Ich würde gerne zum Jahresende über zwei Personen schreiben, für die der Fußball wichtig in ihrem Leben ist. Aber sie könnten zugleich unterschiedlicher nicht sein. 


Werner Merkenich führt den SV Untermosel in Kobern-Gondorf seit fast 30 Jahren. Der Verein ist breit aufgestellt, die erste Mannschaft steht aktuell sogar auf dem Sprung in die Rheinlandliga. Die Jugend ist nicht minder stark, für Frauen und Mädchen hat der Verein Angebote, für Senioren, für Gehfußballer, für deutsche und ausländische Mitbürger. Werner Merkenich, inzwischen Rentner, auch noch in wichtigen kommunalpolitischen Funktionen tätig, ist schon länger der Meinung, dass an der Spitze des Sportvereins ein Wechsel fällig ist. Und dass hat er allen auch bei der letzten Mitgliederversammlung unmissverständlich gesagt. Aber ein Nachfolger wurde bei dieser Versammlung nicht gefunden und solange kein Neuer oder eine Neue da ist, macht Werner weiter. Weil es so in der Satzung steht und weil es sich gehört. Nie würde er den Verein führungslos lassen. Der Verein ist ein Teil seines Lebens, wie kein anderer hat er ihn mit vielen anderen im Ehrenamt geprägt. Werner Merkenich hat sich um den SVU und damit die Gemeinde, die Region und die Menschen dort in hohem Maße verdient gemacht.
Der andere heißt Gianni Infantino, ist 55, knapp 17 Jahre jünger als Werner Merkenich, in Brig im schweizerischen Wallis geboren. Von 2009 bis 2016 war er Generalsekretär des Europäischen Fußballverbandes (UEFA), seit 2016 ist er Präsident des Weltfußballverbandes (FIFA). Infantino und Werner Merkenich kennen sich natürlich nicht und es ist zu erwarten, dass das auch nie passiert. Werner Merkenich hat den SVU zum Maßstab für gute Vereinsarbeit an der Untermosel gemacht. Infantino war der Chef der Weltmeisterschaft 2018 in Russland und der von 2022 in Katar, er hat gerade dem amerikanischen Präsidenten Trump den dafür extra geschaffenen FIFA-Friedenspreis überreicht und in den 2030er Jahren wird die WM mit Saudia-Arabien erneut in einem Land sein, in dem die Würde von Frauen und Mädchen missachtet und die Demokratie nur ein Feigenblatt ist. Infantino sieht im Fußball ein Geschäft, das er zugegeben gut versteht. Der Rest ist Selbstdarstellung und die Vervollkommnung narzisstischer Neigungen.
Natürlich liegen zwischen den beiden Fußballfunktionären, dem von der Mosel und dem, der in der Schweiz residiert und sich die Fußballwelt zu eigen macht, ganze Welten.
Warum ich über sie schreibe? Um zu sagen, dass es viel mehr anständige, ganz dem Ehrenamt verpflichtete Fußballer gibt, die in ihrem Sport und ihrem Verein die Chance sehen, etwas für andere zu tun. Jetzt weiß ich nicht einmal, ob ich mir wünsche, dass Werner Merkenich in Kobern-Gondorf wirklich einen Nachfolger finden soll.