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Vater der Theaterfahrten: Vor fünf Jahren starb Hans Müller

Hans Müller als Zeitzeuge bei der Ausstellung "Der Luftkrieg auf Lahnstein vor 60 Jahren" im Jahr 2004. (Foto: Stadtarchiv Lahnstein)


Sein ehrenamtliches Engagement erstreckte sich in viele Bereiche, ein Hans Dampf in allen Gassen. Die Rede ist von Hans Achim Müller, der vor fünf Jahren verstarb. Beruflich arbeitete er bei Daimler-Benz in Koblenz als Chef der Ersatzteilabteilung. Hans Müller war ein äußerst beliebter und gefragter Mitbürger und Stadtführer in Lahnstein.

Schon als Jugendlicher engagierte er sich in der Kirche und im Stadtjugendring. Als dessen Vorsitzender war er maßgeblich an der Umsetzung der Idee beteiligt, eine ständige Verbindung von Jugend und Theater herzustellen. So entstanden die „Lahnsteiner Theaterfahrten“, die er über 60 Jahre bis zu seinem Tod organisierte: ca. 350 Busfahrten, um mit dem „Zauber der Bühne“ in Koblenz, Wiesbaden, Frankfurt und Köln die Bürgerinnen und Bürger aus Lahnstein und Umgebung in besonderer Weise zu begeistern. In den 1950er Jahren war er zudem Rennleiter der Seifenkistenrennen, die der Stadtjugendring am Rheinhöhenweg veranstalte.

Hans Müller war aber auch als Zeitzeuge stets gefragt, wenn es um das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg ging. Sein Vater war auf dem Victoriabrunnen beschäftigt, sodass er dort aufwuchs und täglich den Weg zum Gymnasium am Schillerpark zurücklegen musste. Geboren am 27. Februar 1930 musste er als 14-Jähriger den Luftkrieg auf Lahnstein miterleben, den er auf seiner Flucht vom Gymnasium nachhause wie durch ein Wunder im Keller der alten Jungenvolksschule und im Martinschloss überlebte. Müller hat bei allen Ausstellungen des Stadtarchivs Lahnstein zum Zweiten Weltkrieg mitgewirkt. Darüber hinaus war er stets bereit, in Koblenzer Schulen über seine Erlebnisse zu berichten.

Gefragt war Hans Müller auch als Kirchenführer. Wenn es Fragen zur Geschichte und Ausstattung der katholischen Pfarrei St. Martin gab, in der er viele Jahre als Messdiener und Aushilfsküster, aber auch als Kantor, Lektor und Kommunionhelfer wirkte, gab er bereitwillig und umfassend Auskunft, recherchierte dafür in den Kirchenbüchern, auch für Ahnenforscher. Darüber hinaus engagierte er sich als Gottesdiensthelfer im Altenheim St. Martin und war im Pfarrgemeinderat tätig. Aktiv sang er begeistert viele Jahrzehnte in der Choralschola.

Auch die fünfte Jahreszeit hatte es ihm angetan. Zusammen mit Josef Körber trat er 18 Jahre bei karnevalistischen Sitzungen als Bänkelsänger auf. 1966 regierte er Lahnsteins Narrenwelt als Prinz Karneval „Hans II. vom guten Stern“. Zuvor war er bereits rund zehn Jahre als Mundschenk seiner Tollität aktiv. Der CCO-Vorstand ehrte ihn 2005 für 50 Jahre Mitgliedschaft.

Dieser gute Stern, der auch viele Jahrzehnte als Nikolaus in Kindergärten und Schulen die Kinder beschenkte, erlosch am 20. Juni 2017 nach kurzer Krankheit im Alter von 87 Jahren. Er hinterließ seine Frau Christel, mit der er 55 Jahre verheiratet war, fünf Kinder und zahlreiche Enkel.