Seit Ende April dürfen Möchtegern-Piraten auch auf der PS5 mit Sea of Thieves in See stechen. Wir haben für den Test die Segel gehisst!

 Name: Sea of Thieves
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Rare 
Publisher: Xbox Game Studios
Plattform: PC, PlayStation 5 (getestet), Xbox One, Xbox Series X|S
Veröffentlichung: 30.04.2024 (PS5)
Preis: ab 39,99 Euro

Seit Ende April dürfen Möchtegern-Piraten auch auf der PS5 mit Sea of Thieves in See stechen. Wie schlägt sich das populäre Action-Abenteuer aus dem Hause Microsoft in PlayStation-Gewässern? Die Segel für den Test sind gehisst!
 

Vom enttäuschenden Wrack zur pompösen Galeone


Als Sea of Thieves 2018 für die Xbox One und Windows-PCs erschien, wäre es zunächst fast abgesoffen: Zwar blitzte das motivierende Koop-Konzept und die tolle Spielwelt mit herrlichem Karibik-Flair bereits auf, aber es fehlten schlichtweg die Inhalte, um Spieler und ihre Piraten-Crews längerfristig dazu zu motivieren, mit ihren Schaluppen, Dreimastern oder schwerfälligen Galeonen über das Meer zu schippern, sich explosive Seeschlachten gegen andere Mannschaften zu liefern, Schatztruhen zu mit Karten finden und auszubuddeln oder sich Gefechte mit halbtoten Skelettpiraten zu liefern. Entsprechend ernüchternd fielen erste Kritiken von Presse und Spielern aus.
 

Doch der Wind hat sich zugunsten von Sea of Thieves gedreht: Schon Mitte 2022 verbuchte das Piraten-Abenteuer 30 Millionen Spieler an Deck von PCs und Xbox-Konsolen. Und mit der Umsetzung für PS5 dürften weitere Seeräuber hinzugekommen sein. Verdanken kann man diesen Popularitätsschub vor allem zwei Faktoren: Zu einen lieferte das Entwicklungsteam von Rare zahlreiche weitere Inhalte nach, darunter neue Fraktionen, neue Missionstypen und sogar großartige Crossover mit den Piraten-Reihen „Fluch der Karibik“ und „The Secret of Monkey Island“, denen jeweils unterhaltsame Story-Kapitel spendiert wurden – und das völlig kostenlos. Zum anderen dürfte auch die Corona-Pandemie ihren Teil dazu beigetragen haben, warum es schließlich bergauf ging. Tatsächlich war Sea of Thieves mein persönliches „Corona-Spiel“, weil ich mich dort trotz Ausgangssperren und Kontaktvermeidung mit Freunden treffen, mich mit ihnen unterhalten und dabei aufregende Abenteuer erleben konnte. Teilweise sind wir zusammen acht Stunden oder mehr durch die karibisch angehauchte Spielwelt gesegelt, die technisch vor allem mit ihrer authentischen Wasserdarstellung, einem dynamischen Wettersystem und nicht zuletzt den wohl schönsten Sonnenauf- und Untergängen in einem Videospiel begeistert. Dabei verstehen es die Entwickler, immer wieder neue motivierende Brotkrumen für Piraten auszulegen, um sie mit neuen Aufträgen und Herausforderungen zu ködern. Bei uns war es manchmal nur der späten Uhrzeit geschuldet, dass wir uns von Bord direkt ins Bett begeben haben – der Anziehungskraft von Sea of Thieves kann man sich mit den richtigen Leuten in der Crew nur schwer entziehen.
 

Lustig ist das Piratenleben!


Aber was ist überhaupt das große Ziel in Sea of Thieves? Nun, wie es sich für einen guten Piraten gehört, versucht man auch hier vor allem, den eigenen Kontostand mit immer mehr Goldmünzen zu füllen. Sie warten als Belohnung, wenn man Aufträge diverser Fraktionen mit Erfolg abschließt. Da wären z.B. die Goldsammler, die für ausgebuddelte, zufällig gefundene oder geraubte Kisten genauso die Taler springen lassen wie für glitzernde Diamanten oder anderen Plunder. Der Seelenorden freut sich dagegen über jeden abgelieferten Schädel von berühmt-berüchtigten Skelett-Piraten, während man für den Handelsorden in erster Linie Waren zeitnah abholen und an den Zielhafen befördern muss. Neben einfachen Seefahrten kann man sich auch dem Seemannsgarn widmen: Dabei handelt es sich um die Story-Missionen von Sea of Thieves, die sich über mehrere Kapitel erstrecken und mitunter sehr umfangreich ausfallen können - Bosskämpfe inklusive!

