Frank Busemann bei seinem virtuell gehaltenen Vortrag. mit dem er die Zuhörenden begeisterte. (Screenshot: SBR)

Sportabzeichen - Mach’s doch einfach!

Frank Busemann, 1975 in Dortmund geboren und noch immer dort mit seiner Familie lebend, würde man im Musikbusiness als „One-Hit-Wonder“ bezeichnen. Denn wenn man nach den großen sportlichen Erfolgen des ehemaligen Leichtathletik-Zehnkämpfers fragt, dann fällt vielen Sportfans eigentlich nur die olympische Silbermedaille der Spiele von 1996 in Atlanta ein. Das ein Jahr später bei der WM noch eine Bronzemedaille folgte und Busemann auch 2000 bei den Spielen in Sydney am Start war (Rang sieben am Ende) haben sicher nur die Experten auf dem Zettel. Und das er als Hürdenspezialist über die 110m in Atlanta sogar eine Zehnkampfbestzeit lief, die erst 2015 unterboten werden sollte, setzt ebenfalls ein großes Ausrufezeichen hinter die Karriere des vor allem von seinem Vater Franz Josef trainierten deutschen Sportler des Jahres 1996.

Das alles und noch einiges mehr erfuhren die gut 200 Zuhörer*innen, die sich zum Abschluss des SBR-Sportabzeichentages am frühen Abend virtuell eingeschaltet hatten in den 90-minütigen Vortrag, den Frank Busemann aus seinem Heimstudio heraus gutgelaunt und mit viel Engagement sowie Fachwissen hielt. Er war gerne der Einladung des SBR gerne gefolgt, zumal die Sparkasse Koblenz dankenswerterweise für die finanziellen Grundlagen des Abends sorgte und Frank Busemann selbst seinerzeit neben der sportlichen Karriere ein Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse in Dortmund absolviert hatte.

Vortrag wie ein Zehnkampf

All diese Trainings-, Wettkampf- und nicht zuletzt Lebenserfahrung ließ der ehemalige Top-Leichtathlet und jetzige Botschafter für das Sportabzeichen in seinen Vortrag einfließen. Der war chronologisch aufgebaut wie ein Zehnkampf und enthielt zahlreiche Erlebnisse und Erfahrungen, die Busemann im Laufe seiner Karriere machen konnte, teils auch musste. Da waren die körperliche Defizite in Kinderjahren, die er mit viel Geduld und Fleiß nach und nach behob, was ihm später gerade in den technischen Disziplinen den ein oder anderen kleinen Vorteil verschaffte. Da war die Herangehensweise an die Kraftteile des Zehnkampfes, bei denen der immer eher leichte und im Vergleich zu vielen seiner Konkurrenten in den 1990er-Jahren eher schmächtige Busemann eigene Trainingsformen entwickelte und technische Finessen etwa beim Kugelstoß einsetzte, die später sogar von Top-Kugelstoßern übernommen wurden. Als Essenz dieser Erfahrungen gab der sympathische Dortmunder nun seinen Zuhörern mit auf den Weg: „Verzagt nicht an euren Schwächen, sondern versucht eure Stärken zu nutzen, um damit die Grundlage für ein gutes Ergebnis zu legen.“

Auch Verletzungen und mentale Tiefpunkte erlebte Frank Busemann in seiner Karriere. Hieraus lernte er die an die Zuhörer*innen gegebene Empfehlung: „Nehmt die Situation an. Wenn eine Verletzung bestimmte Bewegungen und Trainingsformen nicht zulässt, dann sucht nach anderen Möglichkeiten, fit zu bleiben, um nach der Verletzung mit den Erfahrungen stärker zurückzukommen.“ Seinen eigenen mentalen Tiefpunkt erlebte der Zehnkämpfer in seiner Zitterdisziplin Diskuswurf bei den Spielen in Sydney. Schon lange vorher spukte die Angst vor dem Versagen in seinem Kopf herum und prompt lieferte er auch dann im Wettkampf die schlechteste Leistung ab, die nach seinen eigenen Angaben jemals mit der Diskusscheibe erzielt wurde. Seine Folgerung daraus: „Bau eine Siegermentalität auf, denkt nach vorne, baut Selbstzweifel ab. Dann mag man am Ende vielleicht nicht ganz vorne sein, aber man ist mit sich zufrieden, hat das bestmögliche an einem Wettkampftag herausgeholt und kann sich so wie ich in Atlanta auch über einen zweiten Platz wie ein Sieger freuen.“

Aufgeben gibt es nicht!

Für die Herangehensweise an das Sportabzeichen hatte Frank Busemann die folgenden Empfehlungen parat: „Geht mutig an die Sache ran und glaubt an den Erfolg. Der nötige Einsatz strengt an und schmerzt, wie ich es immer auf der Streckenmitte beim 400-Meter-Lauf empfunden habe. Aber ich habe durchgehalten und bin über die Ziellinie gelaufen. Der Erfolg bleibt am Ende, das ist auch das, was den Weg zum Sportabzeichen ausmacht, worauf man hintrainieren sollte. Ein Aufgeben gibt es nicht oder nur dann, wenn die eigene Gesundheit gefährdet ist.“ Das man nicht in allen Disziplinen gut sein kann,  hat Busemann bei seinen vielen Zehnkämpfen über die Jahre seiner Karriere oft erfahren. Das ist mit den Bedingungen für das Sportabzeichen nahezu gleichzusetzen und die Schilderungen des heutigen Mentaltrainers seiner eigenen Erfahrungen und die Tipps, die er zahlreich in seinem kurzweiligen, teils auch mit humoriger Selbstironie gespicktem, vor allem aber von großem Fachwissen geprägten Vortrag rüberbrachte, waren für alle Zuhörer*innen mehr als wertvoll.

Am Ende ging der Dank des SBR-Geschäftsführer Martin Weinitschke und von Moderator Alexander Smirnow zu recht in Richtung Dortmund an Frank Busemann und auch an die Sparkasse Koblenz, die mit ihrem Engagement erst den prominenten und mehr als gelungenen Abschluss des diesjährigen SBR-Sportabzeichentag möglich gemacht hatte. Da konnte es auch SBR-Präsidentin Monika Sauer verschmerzen, dass ihr vorbereitetes Grußwort an den Referenten und die Zuhörerschaft diesmal aus technischen Gründen leider ausfallen musste.

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