Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Forschungsprojekt „Verfolgungsschicksale und Verfahrensabwicklung“ der Universitäten Koblenz und Kiel mit insgesamt 461.114 Euro. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben läuft vom 15. Juni 2026 bis zum 14. Juni 2029 und ist am Institut für Grundschulpädagogik der Universität Koblenz angesiedelt.

Koblenz |

Grundlage des Projekts ist ein wissenschaftliches Preisausschreiben der Harvard University aus dem Jahr 1939. Emigrantinnen und Emigranten aus dem nationalsozialistischen Deutschland und Österreich waren damals aufgerufen, ihre Lebensgeschichte niederzuschreiben. Insgesamt wurden 263 Manuskripte eingereicht, darunter rund 200 autobiografische Berichte mit einem Gesamtumfang von etwa 18.000 Seiten.

Im ersten Projektteil werden die Lebenswege der Verfasserinnen und Verfasser mithilfe von Online-Datenbanken und Archiven über das Jahr 1939 hinaus rekonstruiert. Die Ergebnisse sollen wissenschaftlich aufbereitet und für Forschung sowie Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Analyse von Wiedergutmachungsakten

Im zweiten Projektabschnitt werden Wiedergutmachungsakten ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Preisausschreibens untersucht. Die Akten stammen aus verschiedenen westdeutschen Bundesländern und wurden überwiegend zwischen 1950 und 1975 angelegt.

Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Kommunikationsprozesse zwischen Behörden und Antragstellerinnen beziehungsweise Antragstellern. Dabei werden unter anderem mögliche Verzögerungen in den Verfahren, strukturelle Abläufe sowie gelungene Interaktionen untersucht. Gleichzeitig liefern die Akten zusätzliche biografische Informationen für die Forschungsarbeiten.

Verbindung von Grundlagenforschung und Erinnerungskultur

Die beiden Projektteile sind eng miteinander verknüpft und sollen ein umfassenderes Bild der Verfolgungsschicksale sowie der späteren Wiedergutmachungsverfahren ermöglichen. Neben der sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung soll das Projekt auch Erkenntnisse zur Erinnerungskultur und zum Umgang mit Antisemitismus liefern.

Geleitet wird das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Wiebke Lohfeld von der Universität Koblenz sowie Prof. Dr. Detlef Garz von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.