Auf solche Momente hofft man im Kinder- und Jugendsport möglichst bald wieder. (Foto: Archiv ToL)

Die Lage im Sport ist dramatisch

Die Kultur und der Breitensport sind die beiden gesellschaftlichen Bereiche, die wohl zu den größten Verlierern der weiterhin anhaltenden Corona-Pandemie zu zählen sind. Der Sportbund Rheinland (SBR) mit Sitz in Koblenz hat in einem Pressegespräch seine vorläufigen Zahlen vorgestellt, die vor allem auf einem Web-gestützten Informationsverfahren beruhen. Entwickelt wurde das Vereinsdashbord am Rhein-Ahr-Campus in Remagen, in dem der sportwissenschaftliche Bereich der Hochschule Koblenz beheimatet ist. Prof. Dr. Lutz Thieme und Sören Wallrodt haben die Daten- und Informationsplattform ins Leben gerufen, in die mittlerweile über 1300 Vereine aus ganz Rheinland-Pfalz ihre Mitgliederzahlen und -bewegungen eingetragen haben.

„Die Analyse der Zahlen für das Rheinland ist dramatisch“, bemerkten Monika Sauer, SBR-Präsidentin, und Geschäftsführer Martin Weinitschke übereinstimmend. „Wir haben rund 22.000 Mitglieder in den letzten 12 Monaten verloren, was 3,5% insgesamt bedeutet“, so Weinitschke. Damit liegt man zwar noch deutlich unter den in ersten Prognosen des Vorjahres genannten rund 10% und insgesamt im Bundestrend. Aber bei genauerer Betrachtung der einzelnen Altersstufen und Sportarten offenbart sich der Kern der Problematik. Gerade in den Sportarten mit intensiverem Körperkontakt wie der Kampfsport oder auch das Fechten betragen die Mitgliederverluste teils mehr als 20%. Nicht minder gilt das auch für den Schwimmsport und die DLRG, die schon jetzt eine wachsende Anzahl von Badeunfällen sowie Kinder und Jugendlichen ohne Schwimmerfahrungen für die nahe Zukunft vorhersagt. Insgesamt ist dieser Altersbereich besonders stark betroffen. In der Altersgruppe bis 6 Jahre beträgt der Rückgang der Mitgliederzahlen über alle Vereine gerechnet rund 18%, in der folgenden Gruppe zwischen 7 und 14 Jahren sind es über 8%. „60% unserer Vereine haben Mitglieder verloren“, konstatiert Martin Weinitschke. „Wenn auch etwa 30% immerhin geringe Zuwächse melden ist das Gesamtbild doch ziemlich deprimierend.“ Und eine Besserung sieht man im SBR in naher Zukunft nicht. Die jetzt vorliegenden Zahlen entsprechen den Mitgliederzahlen zum Jahresbeginn. Da sich inzwischen die Auswirkungen der Pandemie auf den Breitensport bereits über fünf Monate des Jahres 2021 hinziehen, könnten die aktuellen Negativzahlen bereits weiter angestiegen sein. „Wir blicken da doch mit wenig Optimismus in das Jahr 2022 hinein und es wird lange dauern, bis sich der Sport insgesamt von den ausbremsenden Maßnahmen erholen kann. Das gilt nicht nur für den Breitensport mit seinen Wirkungen im Bereich der Gesundheit, sondern sicher auch auf den zukünftigen Leistungssport, dem schon jetzt einige Talente und vor allem Trainingsmöglichkeiten verloren gegangen sind“, resümiert der SBR-Geschäftsführer.

Dennoch stellt man sich im SBR den kommenden Herausforderungen. Derzeit werden vor allem von der SBR-Sportjungend einige Projekte und Angebote geschaffen, um den Vereinen Hilfestellungen bei der Rückkehr zu einem „normalen“ Sportbetrieb zu leisten. Dazu gehören auch eine Anzahl an neuen Bewegungsangeboten vor allem für Kinder und Jugendliche, damit die Sportplätze und Areale auch außerhalb der sonst vereinsüblichen Aktivitäten und Übungszeiten für Sport und Bewegung genutzt werden können.

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