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Heute vor 50 Jahren: Deutschland wird erstmals Fußball-Europameister

Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Bundestrainer Helmut Schön (von links, hier nach dem WM-Sieg 1974) waren die Gesichter des EM-Siegs von 1972 und der anschließenden erfolgreichen Ära der DFB-Elf. (Bildrechte am Ende des Textes)


Es war der Beginn der wohl erfolgreichsten Ära der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Am 18. Juni 1972 konnte die Sowjetunion im Endspiel der Fußball-EM in Belgien mit 3:0 (1:0) geschlagen werden. Es folgte der Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Land 1974, die Finalteilnahme bei der Europameisterschaft 1976 und der zweite EM-Titel 1980.

Für diesen zweiten großen Erfolg der deutschen Fußball-Geschichte, nach dem Wunder von Bern 1954, benötigte die DFB-Elf ledigliche zwei Siege. Denn im Vergleich zum heutigen aufgeblähten Modus mit 24 Teilnehmern, wo der spätere Europameister (Portugal 2016) ohne einen einzigen Sieg das Achtelfinale erreichen kann, nahmen 1972 bei der Endrunde in Belgien mit dem Gastgeberland, Ungarn, der Sowjetunion und eben Deutschland nur vier Nationen teil.

Das Halbfinale gegen die im Heimvorteil befindlichen Belgier entschied Gerd Müller im Alleingang zu Gunsten der Deutschen Nationalmannschaft. Mit zwei Toren konnte selbst der späte Anschlusstreffer der Gastgeber nichts mehr an dem 2:1-Sieg ändern. Im Finale folgte schließlich die Auswahl der Sowjetunion, die drei Wochen zuvor bei der Eröffnung des Olympiastadions bereits mit 4:1 besiegt werden konnte.

Somit ging Deutschland als Favorit in die Partie und wurde dieser Rolle auch gerecht. Wieder steuerte Gerd Müller zwei Tore zum Erfolg der DFB-Elf zu. Den dritten Treffer des Tages erzielte der Gladbacher Herbert Wimmer. Mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Gerd Müller standen zudem sechs Spieler in der Startformation, die zwei Jahre später auch im WM-Finale von München von Beginn an ran durften.

50 Jahre nach dem deutschen EM-Sieg

Wir schreiben das Jahr 2022. WM-Jahr. Es ist Mitte Juni und die Republik erlebt momentan die bisher wärmsten Tage des Jahres. Normalerweise würde das Land zu dieser Zeit flächendeckend schwarz-rot-gold gefärbt werden. Kollektive Urlaubsstimmung, Bereits in den frühen Nachmittagsstunden wird das Trikot an und das erste Bier aufgezogen und alle würden sich vor den Fernsehgeräten dieser Nation versammeln. Doch nicht in diesem Jahr.

Wir erwarten eine Winter-WM in Katar auf die sich keiner freut, mit einer Mannschaft, die keinen mehr begeistert. Jogi's Jungs, die Helden von Rio, sind Geschichte. "Die Mannschaft", wie Oliver Bierhoff sie gerne nennt, muss nach den Vorstellungen des neuen Bundestrainers Hansi Flick erst noch gefunden werden. Und dann wären da noch der Krieg in der Ukraine und die noch immer andauernde Corona-Pandemie. Ein euphorisches Fußballfest, wie etwa beim Sommermärchen 2006, wäre bei diesen Rahmenbedingungen absolut deplatziert.

Doch die Hoffnungen sind groß. Hansi Flick wusste bei seiner Zeit als Trainer des FC Bayern auf dem Feld für Furore und vor allem für Erfolg zu sorgen. Auch der sensationelle 5:2-Erfolg gegen den amtierenden Europameister Italien, nach zuvor drei ermüdenden 1:1-Remis in der unsäglichen Nations League, macht Mut. Und dann wären da noch diese jungen, wilden Spieler, denen die Zukunft gehört.

Havertz, Wirtz, Musiala, Adeyemi, Schlotterbeck, Raum. Vielleicht werden sie eines Tages in die Fußstapfen von Beckenbauer, Müller, Breitner, Hoeneß, Heynckes oder Netzer treten und dürfen bei der Europameiterschaft 2024, der Endrunde im eigenen Land, dem Sommermärchen reloaded, wenn Corona in den Geschichtsbüchern steht und die Menschen in der Ukraine wieder in Frieden und Freiheit leben, den Pokal in die Höhe strecken. 70 Jahre nach dem WM-Sieg 1954, 50 nach dem WM-Sieg 1974, 10 nach dem WM-Sieg 2014 und 52 Jahre nach dem EM-Sieg 1972.

Foto: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22812365