Sonys inoffizielles Techdemo-Maskottchen ist bereit für sein erstes großes 3D-Hüpfabenteuer: Ob Astro Bot mit einem kunderbunten Jump’n’Run voller kreativer Ideen in der gleichen Liga mitspielen kann wie Nintendos Plattformer-Ikonen? Der Test liefert die Antwort!

 Name: Astro Bot
Genre: Plattformer
Entwickler: Team Asobi 
Publisher: Sony Interactive Entertainment
Plattform: PlayStation 5 (getestet)
Veröffentlichung: 06.09.2024
Preis: 69,99 Euro

Story? Nebensache!
 

Man kennt es von all den Hüpf-Ikonen wie Super Mario, Donkey Kong Country, Sonic The Hedgehog, Crash Bandicoot, Rayman & Co: Hintergrundgeschichten in Jump’n’Runs beschränken sich meist auf entführte Prinzessinnen, gestohlene Gegenstände mit großer Macht sowie durchgeknallte Bösewichte, die nur Chaos stiften wollen oder gar die Vernichtung der Welt im Sinn haben. Und auch bei Astro Bot verkommt die Story schnell zur Nebensache, wenn das erschreckend generisch designte Alien Nebulax im Intro das Raumschiff der Astro Bots attackiert und zum Absturz bringt, während die 300-köpfige Crew voller knuffiger Roboter in fünf Galaxien verstreut wird. Mehr braucht es nicht, denn die Mission ist klar: Als letzter handlungsfähiger Astro Bot muss man alle verschollenen Kameraden suchen, finden und retten. Gleichzeitig gilt es, all die verlorenen Komponenten aufzuspüren, um das PS5-Wrack wieder flott zu machen und Nebulax in die Schranken zu weisen.


Kreative Reise durch das Platformer-Genre


Und so viel sei gesagt: Der Weg zur finalen Konfrontation ist eine herrlich kreative Reise, auf der sowohl das Genre der Plattformer als auch die 30-jährige Geschichte von Sonys PlayStation auf großartige Art und Weise gefeiert wird. Freilich wird das Rad nicht neu erfunden, aber Team Asobi orientiert sich bei Astro Bot ganz klar an den ganz großen Jump’n’Run-Klassikern und präsentiert einen gelungenen Remix der besten Hüpf-Zutaten, der es in sich hat! Immer wieder überrascht der Spielverlauf mit frischen Mechaniken oder Fähigkeiten – sei es ein VR-Headset zum kurzen Anhalten der Zeit, die Verwandlung in einen Morph-Ball á la Samus Aran aus Metroid Prime oder mechanische Box-Handschuhe an Sprungfedern, mit denen man nicht nur Gegner vermöbeln, sondern auch Wände einreißen kann. Es ist unglaublich, was die Entwickler hier alles an Ideen und Überraschungen auffahren! Ein ähnliches Kunststück gelang Nintendo erst im vergangenen Jahr mit Super Mario Bros Wonder. Astro Bot wirkt dabei wie der 3D-Cousin aus dem Sony-Lager und fackelt nicht nur ein ähnlich beeindruckendes Kreativ-Feuerwerk ab, sondern begeistert mit clever designten sowie abwechslungsreich gestalteten Levels, fairen Checkpunkten, fantastischen Bosskämpfen und nicht zuletzt einer präzisen Steuerung.


DualSense in Bestform


Apropos Steuerung: Wie schon bei der kostenlosen Techdemo Astro’s Playroom zeigt Team Asobi einmal mehr, was man aus dem DualSense-Controller alles herausholen kann, wenn man sich die Mühe macht. Angefangen bei den haptischen Triggern über den Lautsprecher bis hin zum Mikrofon und den Gyro-Sensoren werden quasi alle Sonderfunktionen sinnvoll, cool und spaßig in das Abenteuer eingebunden. So spürt man u.a. die unterschiedlichen Bodenbeläge, pustet ins Mikrofon oder dirigiert den Gleiter (in der Form des DualSense-Controllers) mit Hilfe der Bewegungssteuerung ans Ziel - einfach klasse!     


Von Ape Escape bis Metal Gear


Wie erwähnt besteht die Hauptaufgabe darin, die verstreuten (und oft gut versteckten) Bots zu retten und Ersatzteile für das Schiff zu besorgen. Neben ganz normalen Astro Bots hat Team Asobi auch zahlreiche besondere Exemplare ins Spiel gepackt, die an große und beliebte Titel aus der 30-jährigen PlayStation-Historie angelehnt sind. Neben den hauseigenen Blockbustern wie God of War, Last of Us oder Uncharted findet man auch putzige Astro Bots, die Figuren aus bekannten Spielen von Drittherstellern abbilden, darunter u.a. Metal Gear Solid, Okami oder Resident Evil. Alle geretteten Bots sammeln sich an der Absturzstelle. Dort werden sie nicht nur zur Reparatur eingespannt, sondern ermöglichen in bester Pikmin-Manier auch den Zugang zu weiteren Arealen, sofern die dafür nötige Mindestanzahl an Helferlein zur Verfügung steht. Ein Knopfdruck reicht und schon rückt die Truppe an, um z.B. mit ihren Körpern eine Brücke über einen Abgrund zu bauen oder einen schweren Käfig anzuheben. 

