Nach dem Halloween-Trubel, über den ich kürzlich kritisch schrieb, kommt nun ein Fest, das ich seit Kindheitstagen an liebe: St. Martin. Damals wie heute verbinde ich damit ein Gefühl von Wärme und Gemeinschaft – eine Art Lichtblick in der dunklen Jahreszeit.
Ich kann mich noch gut an meine eigene Aufregung als Kind erinnern, als wir beim Martinsumzug durch meine Heimatstadt liefen. Vom Start an der Kirche bis zum großen Feuerplatz beim Friedhof sangen wir voller Inbrunst all die schönen Martinslieder. Mein persönliches Highlight war stets der „echte“ St. Martin, hoch zu Pferd, gefolgt von einer Kapelle, die uns durch die Straßen begleitete. Und dann das riesige Feuer – ein Anblick, der mich jedes Jahr neu begeistert hat. Im Anschluss ging es traditionell zu meiner Oma, wo es jedes Mal einen herrlichen Döppekuchen gab, eine Art deftiger Kartoffelauflauf, um den sich alle am Tisch drängten, um ja auch ein Stück der knusprigen Schicht zu ergattern. Für uns Kinder war es das Größte.
Heute erlebe ich St. Martin mit meinen eigenen Kindern, und das Fest hat für uns eine besondere Bedeutung. Es ist eines der drei Lichtfeste der dunklen Jahreszeit, neben Michaeli und Nikolaus, die früher den Menschen Mut und Zuversicht gaben, um die dunkle, kalte Jahreszeit vertrauensvoll zu überstehen. Im Waldorfkindergarten, in dem meine Kinder betreut werden, wird diese Bedeutung besonders betont. Hier gehört zur Feier nicht nur der Martinsumzug, sondern auch ein besonderes Ritual mit den Kindern, bei dem sie selbstgebastelte Laternen tragen und ein kleines Licht in die dunkle Nacht tragen – ein Bild, das fast poetisch wirkt.
Der Martinszug in unserem kleinen Kreis hat eine ganz eigene, besondere Atmosphäre. Man kennt sich in dieser Gemeinschaft und jeder ist dabei. Nach dem Umzug treffen sich die Familien am Feuer, Kinderaugen leuchten im Schein der Flammen und Laternen – ein Leuchten, das von innen kommt. Ein Hauch von Magie liegt in der Luft, wenn dann die Geschichte des heiligen Martin erzählt wird, der seinen Mantel mit dem frierenden Bettler teilte. Manchmal kommt dabei sogar der Gedanke auf, wie schön es wäre, wenn wir diese Werte – Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl – wieder mehr im Alltag leben könnten.
Natürlich gibt es auch in vielen Ortschaften inzwischen große Martinsumzüge mit Buden, Glühwein und Bratwurst, die Menschen in Scharen anziehen. Das mag seinen Reiz haben, aber mir gefällt der Gedanke an ein etwas kleineres, intimeres Fest. Ich genieße es, gemeinsam mit meinen Kindern ein Fest zu erleben, das nicht nur gefeiert wird, „weil man das eben so macht“, sondern weil uns seine Botschaft am Herzen liegt. Und wenn ich dabei den strahlenden Stolz meiner Kinder sehe, die ihre Laternen selbst gebastelt haben, dann weiß ich: Das ist St. Martin, wie ich es mir wünsche.
In diesem Sinne, denkt besonders in der dunklen Jahreszeit an Werte wie Menschlichkeit und Nächstenliebe, wenn euch Menschen begegnen, denen es nicht so gut geht. Schenkt ihnen ein Licht, egal in welcher Form. Manchmal reicht auch schon ein Lächeln.
Eure Dani
