Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In mühevoller Handarbeit wurden struktur- und artenarme Gehölzbestände in den Weinbergsbrachen freigestellt, damit Lebensräume für gefährdete und seltene Tierarten entstehen können.

Wertvolle Lebensräume in Weinberghängen in Handarbeit geschaffen

Sie sind ein wichtiger Lebensraum für Zippammer, Mauereidechse und Schlingnatter sowie für seltene Schmetterlinge, Wildbienen und Pflanzenarten. Die Rede ist von den steilen Weinberghängen im Bereich der Ortsgemeinden Alken und Niederfell an der Untermosel, deren Aussehen sich in den vergangenen Monaten entschieden verändert hat.
Denn damit dieser wichtige Lebensraum erhalten bleibt, sorgt die Untere Naturschutzbehörde im Landkreis Mayen-Koblenz mit einem Naturschutzgroßprojekt für die Entbuschung und Pflege eines rund 16 Hektar großen Areals – und zwar in den nächsten 15 Jahren. „Das ist ein richtiges Abenteuer“, sagt Jörg Hilgers, der das Projekt als Biologe betreut, und spielt damit nicht nur auf die zeitliche Dimension, sondern insbesondere auch auf die Topografie des Geländes an.
In den vergangenen Monaten haben die Projektpartner, zu denen die Landespflegetrupps von CarMen gem.GmbH und Komm-Aktiv GmbH sowie Sven von Grapow und Peter Geisen gehören, unter anderem in mühevoller Handarbeit aus einem Meer von monotonem Gebüsch und Gestrüpp wieder ein vielfältiges Biotopmosaik aus freien Bereichen und Waldbeständen geschaffen. „Die Zippammer darf sich jetzt wieder über einen idealen Lebensraum freuen, denn sie benötigt offene Strukturen und freigestellte Trockenmauern. Diese sind darüber hinaus für Mauereidechsen, weitere Reptilien und Insekten von entscheidender Bedeutung“, berichtet Hilgers, der ebenso wie Referatsleiterin und Projektbetreuerin Tanja Stromberg den Hut vor der Leistung der Landschaftspfleger zieht. Denn die Arbeit hat den Projektpartnern in den steilen Hängen nicht nur enormen körperlichen Einsatz, sondern auch höchste Konzentration abverlangt, schließlich hatte Sicherheit stets oberste Priorität.
Unterstützung durch große Gerätschaften und Maschinen gab es aufgrund der Steillagen dabei nicht. Selbst die Fahrzeuge mit den Arbeitsmaterialen mussten weit unterhalb der bearbeiteten Flächen abgestellt werden, sodass den Arbeitern bereits der morgendliche Aufstieg mit geschulterten Motorsägen, Spitzhacken, Baumscheren und Freischneidern zu schaffen machte. Ob es nun darum ging, knochige Baumreste zu zerkleinern oder sperrige und artenarme Gebüschbestände zu entfernen, bei jedem Arbeitsschritt galt es im wahrsten Wortsinn Hand anzulegen. Kleingesägte Äste und Stämme mussten teilweise sogar direkt im Steilhang kontrolliert abgebrannt werden, da ein Abtransport ins Tal nicht möglich war. Bis auf den letzten Halm wurden die Flächen, die dem Land Rheinland-Pfalz gehören, bei der Aktion übrigens nicht zurückgeschnitten, erklärt der Biologe. So bleiben unter anderem Solitärbäume, wertvolle Waldflächen und kleinere Gebüsche erhalten. Gerade an freistehenden Schlehen legt beispielsweise der Segelfalter seine Eier ab.
„Damit Flora und Fauna gedeihen können und verschwundene Tier- und Pflanzenarten wiederkommen können, ist es aber essenziell, dass die Hänge auch in Zukunft offengehalten werden. Deshalb erfolgt die Nachpflege jährlich im Winterhalbjahr“, erläutert Jörg Hilgers, der die Maßnahmen auch durch ein Monitoring begleitet. Denn nur so kann festgestellt werden, wie sich beispielsweise die Bestände der Arten erholen und entwickeln.
Die erforderlichen Mittel stellt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz aus Mitteln der Ersatzzahlungen zu 100 Prozent bereit.

(Presseinfo des MYK-Kreises)

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