Gleichberechtigung sorgt für Diskussionen: Sind Männer benachteiligt? Wird ihnen Unrecht getan? Warum fühlen sich viele angegriffen, wenn über Frauenrechte gesprochen wird? Ein Blick auf Missverständnisse, Emotionen und die Frage, wie wir echte Gleichstellung erreichen können.

Mendig |

Letzte Woche habe ich eine Kolumne zum Weltfrauentag geschrieben – und damit einiges losgetreten. Viele Leserinnen und Leser haben sich gemeldet, manche mit Zustimmung, andere mit Fragen, einige mit Empörung. Besonders häufig kam die Reaktion: "Aber was ist mit den Männern? Sind die nicht auch benachteiligt?"

Diese Frage verdient eine Antwort. Denn ja, natürlich gibt es auch Herausforderungen für Männer. Auch sie sind Opfer von Rollenbildern, auch sie stehen unter Druck. Aber diese Probleme sind keine Gegenthese zur Benachteiligung von Frauen, sondern Teil desselben Systems. Einem System, das klare Erwartungen an Männer und Frauen stellt – und beide einschränkt.

Das Muster ist oft dasselbe: Frauen haben strukturelle Nachteile in Beruf, Politik und Gesellschaft, müssen sich ihre Positionen oft härter erarbeiten. Männer wiederum werden in bestimmten Bereichen unter Druck gesetzt, sollen nicht zu weich sein, nicht zu viel Elternzeit nehmen, keine Schwäche zeigen. Beides ist unfair.

Doch während die Benachteiligung von Frauen gut belegt ist – von der Lohnlücke bis hin zu schlechteren Karrierechancen –, werden männliche Nachteile oft in der Debatte als Gegenargument genutzt: "Ja, Frauen haben es schwer, aber schaut mal, wir Männer auch!" Doch wer versucht, die eine Ungerechtigkeit gegen die andere auszuspielen, verkennt das eigentliche Problem. Es geht nicht darum, wer es "schlimmer" hat. Es geht darum, dass starre Rollenbilder uns allen schaden.

Ein anderes Argument, das mir begegnet ist: Eine Leserin schrieb, sie fände es gut, dass gewisse Dinge typisch weiblich oder typisch männlich seien. Das ist völlig in Ordnung! Niemand muss Geschlechterrollen ablehnen. Problematisch wird es nur, wenn sie zur Pflicht werden. Wenn ein Junge sich anhören muss, er sei "unmännlich", weil er seine Gefühle zeigt. Oder wenn ein Mädchen als "frech" gilt, weil es lautstark seine Meinung vertritt. Es geht nicht darum, Vorlieben oder Präferenzen zu verbieten – sondern um die Freiheit, anders zu sein, ohne Nachteile zu erleben.

Deshalb plädiere ich für ein Umdenken: Nicht "Frauen gegen Männer", sondern gemeinsam gegen Ungerechtigkeit. Nicht "Wer hat es schwerer?", sondern "Wie können wir es für alle besser machen?" Das erfordert Reflexion, Diskussion und vielleicht auch das Eingeständnis, dass tief verankerte Strukturen nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber je bewusster wir uns ihnen werden, desto eher können wir sie verändern.

Also ja, lasst uns darüber reden, wo Männer benachteiligt werden. Aber lasst uns nicht vergessen, dass das Patriarchat nicht nur Frauen klein hält – sondern uns alle in ein Korsett zwängt, das nicht mehr zeitgemäß ist.

Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit euch,

eure Dani