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Ein Held, der keiner sein will: Dieter Sesterheim treibt an der Ahr den Wiederaufbau voran

So wie auf diesem Sportplatz an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen sah und sieht es noch sehr häufig im Ahrtal aus (Foto: Privat).


In der größten Not werden Helden geboren. Aber Dieter Sesterheim (68) aus Adenau will kein Held sein. Wenn die Fußballvereine im Rhein-Ahr -Kreis, die ihn 2018 zu ihrem Vorsitzenden gewählt haben und die ihn dieses Jahr einstimmig in diesem Amt bestätigten, wenn diese Vereine am Ende sagen, er habe seine Pflicht getan, dann genügt ihm das. 

Als am 14.Juli 2021 die Flut über die Ahr hereinbrach, 134 Menschen ihr Leben verloren, eine komplette Infrastruktur verloren ging und eine Region ihre Seele und ihr Herz verlor, da war Dieter Sesterheim einer von vielen, die über sich hinauswuchsen. „Er  hat die Probleme der Fußballvereine, die natürlich nicht größer waren als die Gesamtschicksale der Menschen an der Ahr, zu seiner Sache gemacht. Die Art und Weise, wie er sich um die aktuellen Geschehnisse im Juli des Jahres und vor allem in den folgenden Monaten kümmerte, das ist etwas, wie ich es kaum jemals zuvor erlebt habe“, sagt Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland.

Aus dem eher zurückhaltenden Dieter Sesterheim vergangener Jahre ist in dieser Zeit ein Riese geworden. So als wolle er hinausschreien, warum diese schreckliche Flut das seinen Fußballvereinen angetan habe, so wirkt der kräftige Mann in diesen  Monaten.  „Vor allem die Situation, dass Kinder und Jugendliche plötzlich keinen Platz mehr zum Spielen hatten, war bedrückend. Nichts war mehr da, nicht einmal ein kleiner Flecken, auf dem man hätte Fußball spielen können, um ein wenig den Alltag zu vergessen“, schildert er die Tage des Juli 2021.

Aber die Vereine sind aufgestanden, so wie die Menschen überhaupt an der Ahr. Sie haben wieder Fußball gespielt, wenn auch auf anderen Plätzen, denn ihre eigenen gibt es nicht mehr. Das sei so wertvoll gewesen, nicht weil Fußballspielen wichtiger als der Rest des Lebens an der Ahr gewesen sei, erzählt Dieter Sesterheim. Aber es habe eben doch geholfen, wieder Ziele zu haben. Und dafür hat er gestritten und arbeitet er weiter, der Antiheld aus Adenau. Er und viele andere im Sport haben in der größten Not ihre größten Tugenden entdeckt.