Keine Sorge: Sollte man beim ersten Durchlauf nicht alle versteckten Bots finden, lassen sich bei der Rückkehr zum Level die eingesammelten PlayStation-Münzen in einen tierischen Begleiter investieren, der zunehmend wild Alarm schlägt, wenn man sich einem zuvor übersehenen Objekt nähert. Manchmal geht man mit der Verneigung vor anderen Serien sogar noch ein Stückchen weiter. So zum Beispiel bei der altehrwürdigen Spielereihe Ape Escape: In manchen Abschnitten greift man selbst zum Fangnetz und geht wieder auf Affenjagd wie in den guten, alten Zeiten auf der ersten PlayStation-Konsole. In Astro Bot verschmelzen Nostalgie, die Liebe zum Medium Videospiel und technisches Know-How der Entwickler zu einem grandiosen Ganzen!  


Kleine Wermutstropfen


Schade nur, dass man im Gegensatz zu anderen empfehlenswerten Plattformern wie Sackboy: A Big Adventure, Yoshi’s Woolly World oder eben Super Mario Bros Wonder bei Astro Bot nicht kooperativ losziehen kann. Trotz zahlreicher Checkpunkte und dem überwiegend eher niedrig angesetzten Schwierigkeitsgrad kann es in manchen etwas chaotischen Situationen zudem nerven, dass schon ein einziger Treffer oder eine einzige Berührung mit einem Gegner zum sofortigen Bildschirmtod führt. Vielleicht hätte man Astro Bot wie bei den Bosskämpfen generell drei Lebenspunkte spendieren sollen. Und wo der Spielverlauf auf der einen Seite immer wieder mit frischen Ideen punktet, ernüchtert er auf der anderen Seite mit Gegnern, die vielleicht einen Tick zu häufig durch den Recyclingwolf gedreht wurden – vor allem, wenn man bereits Astro’s Playroom kennt. Außerdem sind die Level immer nur passgeneu für den Einsatz einer einzigen Spezialfähigkeit konzipiert - man kann also nicht während des Levels zwischen ihnen wechseln und ist entsprechend auch nicht gezwungen, sie zu kombinieren. Aber das sind alles Peanuts, die man bei diesem wilden, abgedrehten, kreativen, bunten und liebevoll inszenierten Trip schnell vergisst und sich stattdessen mit einem breiten Grinsen in den nächsten Abschnitt stürzt, um dort mit Sicherheit eine weitere spaßige Überraschung zu erleben. Nur eine Sache schmerzt wirklich: Nach dem exzellenten Astro Bot: Rescue Mission hätte ich mir auch für dieses erste ganz große Hüpf-Abenteuer des putzigen Roboters eine Unterstützung von PSVR 2 gewünscht - denn genau solche Hits braucht das Headset von Sony dringender denn je.

Fazit:
 

Was ist Astro Bot denn bitte für ein unfassbar geiler Plattformer geworden? Meine Erwartungen waren nach dem großartigen VR-Hüpfer Astro Bot Rescue Missionen und der kostenlosen PS5-Techdemo Astro’s Playroom schon sehr hoch, aber Sony und Team Asobi haben sie mit diesem kreativen Ideen-Feuerwerk, der wunderbar präzisen Steuerung, der fulminanten audiovisuellen Präsentation und nicht zuletzt dem umwerfenden Charme deutlich übertroffen! Und um die eingehende Frage zu beantworten: Astro Bot spielt für mich damit eindeutig in der gleichen Liga wie die Hüpf-Meisterwerke von Nintendo, allen voran Super Mario, der im letzten Jahr mit dem ausgezeichneten Super Mario Bros. Wonder gezeigt hat, dass er noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Die Chancen stehen gut, dass auch Astro Bot in der Ruhmeshalle der besten Plattformer seinen Platz findet...

 Worum geht’s?

Astro Bot ist der Nachfolger von Astro´s Playroom, das zum Start der PlayStation 5 im Jahr 2020 kostenlos auf jeder Konsole vorinstalliert wurde. Im jüngsten Abenteuer des putigen Roboters haben die Entwickler vom Team Asobi viele der bewährten Mechaniken übernommen, sich aber auch viele coole Neuerungen einfallen lassen. Eindrucksvoll demonstriert werden einmal mehr die Features des Dualsense-Controllers. Das Ziel besteht darin, alle verschollenen Roboter-Kameraden zu retten, die nach dem Absturz des Mutterschiffs (ins PS5-Form!) in den mitunter weitläufigen, bunten, abwechslungsreichen und clever designten Levels verstreut sind. Doch dieses Mal ist alles größer, umfangreicher und mit noch mehr kreativen Ideen angereichert als zuvor. Heraus kommt ein PlayStation-exklusives Jump’n’Run-Erlebnis der Extraklasse, das in einer ähnlichen Liga spielt wie der Hüpfkönig Super Mario.
          

Astro Bot ist geeignet für Spieler, die...

    • kreative & abwechslungsreiche Plattformer lieben
    • coole DualSense-Features feiern
    • auf der Suche nach guter Laune sind

Astro Bot ist weniger geeignet für Spieler, die...

    • Astro´s Playroom doof fanden (warum auch immer)
    • Probleme mit der Hand-Auge-Koordination haben
    • gemeinsam mit Freunden hüpfen wollen

Alternativen: Astro´s Playroom, Sackboy: A Big Adventure, Super Mario Bros. Wonder