Das Bundeswehr Beschaffungsamt in Koblenz steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Behörde moderner, schneller und schlagkräftiger aufstellen. Auch neue Standorte in Deutschland und Europa sind geplant.

Koblenz |

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz steht vor einer umfassenden Reform. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine neue Reformagenda vorgestellt, die das Beschaffungswesen der Bundeswehr deutlich beschleunigen soll. Hintergrund ist das anhaltend hohe Auftragsvolumen, das die Behörde zunehmend vor Herausforderungen stellt.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums flossen in die Pläne mehr als 600 Vorschläge von Mitarbeitenden des Amtes ein. Zusätzlich lieferten externe Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft wichtige Impulse. Ziel ist eine effizientere Zusammenarbeit mit der Industrie und eine modernere Organisation.

Mehr Tempo für Koblenz

Kern der Reform ist eine neue Struktur für die Koblenzer Behörde. Künftig soll ein flexibleres Matrixsystem die bisherigen starren Abteilungsstrukturen ersetzen. Projektteams sollen schneller und gezielter zusammengestellt werden können. Die Ausrichtung erfolgt nach den Bereichen Land, Luft, See, Cyber, Informationsraum und Weltraum.

Zusätzlich setzt das Amt neue Schwerpunkte. Dazu zählen eine intensivere Marktbeobachtung, ein aktiveres Management von Lieferanten sowie eine stärkere Kontrolle von Lieferketten und Kosten. Angesichts der stark gestiegenen Investitionen in die Rüstung soll so mehr Transparenz und Steuerung entstehen.

Neue Standorte und schnellere Verfahren

Auch außerhalb von Koblenz will die Bundeswehr ihre Beschaffung breiter aufstellen. In Bremen ist ein neuer Standort mit Fokus auf Raumfahrt geplant. Die Außenstelle in Dresden wird ausgebaut, um Kompetenzen in Cyber und Informationstechnik zu stärken. Zudem soll eine Repräsentanz in Brüssel die Zusammenarbeit mit Partnern aus EU und NATO erleichtern.

Beschaffungsprojekte werden künftig nach Dringlichkeit und Umfang in verschiedene Kategorien eingeteilt, um Prozesse zu beschleunigen. Ergänzend entsteht ein wissenschaftlicher Beirat für die Beschaffung. Auch das Innovationszentrum der Bundeswehr wächst weiter. Neben dem Standort in Erding soll noch in diesem Jahr ein weiteres Zentrum in Kiel aufgebaut werden. Die Stadt gilt als wichtiger Standort für Schiffbau und Marineelektronik in Deutschland.