Manchmal hört man etwas, das einen nicht mehr loslässt. So ging es mir heute, als im Radio über das Auseinanderleben von Freundschaften gesprochen wurde. Plötzlich war sie da, die Frage: Warum passiert das eigentlich? Warum verschwinden manche Menschen aus unserem Leben, auch wenn sie uns einmal so nah waren?
Es beginnt oft schleichend. Erst meldet sich der eine seltener, dann der andere. Irgendwann stellt man fest, dass Monate vergangen sind. Dann kommen die Gedanken: "Immer bin ich es, der sich meldet!" Oder: "Warum kommt von ihr denn gar nichts mehr?" Plötzlich wird gezählt und abgewogen, wer sich wann das letzte Mal gemeldet hat. Und ehe man sich versieht, schleicht sich ein Gefühl der Enttäuschung ein. Aber ist das fair?
Freundschaft ist, genau wie eine Partnerschaft, keine Einbahnstraße – sie lebt vom Geben und Nehmen. Doch was, wenn wir mit weniger Erwartungen an Freundschaften herangehen würden? Nicht aus Pflichtgefühl schreiben, nicht auf eine Gegenleistung hoffen, sondern einfach, weil uns etwas an diesem Menschen liegt? Wenn wir unser Handeln nicht davon abhängig machen, ob wir dasselbe zurückbekommen?
Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass manche Freundschaften eben nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Menschen begleiten uns ein Stück des Weges, und manchmal trennen sich die Wege eben wieder. Das bedeutet nicht, dass die Zeit wertlos war. Im Gegenteil: Jede Begegnung hinterlässt Spuren, prägt uns, bringt uns weiter. Manchmal kommt ein Mensch in unser Leben, um uns etwas zu lehren, um uns zu spiegeln oder aufzuzeigen, was wir vielleicht verändern möchten. Und manchmal sind wir auch einfach nur für eine begrenzte Zeit füreinander da.
Was mich dabei besonders nachdenklich macht: Warum sind wir in Freundschaften oft so konsequent, während wir in Partnerschaften viel mehr aushalten? Warum haben wir in Beziehungen eine höhere Schmerzgrenze für Enttäuschungen? Aber das ist eine andere Geschichte – vielleicht für eine andere Kolumne.
Für heute bleibt die Erkenntnis: Freundschaften kommen und gehen, und das ist okay. Manche bleiben für immer, andere begleiten uns nur ein Stück. Entscheidend ist doch, dass wir sie in dem Moment wertschätzen, in dem sie da sind. Also, wen wolltest du schon lange mal wieder anrufen?
