

Gregor Eibes: Die ersten Wochen im Amt haben gezeigt, dass ich ein sehr herausforderndes, spannendes, aber auch sehr schönes Amt übernommen habe. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit einem hoch motivierten, engagierten und auch menschlich hervorragend funktionierenden Präsidium, wobei wir im Moment unsere Aufgabenbereiche definieren und abstecken. Gleiches gilt für die Geschäftsstelle. Ebenso freue ich mich, die Entwicklung in unseren Fußballkreisen mitgestalten zu dürfen und natürlich insbesondere auf die Zusammenarbeit mit den Vereinen. Ich werde versuchen, nah bei den Vereinen zu sein, über Vereinsdialoge und Besuche vor Ort ihre Sorgen und Nöte zu erfahren, bitte aber gleichzeitig zum wiederholten Mal um Verständnis, dass dies alles aufgrund meiner beruflichen Situation keine Ein-Mann-Veranstaltung sein kann, sondern dass es nur als Gemeinschaftsaufgabe des gesamten Präsidiums im Sinne der Vereine machbar ist.

Vielen Dank für das Interview. Das Interview wurde geführt von Hans-Peter Schössler.