Olympiasieger mit Ungarn und ein bodenständiger Typ: Jeno Buzanski

Jeno Buzanski ist tot - 2011 war er zu Gast beim SV Hatzenport-Löf

Als er 2011 beim E-Jugend-Fußballturnier des SV Hatzenport-Löf zu Gast war, da spürte man wie dem großen ungarischen Fußballer Jeno Buzanski bei all den jungen Fußballern das Herz aufging. Buzanski war der letzte noch Lebende der großen ungarischen Nationalmannschaft, die 1954 im legendären WM-Finale auf Deutschland traf. Und er war oft in Koblenz, Hatzenport und im Rheinland generell. Und so ist die Geschichte des ungarischen Fußballers, der nie ein Star sein wollte.

Jenö Buzansky ist tot. Im Alter von 89 Jahren verstarb er am 11.Januar 2o15. Er war der letzte noch lebende ungarische Spieler der Mannschaft, die in einem denkwürdigen Endspiel 1954 in Bern gegen Deutschland im Spiel um die Weltmeisterschaft mit 2:3 verloren hatte. 49 Länderspiele machte er und er gehörte der „Goldenen Mannschaft „ an, die 1952 in Helsinki Olympiasieger wurde und die 1953 im Londoner Wembley-Stadion den Engländern mit 3:6 die erste Heimniederlage nach 9o Jahren beigebracht hatte. Vier Jahre lang hatte die beste Nationalmannschaft dieser Zeit kein Spiel verloren. Bis dieses unvergessliche Endspiel am 4.Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion kam.

Jenö Buzansky war Ungar und Fußballer. Er war ein Patriot, der sein Land liebte und ihm diente. Nach seiner aktiven Laufbahn als Spieler war er sowohl im ungarischen Verband und auch in seiner Heimatregion , dem Komitat Komarom-Esztergom, in herausragenden Funktionen ehrenamtlich tätig. Dorög, das kleine Städtchen, wo das Stadion nach ihm benannt wurde, war seine Heimat. Hier lebte er immer. Er war der einzige Spieler der unvergessenen  ungarischen Mannschaft, der nicht in Budapest spielte. Die Region der Bergarbeiter in Dorög war seine Welt. Und als nach dem Aufstand 1956 die Puskas, Czibor, Kosicz oder Lorant nach Spanien oder Deutschland zogen und Ungarn den Rücken kehrten, da blieb er natürlich zurück. Er durchlebte den Kommunismus und er genoss das mehr an Freiheit nach der politischen  Wende.

Als 1989 der Landessportbund Rheinland-Pfalz eine Partnerschaft mit Komarom-Esztergom begann, da war Jenö Buzansky sofort mit dabei. Und erst recht, als kurze Zeit später der Fußballverband Rheinland ebenfalls mit dem Komitat  eine bis heute sehr lebendige Zusammenarbeit begann. Buzansky wurde für diese besondere Zusammenarbeit zum Eckpfeiler auf ungarischer Seite. Er war der große Fußballer dieser Region und er war auch ein Stück moralischer Instanz für das immer intensiver werdende Miteinander der Spieler von 1954. Seine Begegnungen mit Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel und Werner Liebrich genoss der Ungar. Und mit dabei waren auch seine Mitspieler Puskas, Hidekutti ,Grosicz und Czibor. Wie kein anderer aber sah Buzansky in den Treffen, in den Begegnungen mit Deutschland und erst recht in der Grenzöffnung 1989 mehr als nur die Begegnung von Fußballern, die einmal, je nach Blickpunkt, ein wichtiges Spiel gewonnen oder verloren hatten. Jenö Buzansky sah über den Tellerrand hinaus. Die vielen Jahre des Miteinanders seines Fußballs mit dem im Fußballverband Rheinland waren ein politisches Signal für ihn. Die Begegnung von jungen Menschen und die der 54er Legenden geschahen für ihn in einem sich verändernden und immer enger zusammenrückenden Europa. Daran sollte Ungarn teilhaben. Das war die Philosophie des Fußballers Jenö Buzansky.

Als wir uns Ende April 2o14, zusammen mit Horst Eckel, im schweizerischen Spiez am Thuner See, dem Ort, wo sich die Deutschen 1954 auf die WM vorbereitet hatten, trafen, da war Jeno Buzansky noch voller Träume. Er hoffte darauf, dass sich Ungarn wieder einmal für eine Europameisterschaft oder eine Weltmeisterschaft qualifizieren würde. Das wäre so wichtig für das Land, hat er erzählt. Und für die Menschen, die Fußball so lieben, die Puskas vergöttert haben und die mit all ihrer unvergleichlichen Emotionalität und ihrem Hang zur Melancholie heute immer noch darunter leiden, damals nicht Weltmeister geworden zu sein . Man war so sicher, zu gewinnen. Zu sicher. Deshalb sei man auch so tief gefallen, sagt Buzansky.

Ein Spieler von damals hat mir einmal gesagt, man komme erst dann zur Ruhe in Ungarn, wenn kein Spieler von 1954 mehr lebe und keiner mehr erzählen könne, warum man 1954 verloren hat.

Jetzt ist es soweit. Es lebt keiner mehr. Buzansky, der Bergarbeiter aus Dorög, war der Letzte, der davon erzählen konnte. Mit ihm ist Ungarns   große Stimme des Fußballs gegangen, aber auch ein Freund der Deutschen, des Fußballverbandes Rheinland, ein wunderbarer, einfacher Menschen. Der so herrlich lachen und feiern  und auch traurig sein konnte. Er war ein Ungar.

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