EA Sports und Codemasters präsentieren mit F1 24 schon früh in der laufenden Saison das jährliche Update der Rennspielserie. Wie der Karriere frische Impulse verliehen und das Spielerlebnis noch mehr mit der Realität verzahnt werden soll, erklärt der Test.

 Name: F1 24
Genre: Rennspiel
Entwickler: Codemasters 
Publisher: Electronic Arts / EA Sports
Plattform: PC (getestet), PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Xbox Series X|S
Veröffentlichung: 31.05.2024
Preis: ab 69,99 Euro

Mit einer überarbeiteten Fahrphysik und einer neuen Variante des Karrieremodus wollen Codemasters und EA Sports in F1 24 für frischen Wind sorgen. Lohnt sich das diesjährige Update der Rennspielreihe? Die Antwort gibt’s im Test!
 

Jährlich grüßt das Murmeltier
 

Wie so oft bei jährlichen Fortsetzungen sind auch bei F1 24 viele Spielmodi und Inhalte aus den Vorgängern bekannt: Vom Einzelrennen über das Zeitfahren bis hin zum umfangreichen Karrieremodus und Onlineduellen mit bis zu 22 Spielern wird wieder ein ordentliches Inhaltspaket geschnürt, um Formel-Eins-Fans für viele, viele Stunden am PC oder an der Konsole zu beschäftigen. Ebenfalls wieder mit dabei ist die F1 World, in der erneut die Verbesserung des eigenen F1-World-Boliden und von Teammitgliedern im Mittelpunkt stehen, die sich beide mit zig freischaltbaren Items verschiedener Seltenheitsstufen kontinuierlich aufmotzen lassen und dank gewonnerer „Ressourcen“ sogar Crafting möglich ist. Diesen völlig inflationären Loot- und Ressourcen-Overkill empfand ich bereits im Vorgängern als ziemlich albern und auch in F1 24 kann ich diesem Designkonzept nicht viel abgewinnen. Gleiches gilt für den „Social-Faktor“, durch den in den Serien-Rennen im Rahmen der F1 World die realen F1-Fahrer durch Avatare von realen Menschen aus der eigenen Freundesliste im Cockpit ersetzt werden – und das selbst dann, wenn sie das Spiel selbst gar nicht besitzen oder privat einen riesigen Bogen um Rennspiele machen würden. Als nettes Bindeglied zur echten Formel Eins darf man jetzt neuerdings Fan-Räumen für seinen Lieblingsfahrer und Lieblingsteam beitreten. Zudem darf man vor jedem Wochenende in der Realität bei zwei vorgegebenen Antwortmöglichkeiten einen Tipp abgeben. Liegt man richtig, erhält man als Belohnung wieder irgendeinen Ressourcen-Firlefanz.
 

KI bleibt im Aggro-Modus


Trotzdem gut, dass man die F1 World und auch den Podium-Pass mit freischaltbarem Kosmetik-Müll samt Mikrotransaktionen im Prinzip komplett ignorieren und sich stattdessen den normalen Spielmodi widmen kann. Dort kämpft man u.a. im Zeitfahren um Platzierungen auf den Online-Ranglisten, stellt sich einen eigenen Meisterschaftskalender zusammen oder liefert sich Positionsduelle in Onlinerennen inklusive Einstufungssystem, das faire Piloten von den Pistenrowdies trennt. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass sich auch die KI-Piloten, die sich in 110 Stufen einstellen lassen, nicht wie Gentlemen agieren, sondern teilweise leider immer noch übertrieben aggressiv zu Werke gehen und dabei Unfälle provozieren.

Zur Not greift man auf die optionale Rückspulfunktion zurück, um solche Frustmomente wieder rückgängig zu machen. Überhaupt liefert das Spiel erneut eine Fülle an Optionen, um das Erlebnis den eigenen Vorlieben anzupassen – sei es bei Fahrhilfen, Rennlänge, Schadensmodell, Regelwerk, Wochenendstruktur, Tageszeit oder Wetter. Zwar fällt es teilweise schwer, sich durch diesen Dschungel an Menüs zu kämpfen, aber bei all den Einstellungsmöglichkeiten bleiben dafür kaum Wünsche offen. 
 

