Der Zoo Neuwied freut sich über prominenten Zuwachs: Zwei weibliche Braune Klammeraffen sind aus dem Zoo Barcelona an den Rhein umgezogen. Die Tiere haben die Reise gut überstanden und wurden in den vergangenen Tagen behutsam an ihr neues Zuhause gewöhnt.
Kurz nach ihrer Ankunft begann die schrittweise Vergesellschaftung mit den beiden bereits in Neuwied lebenden Männchen. Für die Tiere bedeutete das zunächst vorsichtiges Kennenlernen – mit viel Beobachten, Beschnuppern und vorsichtigen Annäherungen.
Wichtiger Beitrag zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm
Die neue Gruppe ist Teil des Europäischen Ex-situ-Programms (EEP), das sich dem Erhalt der Braunen Klammeraffen widmet. Diese Art gehört zu den am stärksten bedrohten Affenarten weltweit, vor allem durch Lebensraumverlust und Jagd.
„Jede stabile Gruppenbildung ist ein wertvoller Beitrag zum Erhalt dieser außergewöhnlichen Primaten“, betont Maximilian Birkendorf, Kurator im Zoo Neuwied. Ziel ist es, eine gesunde, genetisch vielfältige Population in Zoos aufzubauen und langfristig zu erhalten.
Die Zusammenführung der Tiere verlief nach Angaben des Zoos sehr positiv: Die Gruppe zeigt inzwischen ein gefestigtes Sozialverhalten und bewegt sich harmonisch durch die Anlage. Kleinere Rangeleien zur Klärung der Rangordnung sind dabei völlig normal und können immer wieder auftreten.
Akrobaten mit „fünfter Hand“
Braune Klammeraffen sind echte Kletterprofis. Ihr schlanker Körperbau, die extrem langen Gliedmaßen und vor allem der kräftige Greifschwanz machen sie zu wahren Akrobaten in den Baumwipfeln. Der Schwanz fungiert dabei wie eine „fünfte Hand“, mit der sich die Tiere sicher an Ästen festhalten oder sogar daran hängen können.
Das Fell der Braunen Klammeraffen reicht von hell- bis dunkelbraun, während Kopf und Gliedmaßen häufig dunkler gefärbt sind. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum. Eine Besonderheit: Weibchen besitzen einen länglichen, röhrenförmigen Hautfortsatz im Genitalbereich, den sogenannten „Pseudopenis“. Dadurch lässt sich das Geschlecht auch für Besucherinnen und Besucher relativ leicht erkennen.
Harmonische Gruppe und erste Paarungen
Für die Tierpflegerinnen und Tierpfleger ist die Vergesellschaftung immer ein sensibler Moment. Im Fall der Neuwieder Klammeraffen kann Tierpflegerin Lena Weeser aus der Prinz Maximilian zu Wied Halle Entwarnung geben:
„Die Vergesellschaftung verlief harmonisch. Schon nach kurzer Zeit zeigten die Tiere ausgeprägtes Sozialverhalten – viel Körperkontakt, gemeinsames Ruhen und neugieriges Erkunden der Anlage“, berichtet sie.
Besonders erfreulich: Es wurden bereits erste Paarungen beobachtet. Das sei ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Tiere wohlfühlen und die neue Gruppenstruktur aktuell stabil ist. „Das gibt uns berechtigte Hoffnung auf langfristig erfolgreiche Nachzuchten“, so Weeser.
Artenschutz vor Ort und im Lebensraum
Der Zoo Neuwied engagiert sich nicht nur über das Zuchtprogramm für den Erhalt der Braunen Klammeraffen in Menschenobhut. Bereits zum dritten Mal in Folge unterstützt der Zoo über den Artenschutz-Euro auch ein In-situ-Projekt im natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Affen.
Damit folgt der Zoo dem „One-Plan-Approach“ der Weltnaturschutzunion IUCN: Schutzbemühungen in Zoos (ex situ) und im Lebensraum (in situ) werden bewusst miteinander verknüpft. So wird nicht nur die Art in Zoos stabilisiert, sondern auch ihr Lebensraum in der Natur langfristig gesichert.
Ein Blick in das Sozialleben der Klammeraffen
Mit der Erweiterung seiner Klammeraffengruppe stärkt der Zoo Neuwied die genetische Vielfalt innerhalb des internationalen Zuchtprogramms – und bietet gleichzeitig spannende Einblicke für Besucherinnen und Besucher.
Wer die Anlage besucht, kann mit etwas Glück beobachten, wie die Tiere sich gegenseitig putzen, miteinander spielen, in der Sonne ruhen oder mit beeindruckender Leichtigkeit durch ihre Kletterstruktur turnen. Die Neuzugänge aus Barcelona fügen sich dabei immer besser in die Gruppe ein und machen den Besuch bei den Klammeraffen zu einem besonderen Erlebnis.
