Fast 32 Jahre nach dem Mord an der US-Amerikanerin Amy Lopez ist den Ermittlern in Koblenz ein Durchbruch gelungen: Ein 81 Jahre alter Deutscher wurde in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen. Gegen ihn besteht der Verdacht, die junge Touristin im September 1994 getötet zu haben. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft, äußert sich bislang jedoch nicht zu den Vorwürfen.
Eine Touristin auf dem Weg zur Festung – und ein tödliches Zusammentreffen
Amy Lopez war laut Staatsanwaltschaft damals auf Europareise. Am Tattag fuhr sie am Vormittag mit dem Bus nach Ehrenbreitstein auf der rechten Rheinseite und wollte zu Fuß den steilen Weg hinauf zur Festung Ehrenbreitstein nehmen. Dort, so die Ermittler, traf sie auf ihren mutmaßlichen Mörder.
Die 24-Jährige wurde sexuell missbraucht und schwer verletzt: Sie erlitt Messerstiche, wurde stranguliert und zudem mit einem Stein am Kopf getroffen. Ihre nahezu entkleidete Leiche entdeckten später spielende Kinder.
Der entscheidende Hinweis: eine Spur „auf links“ am Hosenbund
Über Jahre blieb der Fall ohne eindeutigen Täterbezug – trotz gesicherter Spuren. Den Ausschlag gab am Ende eine DNA-Spur an der Innenseite der Jeans, genauer am Hosenbund einer auf links gedrehten Hose. Diese Spur ließ sich lange niemandem zuordnen.
Der jetzt Verdächtige war bereits früher ins Visier geraten: Seine DNA gelangte 1999 in eine polizeiliche Datenbank, nachdem er wegen einer versuchten Vergewaltigung an einer 16-Jährigen ermittelt und später zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Doch: Die damalige DNA-Probe war später aufgrund gesetzlicher Fristen gelöscht. Erst als der Mann in diesem Jahr freiwillig eine DNA-Probe abgab, konnte der Abgleich mit den Tatortspuren die Zuordnung liefern.
Neue Bewertung, viele Proben – und dennoch: Tatnachweis noch nicht abgeschlossen
Die Ermittler sprechen von einer Neubewertung des Cold Cases. Dabei seien andere Personen als früher in den Blick geraten – und bei vielen Betroffenen wurden freiwillige DNA-Vergleichsproben erhoben. Der Abgleich führte schließlich zur Identifizierung des bislang unbekannten Spurenverursachers.
Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft sexuelle Beweggründe. Ein Detail: Im unteren Körperbereich sei das Opfer nach der Tat nicht mehr bekleidet gewesen, der Slip fehlte – es werde davon ausgegangen, dass der Täter ihn mitgenommen habe.
Zugleich betont die Staatsanwaltschaft, der Mann sei in einem „altersgerechten Zustand“ und geistig gut orientiert. Bei der Tat sehen die Ermittler die Mordmerkmale Heimtücke und Befriedigung des Geschlechtstriebs erfüllt – weisen aber auch darauf hin: „Der Tatnachweis ist noch nicht abschließend geführt.“
Der Vater des Opfers wurde nach der Festnahme laut Ermittlern rasch per Videokonferenz informiert. Wie er reagierte, wurde nicht mitgeteilt.