Karriere mit frischen Impulsen


Die umfangreiche Karriere der F1-Spiele mit ihrer guten Mischung aus Fahren, Trainingsprogrammen sowie motivierender Team- und Fahrzeugentwicklung gehört schon seit Jahren zum Besten, was man im Rennspiel-Genre finden kann. Kein Wunder also, dass das Konzept und auch die Koop-Option für F1 24 beibehalten werden. Allerdings stellt sich seit geraumer Zeit ein gewisser Abnutzungsfaktor ein, denn neue Impulse gab es zuletzt nicht mehr. Dem wollen die Entwickler vor allem mit einer zusätzlichen Variante mit dem Namen „Fahrer-Karriere“ entgegenwirken. Zwar finden sich dort viele Elemente aus der normalen Karriere, aber zusätzlich wird die Weiterentwicklung des Piloten stärker in den Vordergrund gerückt. Wie ein Rollenspiel-Charakter oder Kicker in FIFA-Spielen verfügt jeder Fahrer über numerische Werte in den Kategorien Erfahrung, Rennkunst, Aufmerksamkeit, Tempo und Konzentration, die sich mit entsprechenden Leistungen verbessern oder verschlechtern und damit auch die Gesamtwertung des Piloten beeinflussen. Darüber hinaus gibt es hier eine Reihe von Spezialisten aus verschiedenen Abteilungen, die sich ebenfalls aufleveln lassen, sollte man ihre gestellten Herausforderungen meistern. Ganz cool sind die dynamisch eingestreuten Aufgaben während des Renngeschehens, bei denen man z.B. am Funk dazu aufgefordert wird, in den nächsten Umläufen eine vorgegebene Rundenzeit zu unterbieten. 

Einen vollwertigen Story-Modus bzw. die Fortsetzung von Braking Point gibt es in diesem Jahr zwar nicht, doch finden sich innerhalb Fahrer-Karriere immerhin einige Zwischensequenzen mit den Star-Piloten, die in den Dialogen jedoch stumm bleiben. Immerhin hört man jetzt aber reale Sprachsamples der Fahrer beim Überqueren der Ziellinie – ein nettes Feature, das sich Codemasters beim F1 Manager von Frontier Developments abgeschaut hat. 

So schön es sein mag, dass Codemasters mit der Fahrer-Karriere etwas frischen Wind in die Reihe bringen möchte, so sehr kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn Rennspiele immer mehr zu reinen Auflevel-Orgien verkommen! Wenn die Entwickler doch so sehr auf diesen überflüssigen Kram stehen, dann möchten sie doch bitte ein Rollenspiel programmieren und das Racing-Genre von diesen Designansätzen verschonen. Ähnlich verhält es sich mit der ebenfalls neuen Herausforderungs-Karriere, die das RPG-lastige Grundgerüst der Fahrer-Karriere übernimmt, aber um eine Online-Komponente samt Zeitdruck erweitert. Denn hier starten alle Teilnehmer mit einem vorgegebenen Piloten und Kalender und müssen im Rahmen eines festgelegten Zeitraums die vorgegebenen Events absolvieren. Und obwohl man auch hier nur gegen KI-Gegner fährt, werden die Ergebnisse in einer Online-Bestenliste festgehalten und mit den Leistungen der anderen Spieler verglichen. Kann man machen, muss man aber nicht.
 

