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"Ich denke langfristiger und verzichte dafür auf Pokale"

Julian Konrad aus Sinzig ist sehr erfolgreich im Kartsport. (Fotos: ADAC Mittelrhein)


Der ADAC Mittelrhein zeichnet sich traditionell dadurch aus, dass er viele Talente fördert und erfolgreich entwickelt. Einer dieser Förderkandidaten ist Julian Konrad aus Sinzig, der in dieser Saison vor großen Herausforderungen steht. Denn der erst 14-jährige Kartfahrer des dortigen MSC fährt im Rahmen des ADAC-Kart-Masters in der X30-Senior-Klasse und tritt hier gegen Fahrer an, die oft schon 18 Jahre alt sind.

Obwohl es dadurch nicht mehr so einfach ist, Podestplätze einzufahren, bereut er seinen Schritt nicht, wie er im Gespräch verraten hat.

Julian, warum hast Du vor der Saison entschieden, in einer Altersklasse anzutreten, in der abzusehen war, dass es gegen deutlich ältere und damit auch erfahrenere Fahrer schwieriger ist. Erfolge einzufahren?

Julian Konrad: Weil ich den nächsten Schritt gehen wollte. Natürlich ist es toll, wenn Du nach fast jedem Rennen mit einem Pokal nach Hause kommst, aber ich denke langfristiger. Bald bin ja auch ich älter und habe dann in dieser Klasse die Erfahrung, um eventuell auch Siege herausfahren zu können.

Beim letzten Rennen in Ampfing lagst Du im Qualifying nur eine halbe Sekunde hinter der Spitze. Hast Du schon analysiert, wo Du diese halbe Sekunde liegen gelassen hast?

Julian Konrad: Das liegt an mehreren Dingen. Da ist zum einen das neue Kart. Es hat doch deutlich mehr Leistung und eine andere Abstimmung als mein Kart der letzten Saison. Dadurch ändern sich beispielsweise auch die Kurvengeschwindigkeit und die Bremspunkte.  Das muss ich lernen. Dazu kommt, dass die meisten Teams schon am Wochenende zuvor da waren und auf der Strecke trainiert haben. Wegen einer Erkrankung meines Vaters mussten wir da passen. Deshalb konnten andere Teilnehmer die freien Trainingssessions am Veranstaltungs-Freitag zur Feinabstimmung nutzen, während ich mich erst einmal eingrooven musste. Im ersten Rennen bin ich dann von Startplatz 35 aus auf 24 vorgefahren, im zweiten Rennen von 24 auf 16. Das war angesichts der Umstände dann schon in Ordnung. Mit der Rennperformance bin ich ganz zufrieden.

Beim Frühjahrscup in Kerpen lief es noch besser.

Julian Konrad: Ja. Platz 3 in den beiden Qualifikationen und Platz 5 im Endlauf. Das war bei meinem ersten Einsatz in dem neuen Kart hervorragend und zeigt, welch tolle Arbeit mein Team Giti Tire Motorsport und @at.motorsport geleistet haben. Ich bin mir sicher, dass sich dies bald auch auf meine Ergebnisse beim ADAC-Kart-Masters auswirkt.

Kartsport ist bekanntlich ein sehr aufwendiger Sport. Wie klappt das mit der Schule?

Julian Konrad: Ich besuche die achte Klasse des Rhein-Gymnasiums in Sinzig. Die Lehrer kommen mir dahin entgegen, dass ich an Wettkampf-Wochenenden für den Freitag vom Schulbetrieb befreit werde. Den fehlenden Stoff muss ich dann aber natürlich nacharbeiten. Da gibt es keinen Bonus. Das ist zwar manchmal sehr aufwendig, aber für mein Hobby nehme ich das gerne in Kauf.

Dieses Hobby wurde Dir ja bereits in die Wiege gelegt. Du stammst aus einer motorsportbegeisterten Familie.

Julian Konrad: Das stimmt. Wir betreiben in unserer Familie schon in der dritten Generation Motorsport. Mein Opa, Karl-Heinz Konrad, ist in den 70er selber gefahren und war später viele Jahre Sportleiter im MSC Sinzig. Mein Vater, Marcel Konrad, betreibt seit 1999 sein eigenes Motorsportteam, Konrad-Motorsport, in Sinzig. Er fährt jedoch nicht selbst, sondern setzt in verschiedenen Serien Tourenwagen ein. So lag es nahe, dass ich zu meinem fünften Geburtstag mein erstes Kart bekommen habe. 2018 fuhr ich dann mein erstes Rennen im Bambini WS.

Während Du mit Deinem Vater in Ampfing warst, war das Kooperationsteam Deines Vaters, Giti Tire Motorsport by WS-Racing, sehr erfolgreich im Rahmen des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring unterwegs. Wärest Du nicht lieber dort gewesen?

Julian Konrad: Nein, wenn ich die Wahl habe, würde ich mich immer dafür entscheiden, selbst im Kart zu sitzen.  Später einmal selbst am 24-Stunden-Rennen als Rennfahrer teilzunehmen oder sonst irgendwo im Bereich Tourenwagen unterwegs zu sein, ist mein großes Ziel. Doch dafür brauche in Rennerfahrung, da nutzt das Zuschauen oder reine Mitfiebern an der Strecke nichts.

Nach vier Jahren im Kartsport kann man ja auch mal eine kleine Zwischenbilanz ziehen. Was waren denn Deine größten Erfolge?

Julian Konrad: Der Vizemeister-Titel in der Klasse X30 im Rahmen des WAKC 2020 und im letzten Jahr der dritte Platz beim RoX Cup Germany in der Klasse RoK Junior und die Vizemeisterschaft in der gleichen Klasse im Rahmen des WAKC. Ebenso das Ergebnis bei der RoK-EM 2021 in Cheb/CZ, da wurde ich achter und bester Deutscher.

Und wenn Du einmal nicht im Kart sitzt, womit vertreibst Du Dir sonst Deine Zeit?

Julian Konrad: Ich spiele in der C-Jugend meines Heimatvereins SV Westum und bin ein leidenschaftlicher Simracer.

Mit Erfolg?

Julian Konrad: Ja ich denke schon. Mit unserem Team WS-Racing e-sports habe ich im Mai an einem 24-Stunden-Rennen teilgenommen. Wir sind in der LMP1-Klasse Dritter geworden. Ich könnte mir auch vorstellen, zumindest im Winter auch an Meisterschaften des ADAC teilzunehmen, wenn der MSC Sinzig wieder ein Team stellt.

Vielen Dank für das Interview. Das Interview wurde geführt von ADAC Mittelrhein.