Während 2017 bei Gran Turismo Sport noch Online-Rennen und E-Sport-Wettbewerbe unter offizieller FIA-Flagge im Mittelpunkt standen, melden sich Sony und Polyphony Digital bei Gran Turismo 7 mit einer klassischen Einzelspieler-Kampagne inklusive Tuning zurück. Die Vorfreude weicht jedoch schnell einer Ernüchterung: Die ersten Stunden gestalten sich beim Abklappern der Karriere-Aufträge extrem zäh – sei es aufgrund der schlecht ausbalancierten Rennveranstaltungen mit schwankendem Schwierigkeitsgrad oder den zahlreichen Textboxen à la Visual Novel im Café, der neuen zentralen Anlaufstelle auf der Weltkarte. Beides ist ein notwendiges Übel, um viele Funktionen und Modi überhaupt erst freizuschalten, darunter das ausgefeilte Foto-Werkzeug „Scapes“, die fordernden Missionen, aber auch zentrale Anlaufstellen wie die Tuning-Werkstatt, Autohändler oder der Design-Editor. Selbst der Zugang zur wichtigen Mehrspielerkomponente steht erst nach ein paar Karriere-Stunden zur Verfügung – ein Unding besonders für alle, die sich das Rennspiel in erster Linie für Online-Duelle angeschafft haben, bei denen auch PS4- und PS5-Besitzer gegeneinander antreten dürfen! Ärgerlich: Aufgrund des Netzcodes und fehlender Lobby-Optionen hat man es bis heute nicht geschafft, das Niveau des Vorgängers Gran Turismo Sport zu erreichen.
Fahrphysik top
Dafür übertrifft man ihn hinsichtlich Fahrphysik deutlich: Gran Turismo 7 tendiert stärker zur Simulation und es erfordert trotz zuschaltbarer Hilfen mehr Können sowie Feingefühl, um die Wagen auf der Strecke zu halten – besonders unter nassen Bedingungen, die leider nicht für jeden der über 30 Schauplätze mit knapp 100 Streckenlayouts zur Auswahl stehen. Am besten fühlt sich das Fahren mit einem ordentlichen Lenkrad an. Neben offiziellen GT-Wheels wie dem Fanatec DD Pro wird auch PlayStation-Zubehör anderer Hersteller wie Thrustmaster oder Logitech unterstützt. Doch auch mit dem Controller entfaltet sich Fahrspaß, insbesondere an der PlayStation 5 mit dem DualSense und seinem haptischen Feedback, das sogar den Widerstand unterschiedlicher Bremspedale simuliert. Und auch bei der Technik hat die neue Sony-Konsole mit schickeren Wagenmodellen, 3D-Sound und einer Raytracing-Unterstützung die Nase vorne, doch auf der älteren PlayStation 4 macht GT7 trotz Abstrichen ebenfalls eine sehr gute Figur. Weniger schön sind dagegen das oberflächliche Schadensmodell, das weiterhin unausgereifte Strafensystem und die Tatsache, dass der Zugriff auf die meisten Spielmodi eine permanente Internetverbindung erfordert.
Änderungen für Mikrotransaktionen?
Für hitzige Diskussionen sorgte in den vergangenen Wochen außerdem die Ausschüttung der Preisgelder, die kurz nach der Veröffentlichung empfindlich reduziert wurden. Der Vorwurf: Viele Spieler vermuteten hinter der Anpassung den Versuch, Nutzer stärker zum Kauf von Mikrotransaktionen zu verleiten, um den Kontostand für die Anschaffung von besonders wertvollen Automodellen mit echtem Geld zu erhöhen. Mittlerweile rudern Sony und GT-Schöpfer Kazunori Yamauchi mit seinem Team bei Polyphony Digital wieder zurück: Mit dem jüngsten Update auf die Version 1.11 wurden die Preisgelder wieder erhöht, ein paar Programmierfehler aus der Welt geschafft, die Fahrphysik auf Rallye-Kursen optimiert und sogar weitere Inhalte hinzugefügt – weitere sollen folgen. Insgesamt ist Gran Turismo 7 im jetzigen Zustand ein solides Rennspiel, das an einigen Stellen aber immer noch Feinschliff benötigt, um irgendwann richtig zu glänzen.
Weitere Informationen unter: https://rennspieler.de/review-gran-turismo-7-ps5/
