Foto:Seydel

Jupp Wagner würde heute 70: Der Markt in Mayen trägt immer noch Trauer.

Heute am 10.Januar 2021 würde Jupp Wagner 70 Jahre. Viele haben ihn nicht vergessen, den genialen Koch und Menschenfreund, einer der Mayen so sehr verkörperte.
Jupp Wagner starb am frühen Morgen des 27.Oktober 2o15.    64  Jahre war er geworden und fast bis zuletzt hatte er daran geglaubt, den Krebs besiegen zu können. Immer wieder in den letzten Monaten seines Lebens , zwischen Chemo, ein wenig Erholen und arbeiten, so als sei nichts geschehen, machte er Pläne für die Zukunft, für  berufliche und auch  private.
Er ist bis zum Ende ein Visionär geblieben. Die Freude am Kochen und die Freude daran, die Menschen zu verwöhnen, hat er zu seinem Beruf gemacht. Als er 1972 sein Restaurant eröffnete, das einen bedeutenden Ruf weit über die Grenzen von Mayen als Gourmet-Treff erlangen sollte, als er wichtige Auszeichnungen und Sterne für seine Kochkunst bekam, Sterne, die er übrigens später  wieder zurückgab, weil er nicht sklavisch davon abhängig sein wollte,  damals konnte Jupp Wagner nur ahnen und hoffen, dass auch 4o Jahre später sein Haus am Markt in Mayen eines der gefragtesten im  Lande sein würde.  
Gleich um die Ecke hatte seine Mutter nach dem Krieg ihr Restaurant. Spezialität: Frikadellen. Mutter Wagner konnte nur große Frikadellen machen. Bei Leuten, denen man ansieht, dass sie selber gerne essen, ist man immer gut aufgehoben. Das war bei Mama Wagner nicht anders. Und der kleine Jupp, der mehr den Herd als Fußball liebte, hing immer an ihrem Rockzipfel.
Kleine Frikadellen hat auch er gemacht. Vielleicht ist das ein wenig die Reminiszenz an die Kindheit. Mehr aber war er ein Spitzenkoch geworden. Verwöhnen wollte er in seinem kleinen, feinen Restaurant, Atmosphäre schaffen und dabei selbst mit aufgehen bei den Abenden mit den Schauspielern der Burgfestspiele oder wenn er mindestens einmal im Jahr Mario Adorf verwöhnen durfte. Für den Weltstar war der Besuch bei Wagner Pflicht. Und wenn Jupp sich dann ans Piano setzte und die, die ihn noch nicht kannten, am Ende gar glaubten, er könne auch spielen, bevor er  ihnen diese Illusion nahm, indem er aufstand und  die Platte im Klavier weiter spielte, dann war es auch für ihn ein vollkommener Abend. Sein Restaurant war auch sein Wohnzimmer und seine Bühne, umrahmt von den vielen großartigen Bildern seines Freundes Peter Seydel.
Der Jupp, der so herrlich kochen konnte und dessen Hochdeutsch Brüche hatte, weil seine Sprache mayenerisch war, hat vieles geliebt: seine Heimat, sein Mayen, auch einige Frauen. Er war großzügig, kein Protz, ein Typ, der in seinem Metier viel erreicht hat und der es nie herausgehangen hat. Er brauchte das nicht, denn mit seiner Kunst warb er für sich. Am Ende hatte er noch einen Wunsch. In aller Stille und im kleinen Kreis wollte  er beigesetzt werden. “Show hatte ich ein Leben lang“.
Danach  fehlte er, weil er viel zu früh gegangen ist. Er hätte der Stadt, seiner Familie und seinen Freunden noch lange gut getan. Mit ihm ging einer, von denen man immer glaubt, es würde sie immer geben.
Der Markt in Mayen, wo Mutter und Sohn so ganz unterschiedlich, aber liebevoll, gekocht haben, trägt immer noch  Trauer .

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