In einem Monat steht die EM in Deutschland an. Mit ein wenig Glück gibt es ein neues Sommermärchen. Die Arbeitnehmer sollten sich schon einmal arbeitsrechtlich warmlaufen.

Eine Reihe der Spiele laufen tagsüber während der Arbeitszeit. Schichtarbeiter sind noch mehr betroffen. Es gibt jedenfalls zeitliche Überschneidungen. Der ein oder andere Mitarbeiter wird mit Fernseher, Handy, Laptop oder Radio im Betrieb auflaufen, in der Hoffnung, nichts zu verpassen. 


Die Spielregeln im Betrieb


Zunächst ist die Situation in den Betrieben naturgemäß unterschiedlich:


In der heutigen Zeit verfügt der Mensch über ein Laptop oder Smartphone mit Internetzugang. Das Abfragen von Spielständen ist von dem Arbeitgeber wegen der verhältnismäßig geringen Ablenkung zu dulden, soweit keine direkte Störung des Arbeitsablaufs vorliegt. Wird aber die Aufmerksamkeit durch längere Nutzung oder Euphorie gestört, dürfte die Nutzung eines privaten Netz-Zugangs eine Verletzung der Arbeitspflicht darstellen und könnte nach erfolgloser Abmahnung zur Kündigung führen.


Spiele per Live-Ticker oder Stream im Internet zu verfolgen, wird dank der Vielfalt an Angeboten immer einfacher. Hat der Arbeitgeber die private Nutzung des für dienstliche Zwecke bereitgestellten PC mit Internetzugangs untersagt, kann ein Verstoß auf jeden Fall nach erfolgloser Abmahnung zur Kündigung führen. Selbst Schweigen ist keine Zustimmung zur privaten Nutzung. Sie muss ausdrücklich gestattet werden. Auch wenn die private Nutzung gestattet ist, kann eine extensive Nutzung zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, bis hin zum Jobverlust führen.
Radios dürfen in der Regel mit ins Büro gebracht werden und wenn sie bei der Arbeit oder die Kollegen nicht stören, auch gespielt werden. Am besten ist es, vorher mit dem Chef abzuklären, ob Radiohören erlaubt ist. 
Schwieriger gestaltet sich das Fußballgucken am Fernseher. Kein Chef muss sich bieten lassen, dass Angestellte 90 Minuten gebannt vorm Bildschirm hocken. Allerdings hat die Rechtslage sich hierbei zugunsten der Arbeitnehmer verschoben. Drohte früher beim Fernsehgucken während der Arbeit noch eine Kündigung, so wird inzwischen erst einmal eine Abmahnung fällig. 
Hintergrund ist eine Entscheidung des Arbeitsgerichtes Frankfurt. Dieses erklärte eine Kündigung für ungültig, die einem Verkäufer eines Elektromarktes ausgesprochen wurde. Der Mann hatte während der Arbeit ein Spiel der WM 2010 auf einem Fernseher laufen lassen und sollte deshalb gefeuert werden. Das Gericht klassifizierte Fußballgucken während des Turniers jedoch als sozial angemessenes Verhalten, weswegen mit einer Abmahnung gewissermaßen nur eine "Gelbe Karte" als Sanktion zulässig sei. Wer allerdings den Chef vorher um Erlaubnis fragt, und der nichts dagegen hat, muss mit keinen Sanktionen rechnen. 
Aber natürlich kann das WM-Gucken auch ausdrücklich erlaubt sein, per Rundmail vom Chef etwa. Manche Arbeitgeber stellen für die großen Spiele vielleicht sogar einen Fernseher oder einen Beamer auf. Dann können sie allerdings auch verlangen, dass Mitarbeiter die 90 Minuten nacharbeiten oder dafür zum Beispiel Guthaben vom Arbeitszeitkonto verbrauchen.


Unpünktlichkeit


Auch wer etwa am Vorabend zu Hause oder in den Pausen Spiele verfolgt, muss auf die Erfüllung seiner Arbeitszeit achten: Wiederholtes Zuspätkommen ist ein Kündigungsgrund. Gleiches gilt, wenn während der WM "krankgefeiert" wird. Kommt heraus, dass der Arbeitnehmer stattdessen Fußball geschaut hat, kann nach Abmahnung die fristlose Kündigung folgen.


Reden ist Gold. Schweigen ist Silber


Das Sprichwort gilt ausnahmsweise umgekehrt. Der Arbeitnehmer sollte nicht nur die Regeln auf dem Spielfeld kennen, sondern auch die im Büro. Also: Reden mit dem Chef. Das vermeidet, dass man sich eine Abmahnung oder Kündigung einfängt.. 


Der Autor ist Partner der Kanzlei Dittmann & Hartmann in Mayen.