Fahrphysik nicht in Stein gemeißelt


Zum Release fühlte sich das Fahren völlig anders an als im Vorgänger: Die Boliden besaßen extrem viel Bodenhaftung und die Lenkeingaben wurden erfreulich reaktionsschnell und damit sehr direkt umgesetzt. Im Vergleich zum Vorgänger hatte man die ultraleichten PS-Monster daher deutlich besser im Griff und das Fahren fühlte sich entsprechend selbst ohne Hilfen mehr nach einem Arcade-Racer an und weniger wie eine herausfordernde Simulation. Zusammen mit einem Exploit bei schnellen Lenkbewegungen sorgte genau das für kontroverse Diskussionen innerhalb der Fan-Community. Insbesondere professionelle Spieler aus dem E-Sport-Bereich trugen ihren Unmut über die Fahrphysik lautstark vor und brachten Codemasters mit ihrer Kritik dazu, schnell das Fahrverhalten mit einem neuen Patch anzupassen. Die Folge: Mittlerweile fühlt sich F1 24 mit seinem stärkeren Hang zum Untersteuern sowie nicht immer nachvollziehbaren Drehern wieder mehr an wie eine Mischung aus F1 22 und F1 23. Ob es wirklich eine so gute Idee war, die Fahrphysik kurz nach dem Release bereits so stark umzukrempeln? Fakt ist, dass die Fahrphysik von F1 24 zum Start vielleicht zugänglicher war, sich aber nicht schlecht angefühlt hat! Die aktuelle Momentaufnahme empfinde ich daher eher als Rückschritt und es spricht Bände, dass es zumindest am PC bereits eine Fan-Modifikation gibt, die die Original-Fahrphysik wieder herstellt. Klar ist, dass auch das aktuelle Fahrmodell sicher noch nicht in Stein gemeißelt ist und in die Entwickler auch in Zukunft noch mit kommenden Patches Anpassungen daran vornehmen werden.     


Stagnation im Bereich Technik


Würden die Flitzer nicht mit den aktuellen Lackierungen aufwarten, würde man grafisch vermutlich keinen großen Unterschied zum Vorgänger bemerken. Nur beim Betrachten der besseren Fahrermodelle springt ein leichter Fortschritt an der Technik-Front ins Auge, aber sonst bleibt alles beim Alten. Schön ist, dass man zumindest am PC auch wieder in VR ins Cockpit steigen darf und neben den Online-Rennen auch lokale Duelle am geteilten Bildschirm oder sogar im LAN ermöglicht werden. Die Nachwuchsserie F2 ist ebenfalls wieder eine nette Dreingabe, doch muss man sich zunächst wieder mit den Daten aus dem Vorjahr begnügen und auf den Patch im Herbst warten, der die Fahrer und Teams der Formel 2 für die Saison 2024 enthält.


Fazit:


Auch wenn ich das Streichen des Story-Modus zugunsten der neuen und viel zu rollenspiellastigen Fahrer- und Herausforderungskarriere für einen extrem schlechten Tausch halte, ist F1 24 grundsätzlich eine ordentliche Fortsetzung, deren größter Pluspunkt aber in der aktuellen Lizenz liegt. Denn ansonsten halten sich die Fortschritte in Grenzen, sofern man kein Auflevel-, Loot- und Belohnungsfanatiker ist, sondern das Fahrerlebnis in den Mittelpunkt stellt – wie es bei einem Rennspiel eigentlich üblich sein sollte. Leider verderben die letzten, recht starken Änderungen an der Fahrphysik aktuell eher den Fahr- und Spielspaß anstatt ihn zu fördern und es ist fraglich, wie sich dieses zentrale Thema in Zukunft weiterentwickeln wird.

 Worum geht’s?

In F1 24 dreht sich alles um die Königsklasse des Motorsports – und das mit aktuellen Lizenzen zu Fahrern, Teams und Strecken. Geboten wird erneut ein großes Inhaltspaket: Von umfangreichen Karrieremodi mit frischen Impulsen über Einzel- und Mehrspielerrennen bis hin zum Zeitfahren mit Online-Bestenlisten ist fast alles dabei, was sich der Racing-Fan wünscht, nur einen Story-Modus gibt es in diesem Jahr nicht. Dafür wurde und wird die Fahrphysik stark überarbeitet und auch die Nachwuchsserie Formel 2 ist wieder mit am Start – zunächst wie immer mit den Daten aus der letztjährigen Saison.   
          

F1 24 ist geeignet für Spieler, die...

    • wieder mit der aktuellen Lizenz auf die Rennpisten wollen
    • ein Faible für Rollenspielelemente haben
    • gelassen auf aggressive Gegner reagieren

F1 24 ist weniger geeignet für Spieler, die...

    • keine Lust auf Aufleveln und Freischaltorgien haben
    • einen großen Technik-Schub erwarten
    • unbedingt wieder einen Story-Modus wollen

Alternativen: F1 23, Le Mans Ultimate, Gran Turismo 7