Wer mag, kann aber auch einfach ohne Aufträge über das Meer schippern, sich in den Kneipen der Außenposten (oder an Bord) ein paar Grog hinter die Binde kippen, zum Musikinstrument greifen oder ganz entspannt Angeln. Mittlerweile ist es sogar möglich, selbst Kisten für andere Spieler zu vergraben, gut befestigte Forts zu attackieren oder sowohl zu verschollenen Schiffwracks als auch eine verborgene Unterwasserwelt hinab zu tauchen. Wer zu faul ist, die richtige Insel für den aktuellen Auftrag erst mühsam auf dem Kartentisch zu suchen, kann sich neuerdings automatisch mit einer sehenswerten Unterwasser-Einlage á la Black Pearl zum Ziel bringen lassen. Allerdings entgehen einem dabei nicht nur Begegnungen mit anderen Schiffen, sondern auch dynamische Events wie die Konfrontationen mit einem Megadolon oder dem mächtigen Kraken. 
 

Mehr Spaß im Team 


Zwar lässt sich Sea of Thieves zur Not alleine spielen, deutlich mehr Spaß macht das Piratenleben aber zusammen mit einer Crew aus bis zu vier Spielern. Nicht nur lassen sich die Aufgaben an Bord besser verteilen und abstimmen: Wer übernimmt das Steuer? Wer richtet die Segel ideal im Wind aus? Wer kümmert sich um die Navigation? Wer repariert das Leck? Auch in Kämpfen oder dem Lösen von Rätseln ist man gemeinsam stärker als alleine.

Das gilt vor allem dann, wenn man auf die Besatzungen anderer Spieler trifft, denen es in bester Piraten-Manier oft nur darum geht, andere Spieler-Crews aufzuspüren und zu attackieren, um ihnen ihre hart erarbeitete Beute abzuluchsen, bevor sie einen der Außenposten erreichen. Das sorgt zwar immer wieder für situative Spannung, kann aber sehr frustrierend werden, wenn geübte oder zahlenmäßig überlegene Piraten aus Fleisch und Blut einem immer wieder die Tour vermasseln. Die Option kam zwar erst sehr spät, aber mittlerweile darf man sich zum Glück alternativ in so genannte „ruhige Gewässer“ begeben, in denen die Belohnungen zwar geringer ausfallen, man dafür aber keine hinterhältigen Attacken von anderen Spielern befürchten muss - in diesem Modus warten lediglich KI-Gegner! Hier gilt es abzuwägen: Ich hatte schon viele tolle Begegnungen mit anderen Spielern, die sowohl zu Verbündeten wurden als auch zu würdigen Gegnern in Seegefechten. Oft war es aber auch deprimierend, all die zeitaufwändig gesammelten und wertvollen Schätze gegen überlegene Widersacher zu verlieren. Das Schippern in ruhigen Gewässern schont zwar die Nerven, aber gleichzeitig fehlt Sea of Thieves in dieser „Sicherheits-Variante“ dann doch ein gewisser Kick.
 

Alle sind gleich vor dem Piraten-Gott


Sea of Thieves weist einige Parallelen mit einem MMORPG (Massively Multiplayer Online Roleplaying Games) auf: Zum einen teilt man sich die offene Spielwelt mit anderen Spielern und zum anderen erstellt man sich einen eigenen Piraten-Avatar, den man hinsichtlich des Aussehens von Kopf bis Fuß anpassen darf, selbst wenn man die eigene Figur aufgrund der vorherrschenden Ego-Perspektive nur selten selbst zu Gesicht bekommt. Gleiches gilt für die Schiffe, die für einen individuellen Look mit Flaggen, Segeln, Steuerrad und sogar diversen Skins für Kanonen ausgestattet werden dürfen. Gleichzeitig wird zum Glück der typische Rollenspiel-Ballast über Bord geworfen: Gelevelt wird hier nur bei den einzelnen Fraktionen und dem Season Pass, doch Fähigkeiten der Figuren lassen sich genauso wenig verbessern wie Waffen. Hier sind alle Spieler gleich, wie der Piraten-Gott sie schuf. Alle Belohnungen, käuflichen Gegenstände oder freischaltbare Extras sind rein kosmetischer Natur und verschaffen keine spielerischen Vorteile. Die findet man höchstens per Zufall in zahlreichen Kisten oder Verstecken, darunter besonders wirkungsvolle Kanonenkugeln oder eine Ananas, die sofort die komplette Lebensenergie angeschlagener Piraten regeneriert. Wer sich vor dem Auslaufen entsprechend vorbereitet und sich eine gute Ausrüstung zusammen sucht, ist auf jeden Fall besser gewappnet für die nächste Konfrontation auf hoher See. Vor allem aber entscheidet der Skill über Sieg oder Niederlage - sei es bei Schwertkämpfen Mann gegen Mann oder gut gezielten Kanonenschüssen, um das gegnerische Schiff zu versenken.


