Einzigartige Bewohner aus Madagaskar
Die etwa anderthalb Jahre alten Tiere stammen aus dem niederländischen ZooParc Overloon und leben nun im umgebauten Bereich des Menschenaffenhauses. Dort gewöhnen sie sich derzeit an ihre neue Innen und Außenanlage.
„Mit den Alaotra Halbmakis zeigen wir eine Tierart, die selbst viele Zoo Fachleute noch nie live gesehen haben“, erklärt Zookurator Florian Bonenkamp. Die Übernahme der Haltung sei zugleich eine große Ehre und Verantwortung.
Die auch als Alaotra Bambuslemuren bekannten Tiere kommen ausschließlich am Alaotra See auf Madagaskar vor. Ihr Lebensraum besteht aus ausgedehnten Schilf und Papyrusgebieten rund um den größten See der Insel. Obwohl ihr Name anderes vermuten lässt, ernähren sich die Tiere in freier Wildbahn vor allem von Schilf und Papyrus. Im Zoo stehen Laub und Chicorée auf dem Speiseplan.
Vom Aussterben bedroht
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art als unmittelbar vom Aussterben bedroht ein. Bereits 2013 lebten Schätzungen zufolge nur noch rund 2.500 Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Die fortschreitende Zerstörung der Sumpfgebiete durch Brandrodung, Trockenlegung und Abholzung setzt den Beständen massiv zu. Hinzu kommen Jagd und illegaler Fang.
Eine Besonderheit macht die Halbmakis einzigartig unter den Lemuren: Sie leben direkt über dem Wasser. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit bewegen sie sich durch die Schilfgürtel, nutzen umknickende Halme als Brücken und können sogar schwimmen.
Europaweit werden Alaotra Halbmakis derzeit nur in 16 zoologischen Einrichtungen gehalten. Insgesamt existieren dort weniger als 60 Tiere. Mit der Aufnahme der beiden Brüder beteiligt sich der Zoo Neuwied nun aktiv am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für diese außergewöhnliche und hochbedrohte Primatenart.
„Viele Menschen wissen gar nicht, dass es Lemuren gibt, die mitten im Schilf über dem Wasser leben“, sagt Bonenkamp. Gerade deshalb seien moderne Zoos wichtig, um bedrohte Arten zu schützen und Besucher für ihren Erhalt zu sensibilisieren.
