Mendig |

Der Winter hat uns fest im Griff – und ich liebe es. Nicht unbedingt wegen der Kälte, aber wegen der Momente, die er schenkt. In den letzten Wochen war ich mit meinen Jungs mehrfach Schlitten fahren. Schon allein das Zuschauen ist eine Freude: Wie sie in einem Affenzahn die Hügel hinunterrasen, sich gegenseitig anfeuern, lachen, kreischen und sich völlig in der Unbeschwertheit verlieren.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich als Kind dieselben Hügel hinuntersauste. Der Wind im Gesicht, das Adrenalin, das den ganzen Körper durchflutet – unvergesslich! Diese Freude, diese Leichtigkeit, die einfach alles andere um einen herum vergessen lässt. Als Erwachsene erleben wir solche Momente viel zu selten. Doch genau diese Nachmittage, eingepackt in Winterjacken, mit roten Wangen und einem warmen Kakao in der Hand, wenn wir wieder zu Hause sind, erinnern mich daran, wie wichtig es ist, sich diese kindliche Freude zu bewahren.

Ab wann sind wir „zu alt“ für so etwas?

Das frage ich mich immer öfter. Wann genau ist uns diese Unbeschwertheit verloren gegangen? Ab wann hat uns das Leben gelehrt, „vernünftig“ zu sein, uns anzupassen, in Schubladen zu denken? Ich erwische mich selbst dabei, wie ich manchmal viel zu ernst bin – im Alltag, im Umgang mit meinen Jungs. Und dann gibt es diese Momente, die mich wachrütteln. Die mir zeigen, dass es nicht nur erlaubt, sondern auch nötig ist, aus den Normen auszubrechen, über sich selbst zu lachen, einfach mal zu machen, ohne zu viel nachzudenken.

Manchmal frage ich mich, wer dieser ominöse „man“ eigentlich ist, der angeblich vorgibt, wie wir uns verhalten sollen. „Das macht man nicht“, „So benimmt man sich nicht“ – wem hilft es, wenn wir uns anpassen, uns selbst verbiegen, nur um nicht aufzufallen? Kinder haben diese Leichtigkeit, weil sie noch nicht in solche Muster gezwängt wurden. Sie machen einfach. Und ehrlich gesagt: Wir sollten uns viel öfter eine Scheibe davon abschneiden.

Einfach mal machen

Neulich habe ich etwas ausprobiert, was ich noch nie zuvor gemacht habe: Ich stand zum ersten Mal auf einem Snowboard. Kein Profiteil, versteht mich nicht falsch – eher etwas für Anfänger. Und ja, ich habe mich langgelegt. Mehr als einmal. Ja, mein Hintern hat es deutlich gespürt. Aber wisst ihr was? Es hat riesigen Spaß gemacht! Diese Mischung aus Unsicherheit, Lachen über sich selbst und der Herausforderung, etwas Neues zu wagen, war genau das, was ich gebraucht habe.

Und genau das lässt sich auf so viele Bereiche des Lebens übertragen: Einfach mal machen. Könnte ja gut werden. Wir nehmen uns selbst oft viel zu ernst, haben Angst, Fehler zu machen, uns lächerlich zu machen. Doch ohne dieses Risiko bleibt das Leben eintönig, vorhersehbar.

Was der Winter uns lehrt

Der Winter mit all seinen Facetten zeigt mir jedes Jahr aufs Neue, wie wichtig es ist, innezuhalten und den Moment zu genießen. Es sind nicht die großen, perfekt geplanten Abenteuer, die in Erinnerung bleiben, sondern die kleinen, unperfekten Momente. Das ausgelassene Lachen beim Schlittenfahren, das Aufwärmen am Ofen mit einer heißen Tasse Kakao, das gemeinsame Zähneklappern, weil man die Handschuhe zu Hause vergessen hat.

Lasst uns öfter den Mut haben, wie Kinder zu sein: unbeschwert, neugierig, offen für das, was kommt. Und wenn wir dabei auch mal auf die Nase fallen – umso besser. Das ist das echte Leben.

Eure Dani