Eigentlich schien die Nachfolge von Ulrike Mohrs als Erste Beigeordnete der Stadt Koblenz längst entschieden. CDU, SPD und Grüne haben sich darauf verständigt, die CDU-Politikerin Dagmar Kranz zu unterstützen. Angesichts dieser Mehrheit im Stadtrat gilt ihre Wahl als sehr wahrscheinlich.
Bereits bekannt war die Kandidatur von Stephan Wefelscheid von den Freien Wählern. Dem Stadtratsmitglied und Landtagsabgeordneten werden jedoch nur geringe Chancen eingeräumt. Überraschend kam nun hinzu, dass bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist Ende Januar noch zwei weitere Bewerbungen eingingen: Ralf Devant und Arian Tavasoli, beide parteilos und bislang ohne größere politische Bekanntheit in Koblenz.
Unerwartete Bewerber sorgen für Gesprächsstoff
Vor allem diese beiden zusätzlichen Kandidaturen dürften die Vorstellungsrunde im Stadtrat beleben. Realistische Aussichten auf das Amt werden ihnen wegen der politischen Mehrheitsverhältnisse zwar kaum zugeschrieben. Dennoch lenken sie den Blick auf ein Verfahren, das zuvor eher als Formsache wahrgenommen wurde.
Besonders Arian Tavasoli fällt durch einen ungewöhnlichen politischen Hintergrund auf. Nach eigenen Angaben stammt er aus dem Iran, arbeitete drei Jahre lang als Paketzusteller im gesamten Koblenzer Stadtgebiet und lebt heute in der Goldgrube. Zugleich beschreibt er sich als unabhängigen Kandidaten, verweist aber auch auf Verbindungen zur AfD sowie eine CDU-Mitgliedschaft. Allein diese Selbstdarstellung dürfte im Rat für Aufmerksamkeit sorgen.
Ausschreibung mit viel Spielraum
Dass sich auch politisch unbekannte Bewerber auf das Amt melden konnten, liegt womöglich an der vergleichsweise offen formulierten Ausschreibung. Gefordert wurden lediglich „eine der Bedeutung der Stelle angemessene Vorbildung“ sowie „umfassende Kenntnisse und berufliche Erfahrungen“. Konkreter wurden die Anforderungen nicht.
Hinzu kommt die Attraktivität des Postens selbst: Das Amt ist mit rund 10.000 Euro monatlich dotiert und wird nach Besoldungsgruppe B5 vergütet. Außerdem könnte der Amtsantritt früher erfolgen als ursprünglich geplant. Die Amtszeit von Ulrike Mohrs endet zwar offiziell erst am 30. November, doch offenbar will sie ihre Position bereits Ende Juni aufgeben, um Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland zu werden.
Damit bleibt die Ausgangslage zwar klar – doch die Bürgermeisterwahl in Koblenz hat plötzlich eine zusätzliche, ungewöhnliche Note bekommen.
