Ob werfen, drücken oder sammeln – in Rheinland-Pfalz werden Ostereier nicht nur gesucht, sondern auch sportlich eingesetzt. Hinter den bunten Traditionen stecken Geschichte, Gemeinschaft und eine gute Portion Humor.

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Fliegende Eier und feste Schalen

Ostern ist das Fest der Eier – doch in Rheinland-Pfalz geht es dabei längst nicht nur ums Verstecken und Suchen. In vielen Orten haben sich Bräuche erhalten, bei denen das Ei im Mittelpunkt ungewöhnlicher Wettkämpfe steht.

Im Westerwald etwa fliegen die Eier: In Horhausen messen sich Teilnehmer beim Ostereier-Weitwurf. Ziel ist es, ein hartgekochtes Ei möglichst weit zu schleudern – ohne dass es beim Aufprall zerbricht. Der Rekord liegt bei stolzen 78 Metern. Mitmachen darf jeder, und selbst Hochbetagte zeigen hier beeindruckenden Ehrgeiz. Der Spaß steht klar im Vordergrund, auch wenn der sportliche Ehrgeiz nicht zu kurz kommt.

Ganz anders, aber nicht weniger spannend geht es in Winningen an der Mosel zu. Beim sogenannten „Eierkibben“ treten zwei Spieler gegeneinander an und drücken ihre bunt gefärbten Eier aneinander. Wer am Ende das unversehrte Ei besitzt, gewinnt – und darf beide Eier behalten. Das sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für reichlich Eiersalat am nächsten Tag. Begleitet wird das Spektakel von Musik, Geselligkeit und einer Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Sammeln, rennen, siegen

In der Eifel wird Ostern schließlich zur echten Ausdauerprüfung: Bei der „Eierlage“ in Schönecken treten zwei Kontrahenten gegeneinander an. Zuvor müssen sie 104 Eier im Ort sammeln. Am Ostersonntag werden diese dann auf einem Parcours ausgelegt.

Beim Wettkampf selbst übernimmt einer die Rolle des „Raffers“ und sammelt die Eier ein, während der andere als „Läufer“ eine Strecke von rund 7,6 Kilometern zurücklegt. Wer zuerst fertig ist, gewinnt. Der Brauch soll bis ins Mittelalter zurückgehen und verbindet sportlichen Einsatz mit historischem Flair.

Ob fliegende, gedrückte oder gesammelte Eier – die österlichen Bräuche in Rheinland-Pfalz zeigen, wie lebendig Tradition sein kann. Zwischen Wettbewerb und Geselligkeit geht es vor allem um eines: gemeinsam Spaß zu haben.