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„Sport ist Teil der sozialen Infrastruktur“

Es sind Zahlen, die erschrecken und ein sofortiges Handeln erfordern:  90 Vereine sind direkt von den Auswirkungen der Flutkatastrophe an der Ahr und in der Eifel betroffen.

Dies ist Ergebnis der gemeinsamen Schadensabfrage des Sportbundes Rheinland und des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, die durch das Institut für Sportstättenentwicklung in Trier durchgeführt wurde. Hinzu kommen Einschränkungen für weitere Vereine durch die Belegung von Sportplätzen mit Containern oder als Zwischenlager für Bauschutt.  Die Schäden an Sportanlagen belaufen sich nach dieser ersten Erhebung auf  mindestens  25 Millionen Euro. Doch beim Sportbund gehen täglich neue Meldungen ein, die noch eine viel höhere Schadenssumme befürchten lassen. 

Erfasst wurden neben den vereinseigenen Sportanlagen auch Schäden an kommunalen Sporthallen und -plätzen. Allein bei den Anlagen in Vereinsbesitz sind Schäden in Höhe von 7,8  Millionen Euro entstanden. Hinzu kommen Schäden an Sportgeräten, Mobiliar und technischer Ausstattung in Höhe von 1,3 Millionen  Euro.

„Wir gehen davon aus, dass die Kosten für den Wiederaufbau der Sportinfrastruktur noch über die reine Schadensmeldung hinausgeht, da die Anlagen vor allem im Ahrtal häufig total zerstört sind und somit höhere Kosten als bei einer regulären Sanierung anfallen“, erklärt  Monika Sauer, Präsidentin des Sportbund Rheinland. Bei der weiteren Kosten-Kalkulation müsse auch berücksichtigt werden,  dass  20 Prozent der betroffenen Vereine keine Schadensumme genannt haben, weil sie das ganze Ausmaß der Zerstörung noch nicht erfassen können. 

Mit Blick auf den anstehenden Wiederaufbau fordert Monika Sauer,  den Sport von Beginn an mitzudenken: „Sportanlagen sind ein Teil der sozialen Infrastruktur. Sie sind Treffpunkte für Jung und Alt. Die Sportanlagen müssen daher ähnlich wie Bildungseinrichtungen oder Straßen zügig in den Blick genommen werden. Das Vorhandensein von Sportstätten und Freizeitangeboten wird die Lebensqualität im Ahrtal beeinflussen.“

Die Position des Sportbundes Rheinland zu der Flutkatastrophe vertrat auch  SBR-Geschäftsführer Martin Weinitschke in der Zukunftskonferenz für das Ahrtal. „Die Corona-Krise hat uns gezeigt, welche dramatischen Folgen Bewegungsmangel besonders bei Kindern und Jugendlichen haben kann. Das  darf sich in den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen nicht wiederholen“,  sagt Weinitschke. Man müsse  dort mit der Wiederherstellung  von Sportanlagen beginnen, wo es am ehesten möglich ist. Dafür seien schnelle individuelle Lösungen gesucht,  ohne die Sportvereine bei den Genehmigungsverfahren zu überfordern.

Aufgrund der Schadenserhebung, der Rückmeldungen der Vereine und politischer Gespräche hat der Sportbund Rheinland einen 6-Punkte-Katalog für den Wiederaufbau aufgestellt:

  • Entscheidungen und Genehmigungsverfahren für den Wiederaufbau müssen zügig erfolgen. Sportanlagen dürfen dabei nicht hinten angestellt werden.
  • Die Kosten für den Wiederaufbau von Sportanlagen für den gemeinnützigen Breitensport müssen zu 100 Prozent durch öffentliche Mittel finanziert werden.
  • Sportanlagen dürfen nicht als Lagerflächen oder Mülldeponien genutzt werden, sondern müssen zügig wieder hergerichtet werden.
  • Heimatnahe Trainingsstätten müssen erhalten bleiben. Entsprechende Flächen sind in den Planungen zu berücksichtigen.
  • Antragsverfahren sollten möglichst einfach gestaltet werden.
  • Es braucht zügig Lösungen für eine reguläre Unterrichtsversorgung, damit Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben,  am Nachmittag ihren Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.
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