Nach dem Meteoriteneinschlag in Koblenz zieht es nicht nur Wissenschaftler an den Fundort. Auch Meteoritenjäger reisen in aller Eile an, um winzige Fragmente zu sichern, denn jede Minute kann über den Zustand der seltenen Fundstücke entscheiden.

Koblenz |

Nach dem Meteoriteneinschlag am Sonntagabend ist in Koblenz eine ganz besondere Szene in Bewegung geraten: Meteoritenjäger aus dem In- und Ausland machen sich auf die Suche nach kleinsten Resten des kosmischen Gesteins. Einer der Ersten vor Ort war Thierry Monter aus dem französischen Thionville. Für den 62-Jährigen stand nach den ersten Hinweisen schnell fest: Er muss sofort los.

Über sein über Jahre gewachsenes Netzwerk habe er gleich mehrere Nachrichten zu dem Einschlag erhalten, berichtet Monter. Da Koblenz nur zwei bis drei Autostunden entfernt liegt, setzte er sich noch in der Nacht ins Auto und kam nach eigenen Angaben gegen zwei oder drei Uhr morgens an.

Schnelligkeit entscheidet über den Fund

Vor Ort begann für den erfahrenen Meteoritenjäger zunächst die Spurensuche. Mit dem Namen der betroffenen Straße machte er sich im Dunkeln auf den Weg, lief die Umgebung ab und hielt Ausschau nach Hinweisen wie beschädigten Dachziegeln oder verstreuten Partikeln. Denn genau darin liegt für Sammler und Experten der entscheidende Punkt: Fragmente müssen möglichst schnell gesichert werden.

Nach Monters Erfahrung werden bei Einsätzen von Feuerwehr, Polizei oder Anwohnern zwar oft Teile gefunden – doch selten alle. Kleinste Reste blieben fast immer zurück. Deshalb sei Eile geboten, bevor Menschen versehentlich auf die Stücke treten, sie beschädigen oder unbrauchbar machen.

Im Koblenzer Stadtteil Güls ermöglichte ihm eine Anwohnerin den Zugang zu einem Hinterhof, wo er gezielt nach Splittern suchte. Dort habe er alles eingesammelt, was er finden konnte, um die Reste vor weiterer Beschädigung zu bewahren. Für eine ausführliche Dokumentation mit Fotos und genauer Bestandsaufnahme habe in dem Moment kaum Zeit bestanden, auch weil sich vor Ort bereits zahlreiche Journalisten und Schaulustige versammelt hatten.

Kleine Splitter, großer Wert

Seine Funde verstaute Monter nach eigenen Angaben sofort in kleinen Schutzdosen. Viel Material sei es nicht gewesen – vielleicht rund 20 Gramm. Dennoch sei die Freude groß. Gerade bei Meteoriten seien selbst kleinste Fragmente von großem Interesse, sowohl für Sammler als auch für wissenschaftliche Untersuchungen.

Begünstigt wurde die Suche durch das trockene Wetter. Regen hätte die empfindlichen Teilchen zusätzlich beeinträchtigen können. Für Monter ist der Einsatz in Koblenz mit dem ersten Fund deshalb noch lange nicht beendet: Er will nach eigenen Worten noch rund zwei Wochen weiter vor Ort suchen und die genauere Analyse der Stücke anschließend zu Hause vornehmen.

Dass er so kurzfristig zu einem Einschlagort aufbrechen kann, verdankt der Franzose seinem Beruf. Monter arbeitet selbstständig als Grafikdesigner und betreibt eine eigene Kommunikations- und Designagentur. So kann er sein Hobby, dem er seit etwa zehn Jahren nachgeht, flexibel mit dem Arbeitsalltag verbinden.