Benni Over (m.) im Kreise von Freunden und UNterstützern. (Foto: Seydel)

In der Pandemie kämpft Benni Over jetzt einmal für sich selbst

Wenn Benni Over, 30 Jahre, aus Niederbreitbach, rebelliert, dann ist das Alltag für den schwerkranken junge Mann. Er kämpft für den Erhalt des Regenwaldes und für den Schutz der Orang Utans . Zusammen mit seinem Vater reist er dafür in Schulen und Altenheime, er war sogar in Indonesien, hat ein Buch über das Thema geschrieben und lässt die Welt teilhaben an seiner Rebellion.
Benni leidet unter schleichendem Muskelschwund (Muskeldystrophie Duchenne ). Seit 20 Jahren sitzt er im Rollstuhl, kann nur noch die Finger bewegen  und nach einem Herzstillstand wird er seit 4 Jahren zusätzlich beatmet. Vater Klaus war früher für einen Hygienekonzern tätig, er hat alles aufgegeben, um zusammen mit seiner Frau für Benni da sein. In  der Coronazeit haben die Eltern die komplette Pflege übernommen, der ambulante Intensiv-Pflegedienst bleibt außen vor.“ Wir haben aus Angst vor den Viren dicht gemacht, Benni würde Corona nicht überlegen“, sagt der Vater. Sie sind dank eines großen Gartens Selbstversorger und setzen im Übrigen auf Online-Belieferung.
Die Hoffnung von Benni ist die Impfung. Und da will er die Welt nicht verstehen. Ein Fall wie Benni Over wäre nach der Konzeption der Politik in der Impfgruppe IIi. Die beim Robert Koch –Institut (RKI) angesiedelte Kommission schlägt vor, Impfungen zunächst nur an Ältere über 8o, Pflegeheimbewohner und an das Personal mit höchstem Infektionsrisiko in Kliniken und Altenheimen zu verabreichen. Das sind in der Gruppe I   rund 8,6 Millionen Menschen. In der Gruppe II sollen dann ältere Menschen zwischen 70 und 75 Jahren und Vorerkrankte mit erhöhtem Risiko und ihre engsten Kontaktpersonen geimpft werden. In beiden Impfgruppe  käme  Benni Over zum Zuge., sondern esrte ind er Gruppe III:  In Impfgruppe I käme er, wenn anerkannt würde, dass die Familie Over ihren Sohn wie „ein Pflegeheim“ betreut.
Das alles will Benni Over nicht begreifen und erst recht nicht verstehen. Er hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angeschrieben und auch weite Teile des Deutschen Bundestages und des Landtages von Rheinalnd-Pfalz. Die Medien haben sich der Sache angenommen. Unter anderem hat der Berliner „Tagesspiegel“ über den Fall Benni Over berichtet. Darauf gab es einiges an Leserbriefen. Drei ältere Damen wollen Benni sogar ihre Impfdosis spenden. Darunter ist eine Krankenschwester, die zur Impfgruppe I gehört.
Benni kennt den Zustand der Niedergeschlagenheit nicht erst seit Corona. Jetzt kämpft er für sich, für sein Leben. Er will einmal nicht zu denen gehören, die Gefahr laufen wieder zu verlieren. Dabei ist er kein Verlierer, er taugt auch nicht dazu, er ist ein herrlicher Typ, der so einzigartig optimistisch sein kann. Dabei hat ihm das Leben  kaum etwas geboten, wirklich optimistisch zu sein. Außer wunderbaren Eltern und einem großartigen Bruder. Das hat bisher immer gereicht, um 30 Jahre alt zu werden.
Und auch in dieser Impfsache wird der kleine Mann mit dem großen Herzen gewinnen. Wenn der Impfstoff da ist, muss es für Benni eine Lösung geben.  

Nachtrag: Durch die große Aufmerksamkeit in den Medien sind viele Bürger*innen aufmerksam geworden. Eben (Samstag, 19.12., gegen 11 Uhr) klingelte es bei Familie Over an der Haustüre. Ein Mann stand davor und sagte dies: „Ich bin 71, gehöre vielleicht zur priorisierten Gruppe noch vor Benni. Aber ich möchte meine Impfdosis an Benni spenden“. Ob dies in der Bürokratie Deutschlands überhaupt umsetzbar wäre, bleibt zu klären. "Wir werden jeden Strohhalm annehmen. Das macht einfach mal wieder Mut", sagen Benni und seine Familie mit großem Dank.

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