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VC 77 Neuwied scheitert im Pokal und macht Fortschritte

Freude über den Satzgewinn: Alexis Conaway, Maddy Halteman, Rachel Anderson, Anna Church, Sarah Kamarah.


Mit 3:1 Sätzen (25:20, 19:25, 16:25, 17:25) unterlagen die Deichstadtvolleys dem VfB Suhl LOTTO Thüringen, boten ihrem Publikum aber einen unterhaltsamen Volleyballabend. 

Wie schon in der Vorwoche beim Südwestderby in Wiesbaden, waren die Trainingsvorausetzungen für die Schützlinge von Cheftrainer Dirk Groß nicht sonderlich günstig: Wieder legte die Herbsterkältung diesmal den anderen Teil der Mannschaft lahm , wieder konnte nur mit Notbesetzung trainiert werden, Lexi Pollard und Tina Simic waren nicht einsatzfähig, Regionalligaspielerin Senta Barke komplettierte wieder den Kader und kam so zu ihrem ersten Einsatz im Bundesligateam.

Schon der erste Ballwechsel deutete an, was die gut 200 Zuschauer erwarteten sollte. Es kam gleich zu einem langen Ballwechsel, Neuwied glänzte mit Maike Henning in der Abwehr, Sarah Kamarah erzielte schließlich den ersten Punkt für Neuwied und motivierte ihr Publikum, das einer lange spannenden Partie begeistert folgte. Neuwied kämpfte und spielte variabel und auf Augenhöhe mit, Suhl war an Erfahrung und Körpergröße überlegen und lag zur ersten technischen Auszeit mit 8:6 vorne. 

Dann folgte die wahrscheinlich stärkste Phase der Gastgeberinnen: Stellerin Maddy Halteman punktete mit einem frechen Trick und führte dann variabel Regie. Alexis Conaway setzte sich ein ums andere Mal auf der Außenposition oder mit Hinterfeldangriffen durch, in einer abwehrstarken Mannschaft kratzte Maike Henning, später zur stärksten Neuwieder Spielerin gewählt, etliche Bälle vom Boden auf und sorgte mit wohltemperierten Angriffen für Punkte. Neuwied ging erstmals in Führung und Suhls Trainer Hollosy musste beim 12:10 seine erste taktische Auszeit nehmen. Neuwied hatte den Satz gedreht und die Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Die Deichstadtvolleys gaben diese Führung nicht mehr ab. Rachel Anderson und Haile Watson konnten dazu einige Blockpunkte beisteuern und erstmals in dieser Saison war Neuwied in der Crunchtime eines Satzes nervenstärker. Der wohl bisher stärkste Satz endete mit 25:20 für den Erstliganeuling.

Auch im 2. Durchgang behielt Dirk Groß die Aufstellung des Tages bei: Madelyn Halteman spielte zu, die rekonvaleszente Sarah Kamarah musste auf dem Feld bleiben, Alexis Conaway und Maike Henning hatten im Außenangriff überzeugt. Wieder verlief der Satz ausgeglichen, Neuwied und sein Publikum kämpften weiter.„Neuwied hat uns im ersten Teil des Spiels stark unter Druck gesetzt und sehr verunsichert“, gab Laszlo Hollósy nach dem Spiel zu. „Wir haben einige Zeit gebraucht, um uns in der Abwehr auf ihr Spiel einzustellen, was uns aber dann auch gelungen ist“.

Gleichzeitig aber machte sich auf Neuwieder Seite, insbesondere bei den unter der Woche Kranken, der Kräfteverschleiß bemerkbar. Alles wurde etwas ungenauer, die Neuwieder Angriffe durchschaubarer, die großen thüringischen Angreiferinnen kamen immer besser ins Spiel und mit humorlos präzisen Angriffen zum Erfolg. So verdiente sich Danielle Harbin schließlich die Nominierung zur Spielerin des Tages. Suhl übernahm das Zepter, lag 16:12 vorne, Neuwied kämpfe sich mit Publikumsunterstützung wieder auf 19:20 heran, es schien wieder einiges möglich, doch Suhl ließ in der Endphase des Satzes nichts mehr anbrennen und erreichte mit 25:19 den Ausgleich nach Sätzen.

Der Rest der Partie ist schnell erzählt: Was sich im zweiten Satz angedeutet hatte, setzte sich fort. Neuwied spielte weiter mit und hielt den Satz zu Beginn in der Waage, geriet dann aber nach und nach in Rückstand. Dirk Groß versuchte es mit einigen Spielerwechseln, vor allem um die zunehmend erschöpfte Sarah Kamarah, konnte aber keine Wende mehr herbeiführen, Suhl war nach dem 16:25 eindeutig auf der Siegerstraße. Aber auch im 4. Durchgang steckte Neuwied nicht auf. Bis zum 12:12 ging es hin und her, Neuwied hatte mit einigen Blockaktionen Erfolg, Suhl über die Außenpositionen, knappe Linienentscheidungen provozierten Diskussionen und es bedurfte des Durchgreifens der Reférée Witte, um die aufkommende Hektik zu dämpfen, schließlich zog Suhl nach dem 25:17 verdient in die nächste Pokalrunde ein.

Dies war es auch, was nach durchwachsenem Spiel für Hollósy zählte. „Mit Hilfe unserer mitgereisten Fans haben wir gewonnen, was am wichtigsten ist“. Für seinen Neuwieder Kollegen Dirk Groß war der Lernfortschritt seiner Schülerinnen augenfällig. „Wir haben zwei Sätze lang sehr gut gespielt und unseren Fans ein tolles Spiel abgeliefert. Dann aber haben wir den Faden verloren. Das liegt natürlich auch daran, dass wir in der Woche bis zum Freitag sehr viele Kranke hatten. Trotzdem sind wir in unserer Entwicklung auf die 1.Liga hin noch ganz am Anfang“. 

Auch die fairen und engagierten Thüringer Fans, die den Weg an den Rhein nicht gescheut hatten, fanden lobende Worte. Neuwied sei viel stärker gewesen als Ergebnisse und Tabellenplatz hätten vermuten lassen: „Ein bisschen mehr Konstanz und Erfahrung, dann werden sich noch einige in der Liga umsehen …“