Grundlage des Projekts ist ein wissenschaftliches Preisausschreiben der Harvard University aus dem Jahr 1939. Emigrantinnen und Emigranten aus dem nationalsozialistischen Deutschland und Österreich waren damals aufgerufen, ihre Lebensgeschichte niederzuschreiben. Insgesamt wurden 263 Manuskripte eingereicht, darunter rund 200 autobiografische Berichte mit einem Gesamtumfang von etwa 18.000 Seiten.
Im ersten Projektteil werden die Lebenswege der Verfasserinnen und Verfasser mithilfe von Online-Datenbanken und Archiven über das Jahr 1939 hinaus rekonstruiert. Die Ergebnisse sollen wissenschaftlich aufbereitet und für Forschung sowie Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Analyse von Wiedergutmachungsakten
Im zweiten Projektabschnitt werden Wiedergutmachungsakten ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Preisausschreibens untersucht. Die Akten stammen aus verschiedenen westdeutschen Bundesländern und wurden überwiegend zwischen 1950 und 1975 angelegt.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Kommunikationsprozesse zwischen Behörden und Antragstellerinnen beziehungsweise Antragstellern. Dabei werden unter anderem mögliche Verzögerungen in den Verfahren, strukturelle Abläufe sowie gelungene Interaktionen untersucht. Gleichzeitig liefern die Akten zusätzliche biografische Informationen für die Forschungsarbeiten.
Verbindung von Grundlagenforschung und Erinnerungskultur
Die beiden Projektteile sind eng miteinander verknüpft und sollen ein umfassenderes Bild der Verfolgungsschicksale sowie der späteren Wiedergutmachungsverfahren ermöglichen. Neben der sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung soll das Projekt auch Erkenntnisse zur Erinnerungskultur und zum Umgang mit Antisemitismus liefern.
Geleitet wird das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Wiebke Lohfeld von der Universität Koblenz sowie Prof. Dr. Detlef Garz von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
