Inklusion beeinträchtigter Menschen am Arbeitsmarkt ist nicht nur ein Ziel der Politik und Arbeitsverwaltung, sondern kann auch für Arbeitgeber eine Möglichkeit darstellen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Mayen-Koblenz |

Die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsmarkt ist schon lange ein erklärtes Ziel von Politik und Arbeitsverwaltung. In einer Zeit, in der der Mangel an Arbeits- und Fachkräften für immer mehr Unternehmen zur täglichen Sorge wird, bekommt das Thema neuen Schub. So ist Thilo Knopp davon überzeugt, dass Inklusion ein wichtiger Baustein künftiger Personalpolitik sein wird. Und der Teamleiter Reha der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen knüpft mit an einem Netz, das es Betrieben leichter machen soll, Menschen mit Handicap auch an ihrem Betriebsalltag teilhaben zu lassen.

Donnerstagvormittag in der Agenturgeschäftsstelle Mayen. Üblicherweise begegnen einem in diesem Teil des Gebäudes nur Besucherinnen und Besucher, die einen Beratungstermin vereinbart haben. Doch an diesem Tag brummt das Gebäude wie ein Bienenstock. Der Sitzungssaal und die benachbarte Kantine haben sich in eine kleine Messe verwandelt, wo Beratungsstellen und Arbeitgeber auf Menschen warten, die in einem Inklusionsbetrieb arbeiten wollen.

Und das Interesse ist groß, rund 80 Besucherinnen und Besucher schauen bis zum Mittag vorbei, suchen das Gespräch, loten Möglichkeiten aus und vereinbaren teilweise den Start konkreter Bewerbungsverfahren. Aber auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die sich fürs Thema interessieren finden vielfältigen Rat und können sich mit jenen austauschen, die die Teilhabe behinderter Menschen längst zum betrieblichen Alltag gemacht haben.

Inklusionsbetriebe bieten viele Chancen für beeinträchtigte Menschen

In einem Inklusionsbetrieb haben bis zu 50 Prozent der Beschäftigten eine Behinderung. Das bedeutet aber auch, dass mindestens die Hälfte der Belegschaft keine solche hat. Egal zu welcher Gruppe man gehört, das Arbeiten in einem solchen Unternehmen ist für alle etwas Besonderes, betont Franz-Josef Pelzer, Inklusionsbeauftragter im Bethel Hotel zum Weinberg in Bad Neuenahr. „Der Erfolg hängt maßgeblich von gegenseitigem Verständnis und Toleranz ab, und dafür muss man umeinander und die jeweilige Perspektive wissen. Dann nimmt man automatisch Rücksicht aufeinander und das Klima stimmt.“ Denn natürlich steht auch sein Hotel im Wettbewerb und wird von Kundinnen und Kunden nicht zuletzt an Service und Freundlichkeit gemessen. „Der soziale Bonus wäre schnell aufgebraucht, wenn unsere Gäste sich nicht wohlfühlten.“ Vielleicht ein Grund, warum der Inklusionsgedanke in Hotel- und Gastgewerbe noch nicht allzu stark ausgeprägt ist.

Dabei sei die Nachfrage groß, erklärt Pelzer. Von Seiten der beeinträchtigten Bewerberinnen und Bewerber sowieso, aber zunehmend auch von Menschen, die selbst gar keine Behinderung haben. „Vielleicht überzeugt sie das besondere Klima der Rücksichtnahme, das in einem Betrieb wie dem unsrigen zwangsläufig herrscht und von dem letztlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren“, glaubt der Fachmann. Das Miteinander behinderter und nicht behinderter Menschen sei nicht nur wichtig, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, so Pelzer. „Teilhabe am alltäglichen Leben kann ja nur dann gelingen, wenn es für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung selbstverständlich ist, Hand in Hand zu arbeiten.“

Gegenseitige Unterstützung der Arbeitgeber im Thema Inklusion

An der Inklusionsveranstaltung in der Arbeitsagentur beteiligte auch Pelzer sich. Neben dem Dialog mit potenziellen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, liegt ihm der Netzwerkgedanke am Herzen. Wie Teamleiter Thilo Knopp glaubt er, dass auch das Miteinander der Arbeitgeber eine wichtige Komponente auf dem Weg zum inklusiven Arbeitsmarkt ist. „Wichtig ist, dass diejenigen, die bereits Erfahrung als Inklusionsbetrieb gesammelt haben, jene unterstützen, die sich gerade erst auf den Weg machen“, sagt Knopp. „Deshalb wollen wir dieses Netzwerk verfestigen und ausbauen, indem wir uns regelmäßig austauschen und gemeinsame Veranstaltungen organisieren.“ 

Das funktioniere aber nur dann, wenn man sich gegenseitig nicht in erster Linie als Konkurrenten wahrnehme, sondern als Unternehmer mit gleichem Ziel, betont Knopp. „Wir müssen die Region als attraktiven Arbeitsmarkt mit überzeugendem Umfeld stärken. Dazu gehört, neben vielen anderen Aspekten, auch die Inklusion. Die Konkurrenz in diesem Wettbewerb sitzt nicht nebenan, sondern hundert Kilometer entfernt.“