Der Trend um Wichteltüren erobert immer mehr Familien und sorgt für zauberhafte Adventsüberraschungen. Doch ist das wirklich nötig – oder nur ein weiterer Hype, der Eltern unter Druck setzt? In meiner Kolumne erzähle ich von eigenen Erfahrungen mit dem Wichtelwahnsinn und warum weniger manchmal mehr sein kann.

Mendig |

Vier Tage Advent – das bedeutet: Die ersten Türchen des Kalenders sind geöffnet, die ersten Wichtel haben ihren Schabernack getrieben. Wenn man einen hat, versteht sich. Denn dieser Trend scheint inzwischen so fest zur Vorweihnachtszeit zu gehören wie die Diskussion, ob Weihnachtsmärkte im November starten dürfen.

Auch wir hatten schon mal einen Wichtel zu Besuch. Vor ein paar Jahren zog er heimlich bei uns ein, mit einer winzigen Tür an der Fußleiste und jeder Menge kreativer Ideen, wie man das Kinderzimmer in ein magisches Chaos verwandeln kann. Mein ältester Sohn hatte damals riesigen Spaß – und ich? War abends noch wach und googelte panisch: „Was macht der Wichtel morgen?“ Inspiration aus dem Netz half, aber der Aufwand war nicht zu unterschätzen. Trotzdem: Die leuchtenden Augen am Morgen waren die Mühe wert, keine Frage.

Inzwischen gibt es ja Bücher und Komplett-Sets, die Wichtel-Aktivitäten minutiös planen – ein Advent für Dummies, wenn man so will. Praktisch? Sicher. Aber auch ein wenig schade, denn es ist genau dieser perfekt inszenierte Trend, der den Druck auf viele Eltern erhöht. Jedes Jahr origineller, kreativer, besser! Bei Instagram und Pinterest sieht man Wichtel, die ganze Miniatur-Wohnzimmer einrichten, winzige Briefe schreiben und aufwendig inszenierte Abenteuer erleben. Und plötzlich steht man da, schielt nervös auf die eigenen Bastelqualitäten – oder fragt sich, ob man für 29,95 Euro eine Komplettlösung kaufen sollte, um mitzuhalten.

Hier mache ich nicht mehr mit. Trends, die zu übermäßigem Konsum oder Gruppenzwang führen, haben bei mir sowieso einen schweren Stand. (Fragt nicht, wie lange ich Game of Thrones boykottiert habe, nur weil es jeder schauen musste.) Doch ein Trend ist eben nur so gut, wie der Spaß, den man selbst daran hat. Wer Freude daran hat, seinem Wichtel Leben einzuhauchen, für den ist das eine wunderbare Sache. Aber: Es sollte niemals Pflicht oder Wettbewerb sein.

Ich mag den Zauber, den so ein Wichtel ins Haus bringen kann. Vor allem bei uns, wo meine Kinder in einer Waldorfumgebung aufwachsen, die den Glauben an Elementarwesen wie Zwerge und Feen lebendig hält. Es passt einfach zu uns. Dieses Jahr allerdings gab es keine Zeit für Wichteltüren. Stattdessen warten hier Adventskalender, die sich die Kinder selbst gewünscht haben, ergänzt durch einen simplen Schokokalender – so einen, wie ich ihn als Kind geliebt habe.

Am Ende zählt für mich nicht, ob ein Wichtel im Haus ist oder wie aufwendig ein Adventskalender gestaltet wurde. Es geht um den Zauber der Vorweihnachtszeit, um das gemeinsame Erleben. Und manchmal reicht auch einfach ein Becher Kakao, eine Kerze und eine Geschichte. Oder ein Wichtel, der vielleicht nächstes Jahr wieder zurückkehrt. Wer weiß? Bis dahin genieße ich die leuchtenden Augen der Kinder – auch ohne Zaubertür an der Fußleiste.

Weiterhin eine schöne Adventszeit,

eure Dani