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VC 77 Neuwied unterliegt auch Wiesbaden mit 0:3

Gut gefüllte Arena in Wiesbaden. Die Gastgeberinnen und die Deichstadtvolleys lieferten sich über weite Strecken ein packendes Spiel.


Ohne zählbaren Erfolg kehrten die Deichstadtvolleys am Samstagabend vom Südwestderby zurück. Beim VC Wiesbaden unterlag man mit 0:3 (22, 20, 18) Sätzen und musste dabei der eigenen Unerfahrenheit Tribut zollen. Damit ähnelte die Partie dem Spiel gegen Stuttgart vor einer Woche. 

Zwischenzeitlich hatte in der Deichstadt nur wenig gemeinsames Training stattgefunden, die herbstliche Erkältungswelle hatte etliche Spielerinnen aufs Krankenlager gezwungen, Maike Henning fehlte noch immer, so dass Regionalliga-Perspektivspielerin Senta Barke den Kader komplettieren musste.

Trotz der schlechten Wettkampfvorbereitung überraschten die Deichstadtvolleys mitgereiste Neuwieder Schaulustige wie 1060 Wiesbadener Fans: Erneut ließen sie erkennen, dass sie auf dem Wege sind, nicht länger Prügelknaben des Oberhauses zu sein. Ein schneller Angriff über Rachel Anderson und ein gutes Service der Amerikanerin zum 2:0 ließen den Weg erkennen: Neuwied verschaffte sich mit präzisen Zielaufschlägen, darauf aufbauend mit gutem Blockspiel und variablen Angriffen Respekt. „Im ersten Satz konnten wir unseren Matchplan durchziehen“, berichtete Dirk Groß an seiner alten Wirkungsstätte. „Aufschlag und Block haben uns einen Punktevorsprung verschafft!“ In der Tat lagen die Neuwiederinnen zu den technischen Auszeiten mit 8:4 und 16:11 vorne. Neuwied spielte nicht nur mit. 

Dann aber begann der Satz allmählich zu kippen. Am Anfang standen einige von beiden Seiten diskutierte Schiedsrichterentscheidungen, dann verstärkte Wiesbaden den Aufschlagdruck, die Fans taten das, was ihre Aufgabe ist und ließen die Stimmung in der Halle steigen, Neuwied schien Angst vor der eigenen Courage zu bekommen, Annahmefehler schlichen sich ein, schließlich stand es 22:22 und die erfahrenere Mannschaft entschied die Crunchtime für sich.

Wiesbadens Trainer Benedikt Frank bedankte sich nach dem Spiel bei den Zuschauern für die Unterstützung bei der Aufholjagd. „Uns fehlen noch die Leistungskonstanz und die mentale Stärke, einen solchen herausgespielten Vorteil auch zu nutzen“, bedauerte Dirk Groß in seiner Spielanalyse. „Wir werden noch einige Zeit brauchen, uns diese anzueignen! Hätten wir den 1.Satz gewonnen, wäre das Spiel in der Folge möglicherweise anders gelaufen.“

In den Folgesätzen konnte Neuwied nur noch phasenweise an sein druckvolles Spiel anknüpfen. Der Favorit hatte sich gefunden, den Gästen unterliefen, ohne dass sie enttäuschten, etwas zu viele Eigenfehler, so dass Wiesbaden mit 8:4 und 16:9 in Führung ging. Symptomatisch dafür zwei aufeinander folgende Spielszenen: Neuwieds Isabelle Marciniak versuchte einen Stellertrick, der von Wiesbadens Abwehr mit Olympiasiegerin Wong-Orantes abgewehrt wurde, im nächsten Spielzug war es Wiesbadens Kveta Grabovska, die mit dem identischen Ball Erfolg demonstrierte. Erst als bei Wiesbaden in Erwartung des sicheren Satzgewinns die Konzentration nachließ, konnte Neuwied an Satz 1 anknüpfen. Insbesondere Sarah Kamarah, später sollte sie zur wertvollsten Neuwieder Spielerin gewählt werden, ist die Ergebniskorrektur zu verdanken: Die Deichstadtvolleys konnten noch auf 25:20 verkürzen. Ähnlich verlief der 3. Durchgang. Wiesbaden hatte das Spiel fest im Griff, zog auf 22:13 davon, bevor Neuwied sich noch einmal auf 25:18 herankämpfen konnte.

„Wenn wir verlieren“, hatten die Neuwieder Spielführerinnen Sarah Kamarah und Anna Church in einem Pressegespräch zum Saisonstart gesagt, „dann können wir in unserem 1. Jahr trotzdem zufrieden sein, wenn wir 100% gegeben und gekämpft haben!“ In der Deichstadt gibt es bis zur erhofften Bundesligareife noch einiges zu tun. Der Gruppenausflug zum Wiesbadener Nachbarn machte klar, dass die Entwicklung auf dem Spielfeld durchaus kontinuierlich verläuft, ein Fünfsatzspiel wäre ein nächster Schritt. Um das Feld herum gibt es aber auch noch genug zu tun