Nach dem Aus für die Baumschutzsatzung regt sich in Koblenz Widerstand. Eine Bürgerinitiative hat ein Bürgerbegehren gestartet und will den Schutz für Stadtbäume zurück auf die politische Agenda bringen.

Koblenz |

In Koblenz formiert sich Protest gegen die Abschaffung der Baumschutzsatzung. Mit einem Bürgerbegehren will eine Initiative erreichen, dass Stadtbäume künftig wieder unter besonderen Schutz gestellt werden. Anlass ist der Beschluss des Stadtrates vom 26. März, die erst 2021 eingeführte Regelung aufzuheben.

Nach Ansicht der Initiatoren ist die Entscheidung ein schwerer Rückschlag für Umwelt, Klima und die Entwicklung der Stadt. Stadtbäume seien weit mehr als ein grüner Blickfang. Gerade in dicht bebauten Vierteln sorgten sie für kühlere Temperaturen, filterten Schadstoffe aus der Luft und steigerten die Lebensqualität vieler Menschen.

Bäume als soziale Lebensräume

Die Initiative betont dabei auch den sozialen Aspekt. Viele Koblenzer verfügten über keinen eigenen Garten oder private Grünflächen und seien auf öffentliche Naturflächen angewiesen. Stadtbäume seien deshalb nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ein wichtiger Ausgleich für Menschen, die den Folgen des Klimawandels besonders stark ausgesetzt seien.

Kritik üben die Organisatoren auch am politischen Verfahren. Fachliche Einschätzungen und Stimmen aus der Bevölkerung seien vor der Entscheidung nicht ausreichend berücksichtigt worden. Zudem seien alte Bäume als Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Insekten nicht einfach durch neue Pflanzungen zu ersetzen.

4.250 Unterschriften bis Ende Juli

Damit das Bürgerbegehren Erfolg hat, müssen bis Ende Juli 2026 mindestens 4.250 gültige Unterschriften von wahlberechtigten Koblenzern zusammenkommen. Die Initiative wirbt dabei nicht nur um Unterstützung aus der Zivilgesellschaft, sondern auch bei Unternehmen und Grundstückseigentümern.

Der Stadtrat hatte die Satzung Ende März mit 30 zu 24 Stimmen gekippt. Die FDP hatte die Abschaffung mit zu starken Eingriffen in Eigentumsrechte und hohem Verwaltungsaufwand begründet. Zudem habe die Regelung dazu geführt, dass Eigentümer junge Bäume aus Sorge vor späteren Einschränkungen vorsorglich entfernen ließen.

Kritiker aus Politik und Verwaltung warnen hingegen vor den ökologischen Folgen. Die bisherige Satzung schützte nicht wirtschaftlich genutzte Bäume ab einem Stammumfang von 80 Zentimetern, auch auf privaten Grundstücken. Künftig setzt die Stadt stattdessen auf Beratung, Anreize und freiwillige Pflanzungen.