Mit F1 23 präsentieren EA Sports und Codemasters das jährliche Update zur Rennspielreihe rund um die Königsklasse des Motorsports. Welche Änderungen haben die Entwickler vorgenommen? Wir haben auf PC und Konsole Gas gegeben.

 Name: F1 23 
Genre: Rennspiel
Entwickler: Codemasters
Publisher: Electronic Arts
Plattform: PC (getestet), PlayStation 4, PlayStation 5 (getestet), Xbox One, Xbox Series X|S
Veröffentlichung: 15.06.2023
Preis: zwischen 41,99 und 99,99 Euro

Während Max Verstappen mit Red Bull scheinbar problemlos seinem dritten WM-Titel entgegen fährt, haben Codemasters und EA Sports mit F1 23 das offizielle Rennspiel zur aktuellen Saison veröffentlicht und dabei nicht nur die Fahrphysik, sondern auch manche Spielmodi gehörig umgekrempelt. Aber können die Änderungen auch im Test überzeugen?

Braking Point gibt wieder Vollgas

Gute Nachricht für alle, die im letzten Jahr den Story-Modus vermisst haben: Mit Braking Point 2 liefert Codemasters endlich die Fortsetzung der Geschichte von Aiden Jackson und dessen nervigem Rivalen Devon Butler, die sich mittlerweile als Teamkollegen miteinander rumschlagen müssen und dabei ihre Rivalität voll ausleben. Zwischen den Renn-Häppchen, in denen man meist nur innerhalb weniger Runden eine vorgegebene Position erreichen muss, warten erneut aufwändig produzierte Filmsequenzen im Stil der Netflix-Doku Drive To Survive, inklusive überraschender Wendungen, aber auch einigen peinlichen Fremdschäm-Momenten. Trotzdem ist der Modus wie schon bei F1 2021 eine willkommene Ergänzung und liefert 7-8 Stunden kurzweilige Unterhaltung abseits der üblichen Einsätze im F1-Cockpit.

Überarbeitete Fahrphysik

Den größten Pluspunkt verbucht F1 23 bei der Fahrphysik, die von Codemasters genau an den richtigen Stellen überarbeitet wurde: Sorgten im Vorgänger der plötzliche Verlust der Bodenhaftung, die fatalen Randsteine und das viel zu niedrige Grip-Niveau in langsamen Kurven für Frust, hat man die Boliden in diesem Jahr sowohl mit Controller als auch Lenkrad deutlich besser im Griff und das Fahrverhalten wirkt nicht mehr so unberechenbar, erfordert ohne Hilfen und vor allem bei Regen immer noch viel Feingefühl an Gas und Bremse. Das haptische Feedback des DualSense-Controllers liefert dabei gelungene Rückmeldungen während der Fahrt und wenn man sich ans Limit bewegt, aber ein gutes Lenkrad erlaubt weiterhin einen präziseren Umgang mit den Flitzern.

Starke Karriere stagniert

Seit einigen Jahren setzen die Entwickler auf eine clever konzipierte Karriere, die mit ihrer Mischung aus Rennenfahren, Fahrzeug-Entwicklung sowie Team-Management enorm viel Umfang und Spielspaß bietet. Vor allem für Kenner der Spielereihe machen sich jedoch zunehmend Ermüdungserscheinungen bemerkbar, denn im Prinzip bekommt man hier das Gleiche geboten wie im letzten Jahr und schon dort hielten sich Änderungen im Vergleich zum Vorgänger bereits in Grenzen. Der größte Fortschritt besteht darin, die Koop-Karriere jetzt auch plattformübergreifend angehen zu können – genau wie man in F1 23 im Gegensatz zum Vorgänger jetzt auch alle anderen Mehrspieler-Modi gemeinsam auf PC, PlayStation und Xbox spielen darf. Dazu gibt es plattformübergreifende Bestenlisten und auch die Nachwuchsserie F2 ist wieder mit am Start, derzeit allerdings nur mit Fahrern und Teams der vergangenen Saison, bis ein kostenloses Update mit den aktuellen Daten nachgereicht wird. In der F1 warten dagegen alle Teams, Fahrer und Strecken aus der laufenden Saison, inklusive des spektakulären Neuzugangs mit dem Stadtkurs in Las Vegas. 

