Tradition auf dem Wasser lebendig halten
Ein ungewöhnlicher Anblick zieht aktuell die Blicke entlang der Mosel auf sich: Ein Floß aus 15 mächtigen Tannen- und Fichtenstämmen, darauf eine kleine Hütte, gesteuert mit langen Rudern. Gebaut wurde es von den „Schiltacher Flößern“ aus dem Schwarzwald, die vor wenigen Tagen im saarländischen Rehlingen-Siersburg ihre Reise begonnen haben.
Nach rund 250 Kilometern über Saar und Mosel steuert die achtköpfige Crew nun ihr Ziel Koblenz an. Laut Floßmeister Thomas Kipp verlief die Fahrt bislang reibungslos – auch dank stabiler Wetterbedingungen. Die Reise sei nicht nur gelungen, sondern vor allem eines: ein echtes Erlebnis für alle Beteiligten.
Doch hinter dem Abenteuer steckt ein klares Anliegen. Die Flößer wollen auf die jahrhundertealte Tradition ihres Handwerks aufmerksam machen. Einst waren Saar und Mosel wichtige Transportwege für Holz, das über den Rhein bis in die Niederlande gelangte. Dieses Wissen droht in Vergessenheit zu geraten – und genau dagegen steuert die Gruppe an.
Zwischen Geschichte und moderner Hilfe
Trotz der historischen Bauweise ist das Floß nicht völlig ohne Technik unterwegs. Am Heck befindet sich ein Motor – allerdings nur für besondere Situationen. „Den brauchen wir, um gegen die Strömung zu fahren oder Schleusen zu passieren“, erklärt Kipp. Ansonsten gleitet das Gefährt ruhig durchs Wasser, stabil und nahezu ohne Schwanken.
Die Flößerei wurde 2022 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Für die Schiltacher Flößer ist das mehr als eine Auszeichnung – es ist ein Auftrag. Ihr Ziel: das Wissen rund um Bau, Navigation und Geschichte der Flöße an kommende Generationen weiterzugeben.
Erfahrung haben sie genug: Bereits auf Rhein, Donau, Neckar sowie auf Weser und Elbe waren sie unterwegs. Wohin die nächste Reise führt, steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch: Die Tradition der Flößerei bleibt in Bewegung.