Tolle Umsetzung mit kleinem Haken


Dass Sea of Thieves überhaupt für die PS5 umgesetzt wurde, war eine kleine Überraschung. Immerhin handelt es sich hier um ein Spiel der Xbox Game Studios, von denen Spiele in der Regel exklusiv im Microsoftschen Ökosystem mit Windows-PCs und Xbox-Konsolen veröffentlicht werden. Wer deshalb eine halbgare Portierung erwartet, hat sich geschnitten: Sea of Thieves wurde technisch hervorragend von der Xbox auf die PlayStation gehievt – tatsächlich verbucht die Variante für die Sony-Konsole sogar leichte Vorteile, was z.B. die Ladezeiten angeht. Wer auf der PS5 in See stechen will, benötigt allerdings zwingend ein Microsoft-Konto, das sich zwar ruckzuck und kostenlos erstellen lässt, aber trotzdem eine Hürde darstellt. Immerhin werden dadurch die Spielstände synchronisiert, falls man zuvor bereits auf der Xbox oder PC seine ersten Piraten-Ausflüge gemeistert hat. Plattformübergreifendes Spielen zwischen Freibeutern auf Xbox, PC und PlayStation ist selbstverständlich ebenfalls möglich. Bis zum 1. August darf man übrigens noch zum Angebotspreis an Bord: Statt einer UVP von 39,99 Euro ist Sea of Thieves bis dahin noch ab 27,99 Euro im PSN Store zu haben.
 

Fazit:


Man kann froh sein, dass seit Ende April auch PlayStation-Piraten ihre Segel in Sea of Thieves hissen dürfen, um an dem spaßigen Action-Adventure von Rare teilzuhaben - es ist definitiv eine Bereicherung für den Xbox-Konkurrenten. Die Portierung für die Sony-Konsole ist trotz Microsoft-Zwangskonto vorzüglich gelungen und mittlerweile werden nach der anfänglichen Durststrecke von 2018 so viele Inhalte geboten, dass es so schnell nicht langweilig werden dürfte – vor allem dann, wenn man motivierte Mitspieler zur Seite hat, die Lust auf ein gemeinsames Piratenabenteuer haben. Für Solisten sind die Ausflüge zur Sea of Thieves jedoch nur bedingt zu empfehlen, denn der Spielspaß steigt mit jedem zusätzlichen Crew-Mitglied! 

 Worum geht’s?

In Sea of Thieves macht man als Pirat das Meer unsicher – vorzugsweise in einer kooperativen Crew mit bis zu drei Mitspielern. Geboten werden u.a. Schatzsuchen, Kämpfe gegen zahlreiche Gegner mit Schwert und Schusswaffen sowie explosive Seeschlachten zwischen Schiffen – sei es gegen die KI oder andere Mannschaften aus Fleisch und Blut. Neben einzelnen Aufträgen für diverse Fraktionen warten auch Story-Missionen, darunter sogar unterhaltsame Ableger rund um Flucht der Karibik und The Secret of Monkey Island. Die erbeuteten Goldmünzen und andere Belohnungen dienen in erster Linie dazu, kosmetische Items für Klamotten, Waffen-Skins oder Schiffsanpassungen zu erwerben, besondere Missionen freizuschalten oder sich virtuelle Haustiere anzuschaffen. 
          

Sea of Thieves ist geeignet für Spieler, die...

    • schon immer Pirat werden wollten
    • vor allem kooperative Abenteuer bevorzugen
    • karibisches Flair genießen

Sea of Thieves ist weniger geeignet für Spieler, die...

    • am liebsten alleine spielen
    • wenig Zeit haben
    • Figuren und Ausrüstung verbessern wollen

Alternativen: Skulls & Bones, Sid Meier’s Pirates!, Assassin’s Creed: Black Flag