Die Welt der Formel Eins

Die meisten anderen Modi werden jetzt unter dem Menüpunkt F1 World zusammengefasst, darunter das Zeitfahren, komplett anpassbare Rennwochenenden vom Einzelrennen bis zur kompletten Meisterschaft und auch die Mehrspieler-Events vom Ranglistenspiel über Duelle am geteilten Bildschirm bis zur privaten Lobby oder LAN. Neben den offiziellen Boliden erhält man außerdem ein separates F1-World-Auto, das man mit gewonnenen Teilen oder der Cash-Währung kontinuierlich verbessern darf. Nach jeden Rennen erhält man sowohl Erfahrungspunkte für Levelaufstiege im Podium-Pass als auch zufällige Fahrzeugteile mit verschiedenen Seltenheitsstufen, Buffs fürs Personal oder virtuelles Geld, mit denen man sich Equipment kaufen kann. Das alles ist zwar ein Fortschritt zum völlig verkorksten F1 Life aus dem letzten Jahr, aber als wirklich motivierend empfinde ich es nicht, ständig mit irgendwelchen Belohnungen überhäuft zu werden, auf die ich genau so gut verzichten könnte wie die Gestaltungsoptionen beim Eigenheim, die erneut überflüssige Einbindung der Supercars oder Event-Serien, in denen das Starterfeld aus Spielern der eigenen Freundesliste besteht, selbst wenn sie F1 23 gar nicht besitzen. Mehr Spaß machen definitiv die wechselnden Herausforderungen, die meist an die realen Rennwochenenden angelehnt sind.

Bewährte Qualitäten und Altlasten

Für das F1-Spiel sprechen auch in diesem Jahr die enormen Anpassungsmöglichkeiten bei der Gestaltung von Rennwochenenden, Meisterschaften, Regeln und den Fahrhilfen. Neuerdings lässt sich zudem eine Renndistanz von 35% festlegen und auch die roten Flaggen bzw. Rennabbrüche feiern ein Comeback innerhalb der Reihe. Was die allgemeine Präsentation angeht, fährt man trotz der zunehmend angestaubten Grafikengine immer noch vorne mit und auch das Liga-System für private Meisterschaften ist immer noch top. Allerdings schleppt die Reihe weiterhin ein paar Altlasten mit sich herum, darunter die zu aggressive KI, das eher mäßige Schadensmodell und die fehlende Unterstützung der Sprachsteuerung auf aktuellen Konsolen. Letztere gibt es tatsächlich nur am PC und in den Versionen für PS4 und Xbox. Enttäuschend zudem, dass es die VR-Unterstützung für ein immersives Rennerlebnis nur am PC, nicht aber für PSVR 2 gibt, obwohl Sony mit Gran Turismo 7 eindrucksvoll gezeigt hat, wie man ein Rennspiel auch auf der PS5 mit einem VR-Modus bereichern kann.

Mit F1 23 schalten Codemasters und EA Sports definitiv einen Gang höherer, insbesondere im Hinblick auf die Fahrphysik und das erweiterte CrossPlay, aber auch die Fortsetzung von Braking Point ist eine schöne Sache. Die F1 World bietet außerdem deutlich mehr Tiefgang als das miserable F1 Life aus dem Vorjahr, auch wenn der Funke nicht so recht überspringen will. Wer dagegen auf inhaltliche Fortschritte bei der Karriere hofft und keinen großen Wert auf aktuelle Lizenzen legt, kann ruhigen Gewissen beim deutlich günstigeren F1 2021 bleiben.

            

 Worum geht’s?

F1 23 ist das offizielle Videospiel zur Formel Eins mit FIA-Lizenz. Es beinhaltet demnach alle Teams, Fahrer und Strecken der aktuellen Saison. Entweder kämpft man in der Rolle eines realen Piloten um den WM-Titel oder erstellt für den umfangreichen Karriere-Modus mit Koop-Option den Fahrer und Rennteam selbst. Darüber hinaus feiert der Story-Modus ein Comeback, mit F1 World gibt es frische Impulse und die Nachwuchsserie F2 sowie Mehrspieler-Duelle sind ebenfalls wieder mit von der Partie.         

F1 23 ist geeignet für Spieler, die...

    • sich eine Fortsetzung der Story von F1 2021 gewünscht haben
    • mit aktuellen F1-Boliden und verbesserter Fahrphysik Gas geben wollen
    • eine umfangreiche (Koop-)Karriere inkl. CrossPlay suchen


F1 23 ist weniger geeignet für Spieler, die...

    • sich neue Elemente in der Karriere erhoffen  
    • aggressive KI-Fahrer nicht ausstehen können
    • eine ultrarealistische Hardcore-Simulation erwarten

Alternativen: Gran Turismo 7, Assetto Corsa Competizione, Dirt Rally 2.0