Freitagabend, 19 Uhr: Meine Mission? Partyspaß wie mit 20 – nur mit einer neuen Deadline und weniger trinkfestem Magen. Zwischen alten Schulfreunden, Rockklassikern und spirituellen Zeichen wird klar: Die Party geht weiter, aber mein Wecker ist gnadenlos.

Mendig |

Es ist Freitagabend, 19 Uhr, und ich bin auf der Pirsch. Nein, nicht auf einer Dating-App oder im Fitnessstudio – ich bin unterwegs, um zu feiern. Das Besondere daran? Es fühlt sich an wie damals mit Anfang 20, nur dass ich diesmal eine Deadline habe: Mitternacht. Denn ab dann machen sich meine Knochen bemerkbar und rufen nach meinem Bett. Klar, es gab auch schon Nächte, die bis in die Morgenstunden gingen, aber die Strafe dafür folgt am nächsten Tag. Und ja, ich bereue es jedes Mal.

Aber im Kern hat sich nichts geändert. Ich liebe immer noch dieselben düsteren, verrauchten Kneipen mit Rockmusik, bei denen das Bier einfach Bier ist, ohne fancy Schirmchen oder exotische Namen. Vielleicht ist es Nostalgie, vielleicht sind es die Erinnerungen. Auf jeden Fall ist es wie eine Reise in die Vergangenheit – besonders, wenn man plötzlich auf alte Bekannte trifft.

Letztes Wochenende war es wieder soweit: Mitten im Getümmel erkennt mich ein ehemaliger Mitabiturient, den ich seit 20 Jahren nicht mehr getroffen habe. Die Musik ist dieselbe wie damals, unsere Gesprächsthemen ähnlich vertraut. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Kurz davor in der Sauna – ja, auch das gehört zu meinem Leben – habe ich einen weiteren alten Klassenkameraden getroffen. Und dann war da noch mein früherer Klassenlehrer, Begegnung beim Bäcker. Alles innerhalb weniger Wochen. Was soll mir das sagen?

Vielleicht liegt es an meinem Hang zur Spiritualität, dass ich solche Begegnungen als Zeichen deute. Will mir das Universum sagen, dass ich etwas aufarbeiten oder abschließen soll? Keine Ahnung. Was ich aber weiß, ist, dass es mir gerade richtig guttut. Selbst wenn ich heute mehr damit zu kämpfen habe, durchgemachte Nächte zu verdauen. Mein Magen ist auch nicht mehr der Fan des Alkohols, der er mal war. Trotzdem bin ich noch ziemlich trinkfest – nur stellt sich jedes Mal die Frage: Ist es das wert?

Die Antwort liegt häufig in der Musik. Rockklassiker, alternative Sounds aus meiner Jugend, neue Bands – das alles macht für mich den Zauber solcher Abende aus. Und wenn ich sehe, wie die heutige jugendliche Generation zu den gleichen Songs abfeiert, fühlt sich das irgendwie verbindend an. Musik überspringt Generationen und schafft Gespräche, die man sonst vielleicht nicht geführt hätte.

Am Ende ist Alter wirklich nur eine Zahl. In meinem Kopf bin ich immer noch die 25-Jährige, die zufällig 1984 geboren wurde. Ich stehe nicht auf der Tanzfläche, sondern dort, wo die Gitarren dröhnen, die Luft schwer ist und Frauen leider oft in der Unterzahl. Genau das ist schade, denn manchmal fehlen mir ein paar Mädels, mit denen ich zu Rock, Punk oder Metal richtig abfeiern kann. Aber hey, es hat auch etwas Befreiendes, einfach loszulassen und nur mit der Musik eins zu werden. Und am Ende ist es vielleicht genau das, was mich immer wieder dorthin zieht: das Gefühl, dass ich trotz allem nie alleine bin.

In diesem Sinne: Rock on – und vielleicht sehen wir uns ja an der Theke.

Eure Dani